Wenn der Name der Band fällt, haben wir alle eine Geschichte zu erzählen. Ich selbst kann weder ein Datum noch einen exakten Zeitpunkt nennen. Meine Erinnerungen sind verschwommen – vom Nebel des Whiskys, der mir an einem trostlosen Abend den Rest gab. Ich saß allein zu Hause und fragte mich, wie ich nur in diesem unordentlichen Zimmer in einer klammen, beschissenen Kellerwohnung im Stadtkern Sydneys landen konnte, wo ich doch so lange alles gehabt hatte: das gemütliche Haus in einem Vorort, die glückliche Familie, eine schöne Frau und sogar einen Streuner aus dem Tierheim mit wedelndem Schwanz. Und nun hatte sich mein Leben auf das Zusammenfalten schwarzer Socken reduziert, um die Zeit zu überbrücken, bevor ich zu Bett gehen konnte in der Sicherheit, nicht schon wieder um vier Uhr morgens aufzuwachen. Wenn für einen erst kürzlich geschiedenen Mann zwei Uhr morgens das Gefühl der Einsamkeit symbolisiert, steht vier Uhr für das Unerträgliche.
Der Wunsch, mit einer Frau eng zusammen zu sein, mit irgendeiner Frau, sie zu drücken und zu berühren, wurde von der Tatsache blockiert, dass meine Ex-Gattin, die ich immer noch liebte und mit der ich leben wollte, nun mit einem anderen Mann liiert war – obwohl ich genügend „Notfall-Dates“ hinter mich gebracht hatte, um die Nächte zu überstehen. Ich fühlte mich machtlos, wütend, vor allem festgefahren und völlig deprimiert. Meine Situation war recht bedauernswert.
Und dann – es war ein einfaches „Dann“ in dieser Geschichte des Elends – schnappte ich mir mein ramponiertes MacBook, öffnete iTunes und spielte AC/DC.
Ich entschied mich gegen „Back In Black“, „Highway To Hell“, „Thunderstruck“ oder einen anderen Titel der Stadion-Songs aus dem Repertoire der australischen Band. (Die Australier vereinnahmen AC/DC immer noch für sich, obwohl Angus und Malcolm Young ihnen in den letzten Jahren aus dem Weg gegangen sind, womit sie den Kontinent effektiv enterbt haben.) Ich wählte „Gimme A Bullet“, einen allgemein vergessenen Titel des 78er-AlbumsPowerage, das aus irgendeinem Grund von der Bildfläche verschwand, was sich auch in den eher kümmerlichen Verkaufszahlen niederschlug. Es war das fünfte Studioalbum [gerechnet nach der australischen Diskografie, A. T.], produziert vom Ex-Easybeats-Duo George Young (der ältere Bruder) und Harry Vanda – in der goldenen Ära der Jahre 1975–1980, und die wohl unspektakulärste, aber zugleich künstlerisch ausgefeilteste Platte der Band. Hier findet sich kein einziger schlechter Track.
Oh, she hit me low.
Ja, Bon, genau das machte meine Frau. Konnte die Gruppe meine Gedanken lesen? Natürlich hatte ich AC/DC schon früher gehört, doch in dieser Nacht saß ich auf der Bettkante und fühlte mich wie gebannt von der Musik. Der brettharte Klang! Die bahnbrechende Energie! Die sorgfältig getrennten, aber trotzdem verwobenen Gitarren! Keine expressiven Soli von Angus, was bei AC/DC nur selten vorkommt, sondern die beiden Young-Brüder, die ihre Gitarren zu einem treibenden Groove verzahnen! Und die Texte: Worte, die wie Balsam für den Teil meiner Seele wirkten, den meine Frau zerrissen hatte. Schließlich kapierte ich es! Nach dem ersten Hördurchgang musste ich mir das Albu