: Tanja Buburas, Shirley Michaela Seul
: Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen Wie Gonzo meine Angst verjagte
: nymphenburger Verlag
: 9783485061094
: 1
: CHF 13.20
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: Angewandte Psychologie
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Hund - der beste Therapeut! Schritt für Schritt zurück ins Leben - ein liebevoller Therapiehund schafft, was weder Psychoanalyse noch Klinikaufenthalt vermochten: Tanja Buburas kann sich von ihrer sieben Jahre dauernden Angststörung befreien und seit Wochen zum ersten Mal ihre Wohnung verlassen. Mit dem einfühlsamen Hund Gonzo an ihrer Seite kämpft sie sich Meter um Meter in ihr altes Leben zurück, fasst zunehmend Vertrauen zu sich und auch zu anderen und kann schließlich ihren Alltag wieder bewältigen. Eindrucksvoll und sehr offen schildert sie ihren Weg aus der Dunkelheit, die oft lustigen Therapiemethoden ihres Hundes und ihre tiefe Dankbarkeit fürs Leben.

Tanja Buburas, geboren 1977, jung und erfolgreich, wird mit knapp 30 Jahren durch eine Angststörung aus dem Leben gerissen. Sieben Jahre lang scheint alles nur schlimmer zu werden, bis ein Therapiehund die Wende bringt. Sie wird gesund, arbeitet heute als Office Managerin und engagiert sich für soziale Projekte. Die Marketingkommunikationswirtin lebt südlich von München. Shirley Michaela Seul hat zahlreiche Bücher in verschiedenen Genres veröffentlicht, darunter auch eine Hundekrimi-Serie. Zudem arbeitet sie sehr erfolgreich als Ghostwriterin. In ihrem Blog erzählt sie vom Hundeleben ihrer Muse: flipper-privat.de

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Endlich, die Türklingel. Ich hatte ihn schon erspäht, vom Fenster aus. Er war groß, kräftig und irgendwie Furcht einflößend, was mir ein sicheres Gefühl vermittelte. Im Internet waren mir auch seine Augen aufgefallen. Bernsteinfarben. Andere Frauen in meinem Alter warteten auf einen Mann. Ich, 35 Jahre alt, Single, nicht ganz unattraktiv, wartete auf … einen Hund. Andere Frauen in meinem Alter sahen sich im Internet nach Männern um. Ich hatte mir diesen Vierbeiner ausgesucht. Er war nicht zu vergeben, war in festen Händen. Seine Trainerin und er waren ein eingespieltes Team, das merkte ich gleich, wie sie da so locker nebeneinander vom Auto zu meiner Haustür liefen. Die Trainerin war groß und schlank, wahrscheinlich in meinem Alter, und sie bewegte sich wie alle Menschen, die sich keine Gedanken darüber machen, was ihnen zustoßen könnte, wenn sie ihre Wohnung verlassen. Wie die meisten Menschen, die schreckliche Dinge tun, ohne mit der Wimper zu zucken. Einkaufen zum Beispiel, Auto fahren, spazieren gehen.

Seit sieben Jahren war ich eine Gefangene. Mein Gefängnis war unsichtbar für andere. Aber ich selbst spürte es, sobald mein Herz zu rasen begann. Wenn ich keine Luft mehr bekam. Wenn ich am ganzen Körper zitterte. Wenn die Todesangst mich in ihren Fängen hielt und schüttelte. Sicher war ich nirgendwo, außer in meiner Wohnung. Deshalb konnte ich sie kaum noch verlassen. Ich machte mir nichts vor: Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass der Prinz eines Tages hier klingeln und auf seinem weißen Pferd mit wallender Mähne und silbernem Schweif mit mir in die Freiheit reiten würde. Aber zum schwarzen Hund hatte ich es geschafft, immerhin.

Ich drückte den Türöffner. Meine Hände waren feucht. Es war mir absolut klar, was für mich jetzt auf dem Spiel stand. Nach sieben Jahren verschiedener Therapien kam mir dieser Augenblick vor wie mein letzter Rettungsversuch. Ich hatte vieles von dem ausprobiert, was man in meiner Situation so unternehmen kann. Von Verhaltenstherapie über tiefenpsychologisch fundierte Behandlungen zu Körper-, Gruppen- und Musiktherapie. Außerdem hatte ich zwei Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken sowie eine einjährige stationäre und eine einjährige ambulante Rehabilitation hinter mir. Alles, was auch nur die allerkleinste Aussicht auf Erfolg versprach, hatte ich versucht. Ob Homöopathie, Chinesische Medizin, Yoga, Meditation, Channeling, Astrologie oder Energiearbeit mit Bäumen. Ach ja, auch mit dem Erzengel Gabriel hatte ich es probiert, doch die Frau, die mit ihm kommunizierte, hatte keine guten Nachrichten von Gabriel für mich. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was er mir riet. Ich weiß nur, dass es nichts half … wie so manches andere. Oder nur ein bisschen. Oder auch ein bisschen mehr, aber eben nicht langfristig. Ich hatte viel gelernt in den letzten Jahren und war interessanten Menschen begegnet. Doch Tatsache war, dass ich noch immer beziehungsweise wieder einmal eingesperrt in meiner Wohnung war. Drei Monate dauerte diese schlimme Krise nun schon. Ich notierte ihren Verlauf in der Hoffnung auf Besserung, doch es wurde nur enger, immer enger.

Seit drei Tagen esse ich nur noch Schokolade und Chips. Etwas anderes ist nicht im Haus und auch diese Vorräte gehen langsam zur Neige. Wie lange wird es dauern, bis ich an Mangelerscheinungen leide? Die Haare werden mir ausfallen. Die Fingernägel abbrechen. Egal, das sieht ohnehin niemand. Ich kann ja nicht raus.

Auf der gegenüberliegenden St