: Thomas Töpfer
: Die 'Freyheit' der Kinder Territoriale Politik, Schule und Bildungsvermittlung in der vormodernen Stadtgesellschaft. Das Kurfürstentum und Königreich Sachsen 1600-1815
: Franz Steiner Verlag
: 9783515105552
: Contubernium
: 1
: CHF 75.40
:
: Geschichte
: German
: 482
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die Strukturen des vormodernen Bildungswesens in Deutschland hingen gleichermaßen von den politisch-konfessionellen Rahmenbedingungen in den Territorien wie von der ökonomisch-sozialen Situation in den Städten und Gemeinden ab. Am Beispiel des Kurfürstentums und Königreichs Sachsen, des wichtigsten evangelischen Territoriums des Alten Reiches, behandelt Thomas Töpfer das Verhältnis von lokaler Schulentwicklung und territorialer Politik vom ausgehenden 16. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert. Dafür wertet er nicht nur die umfangreiche landesherrliche Quellenüberlieferung aus, die von den nachreformatorischen Visitationsberichten bis zu den Reformdiskussionen der Aufklärung reicht. Auf der Grundlage einer Vielzahl lokaler Archivbestände erforscht er auch die schulischen Verhältnisse vor Ort und wirft ein neues Licht auf die städtische 'Schulwirklichkeit' und den sozialen Kontext der Wissensvermittlung in der Frühen Neuzeit. Die Befunde zur Mikro- und Makrogeschichte des frühneuzeitlichen Schulwesens in Sachsen werden abschließend vergleichend eingeordnet und bewertet. 

Die Dissertation wurde mit dem Preis der Horst-Springer-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet.



Thomas Töpfer, geb. 1978, studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Leipzig, Basel und Freiburg im Breisgau. Promotion 2009. Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit der Universität Leipzig.
Forschungsschwerpunkte: Reformationsgeschichte, Humanismus und Universität im 16. Jahrhundert, Sozialgeschichte der Schule in der Frühen Neuzeit sowie Pietismus und seine außereuropäische Wirkung im 18. Jahrhundert.
Inhaltsverzeichnis6
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen9
Vorwort des Verfassers14
Einleitung16
1. Problemstellung16
2. Forschungsstand18
3. Vorgehensweise und Methode32
4. Quellenlage38
Kapitel I: Das kursächsische Schulwesen zwischen reformatorischer Strukturerneuerung und dem Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg.40
1. Strukturprägung im Reformationsjahrhundert bis zur Kirchen- und Schulordnung von 158040
2. Landesherrliche Visitationstätigkeit und ‚Schulreform‘ im 17. Jahrhundert53
3. Die Generalvisitation von 1670 bis 1675 und die Lage des Schulwesens in Kursachsen70
4. Die Sonderstellung der beiden Lausitzen84
Kapitel II: Das landesherrliche Schulregiment im 18. Jahrhundert. Rezeption lokaler Zustände, normative Neuregelungen und aufgeklärte Reforminitiativen90
1. Normative Regelungen der Landesobrigkeit um 170090
2. Staatsreformen und Schulwesen. Das kursächsische Rétablissement 1763 aus bildungsgeschichtlicher Perspektive104
3. Die Schulordnungen für die Oberlausitz und die Erblande von 1770 und 1773. Genese, geistiger Kontext und Rezeption110
4. Peter von Hohenthal – Volksaufklärung, Bildungsdebatte und Bildungsreform 1756–1790123
Kapitel III: Schulische Bildung „vor Ort“. Bildungsnachfrage, konkurrierende Unterrichtsformen und lokale Anpassungsprozesse in sächsischen und oberlausitzischen Städten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts162
1. Öffentliche Schule, gewerbliche Unterrichtsangebote, Hausinformation. Das Spektrum öffentlicher und privater Kinderunterweisung in der vormodernen Stadtgesellschaft165
2. Geistlichkeit und städtisches Schulregiment – Schulpatronat, Schulaufsicht und die Anpassung an die Schulwirklichkeit um 1700209
Kapitel IV: „In denen Winckel Schulen haben die Kinder ihre Freyheit“.234
1. Schulgewerbe und obrigkeitliche Konzessionierungspraxis. Was ist eine Winkelschule?238
2. Schulhalter und städtische Obrigkeit. Zwischen Duldung, Integration und Selbstorganisation243
3. Die Qualifikation der Schulhalter und die sozial- und alltagsgeschichtliche Verortung des Schulgewerbes264
4. Zwischen konfessioneller Ausrichtungund säkularen Bildungsinteressen. Das Unterrichtsgeschehen und das Verhältnis der Eltern zur Schule278
Kapitel V: Schule als „Staatsangelegenheit“ oder Vorherrschaft der „Local Umstände“?308
1. „Ohne Thätigkeit der Unterobrigkeiten [würde] durch zehn neue Schulordnungen nichts geholfen seyn“.308
2. Die Differenzierung und Expansion kommunaler Bildungsstrukturen in der Praxis. Lokale Fallbeispiele325
3. Schulreform im Zeichen regionaler Verdichtung. Zittau und das Schulwesen in der Oberlausitz 1807–1811348
Kapitel VI: Auf dem Weg zum „Schulstaat“ des 19. Jahrhunderts. Die bildungsgeschichtliche Entwicklung Sachsens im Vergleich368
1. Modernisierung ‚von oben‘ oder ‚von unten‘? Wege zur Erneuerung des Schulwesens am Ende des 18. Jahrhunderts368
2. Preußen – die deklaratorische Inanspruchnahme des Schulwesens als Reservatbereich des Staates377
3. Österreich und die geistlichen Staatender Germania sacra – Schulreform, Staatsbildung und katholische Erneuerung im Zeichen der Aufklärung384
4. Bayern und Württemberg – Kontinuität oder Bruch zwischen altständischer Schulverfassung und rheinbündischer Bildungspolitik399
5. Ausblick: Staat, Schule und Restauration in den Territorien des Deutschen Bundes im Übergang zum Vormärz414
Zusammenfassung422
Abkürzungen und Siglen431
Quellen- und Literaturverzeichnis432
Ortsregister480
Personenregister487