Mittwoch, 19. November 2014
Bernd Kastrup stand in seinem Büro und musterte die Truppe, die ihm zur Verfügung stand. Da war zunächst einmal Vincent Weber, sein ältester und erfahrenster Mitarbeiter. Er hatte eine wechselhafte Karriere hinter sich, in deren Verlauf er unter anderem als Illusionist gearbeitet hatte. Seine Kollegen nannten ihn den Zauberer, was sich weniger auf seine Kartentricks bezog als darauf, dass er in der Lage war, sich in andere Menschen hineinzudenken und auf diese Weise Erfolge zu erzielen, wo andere vor ihm gescheitert waren. Weber war erst mit 35 Jahren zur Polizei gekommen. Vor zwölf Jahren war das gewesen; jetzt war er Hauptkommissar, genau wie Bernd. Sie hatten schon vor der Neugliederung der Kripo zusammengearbeitet, im alten LKA 411, der Mordkommission.
Kriminaloberkommissar Alexander Nachtweyh, sieben Jahre jünger als Weber, stammte aus Osterode am Harz. Vor seiner Polizeiausbildung hatte er ein Germanistik-Studium abgebrochen. Er war einsatzfreudig und zupackend, andererseits aber auch leicht ablenkbar und verspielt. Computer waren seine Leidenschaft. Bernd wusste, dass Nachtweyh in seiner Freizeit irgendeine Kampfsportart trainierte. Bei der Zusammenlegung von LKA 411 (Mordkommission) und LKA 417 (Todesermittlungen) waren Nachtweyh und Ladiges ihm zugeteilt worden. Die beiden waren erst vor sechs Monaten zu ihnen gestoßen.
Jennifer Ladiges war 29. Sie hatte ihr dreijähriges Studium an der Akademie der Polizei Hamburg mit Auszeichnung bestanden und war jetzt »Bachelor of Arts«, eine Bezeichnung, die Bernd jedes Mal ein spöttisches Lächeln entlockte, wenn davon die Rede war. Dabei gab es an Jennifers Leistung nichts zu bemängeln. Es war nur die für ältere Kollegen wie ihn ungewohnte Laufbahn, bei der er jedes Mal an diePolice-Academy-Filme denken musste, von denen er jeden einzelnen auf DVD besaß und mit großer Freud