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Die Zeitmaschine ist eine Kugel, gefüllt mit einer milchigen Flüssigkeit, in der der Zeitreisende schwebt, geschützt von einem Plastikanzug und atmend durch eine Maske, die über einen Schlauch mit der Außenwand der Maschine verbunden ist.
Bei der Landung platzt die Kugel, die Flüssigkeit versickert im Boden. Die Kugel rollt los und holpert über nackte Erde und Steine.
O Jesus! O Gott!
O Jesus! O Gott!
O Jesus! O Gott!
O Jesus! O Gott!
Himmel, wie wird mir?
Ich bin im Arsch. Das war’s dann wohl.
Das verdammte Ding funktioniert nicht.
O Jesus! O Gott! Wann hört das Mistding endlich auf, solche Bocksprünge zu machen?
Karl Glogauer rollt sich zusammen, während der Flüssigkeitspegel fällt und er auf die nachgiebige Plastikschicht sinkt, die das Innere der Maschine auskleidet.
Die geheimnisvollen, ungewöhnlichen Instrumente geben keinen Ton von sich, zeigen nichts an. Die Kugel bleibt stehen, schwankt und rollt weiter, als die letzten Tropfen aus dem breiten Riss in der Hülle rinnen.
Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan?
Glogauer blinzelt einige Male, dann öffnet er den Mund zu einer Art Gähnen. Er stöhnt – und der Laut verwandelt sich in ein Geheul.
Als er das Heulen hört, denkt er abwesend: die Stimme der Zungen, die Sprache des Unbewussten … allerdings kann er selbst nicht verstehen, was er von sich gibt.
Zischend entweicht die Luft, während die Plastikhülle in sich zusammensackt, bis Glogauer mit dem Rücken an der Metallwand lehnt. Seine Schreie brechen ab, er betrachtet den gezackten Riss in der Kugel. Auf das, was jenseits davon existiert, ist er nicht neugierig. Sein Körper ist völlig taub und will sich nicht bewegen. Er schaudert, als durch den Spalt in der äußeren Wand der Zeitmaschine kalte Luft hereinweht. Offenbar ist es Nacht draußen.
Seine Reise durch die Zeit war schwierig. Nicht einmal die zähe Flüssigkeit konnte ihn völlig schützen, auch wenn sie ihm ohne Zweifel das Leben gerettet hat. Wahrscheinlich sind ein paar Rippen gebrochen.
Dieser Gedanke weckt Schmerzen. Er stellt jedoch fest, dass er Arme und Beine strecken kann.
Über das glitschige Plastik kriecht er zum Riss. Er keucht, hält inne und kriecht weiter.
Dann wird er ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, ist die Luft wärmer geworden. Durch den Riss sieht er gleißendes Sonnenlicht und einen Himmel wie polierter Stahl. Er zieht sich halb hinaus und muss die Augen schließen, als ihn das volle Sonnenlicht trifft. Wieder verliert er das Bewusstsein.
Winterhalbjahr 1949.
Damals war er neun Jahre alt. Zwei Jahre nachdem sein Vater aus Österreich nach England gekommen war, hatte er das Licht der Welt erblickt.
Auf dem grauen Kies des Schulspielplatzes tobten kreischend und lachend die anderen Kinder, sie spielten. Am Rand des Spielplatzes lagen kleine, schmutzige Schneehaufen, jenseits des Zauns erhoben sich die rußigen Häuser von Südlondon schwarz vor dem kalten Winterhimmel.
Eifrig hatten sie mit dem Spiel begonnen, und Karl hatte nicht ohne Nervosität die Rolle vorgeschlagen, die er übern