4. Kapitel
»Und nun?«
Nachtigall wollte gerade antworten, da störte sein Handy.
»Ja, Nachtigall!«, meldete er sich nach einem kurzen Blick auf das Display.
»Kerbel noch mal. Einer meiner Männer hat eine Kette im Gras gefunden. Sieht nicht so aus, als läge sie dort schon lange. Goldkettchen mit Medaillon. Außen gibt es eine Gravur: ›Für meine liebe Tochter Lilli‹. Vielleicht hilft das bei der Identifizierung des Opfers.«
»Danke. Bitte geben Sie die Kette an unser Team weiter. Wir suchen mal, auf welche vermisste Person der Kosename Lilli passen könnte.«
Wiener sah Nachtigall fragend an: »Lilli? Liliane, Liese, Lisbeth …?«
»Na dann. Suchen wir in der Datensammlung.«
Wiener steuerte den Wagen auf die Straße zurück.
»Was mag nur in der Kiste sein? Wenn sie dem Täter gehörte, finden wir vielleicht wichtige Hinweise auf ihn darin?«
Nachtigall meinte: »Wenn sie Hinweise auf ihn enthalten sollte, hätte er sie doch nach dem Inbrandsetzen mitgenommen. Ich fürchte, wir werden etwas ganz anderes darin finden. Er wollte, dass sie vom Feuer verschont bleibt, sonst wäre sie im Haus gefunden worden und nicht in sicherer Entfernung.«
»Vielleicht war es notwendig, erst die Kiste und die Materialien für seinen Brand auszuladen, um dann die Leiche aus dem Kofferraum oder Anhänger zu hieven. Als das Feuer in Gang kam, musste er eilig verschwinden, möglicherweise ist ihm der Zeuge aufgefallen, der zu der Zeit unterwegs war. Er hat sich aus dem Staub gemacht und die Kiste vergessen«, schlug Wiener ein anderes Szenario vor.
»Wozu den Brustkorb aufschlitzen?«, grübelte Nachtigall. »Wenn er tatsächlich Organe entnommen hat – was wollte er damit?«
»Essen«, schlug Wiener trocken vor.
Der Freund schüttelte sich. »Essen? Menschliche Innereien?«
»Wer weiß, wäre doch möglich, er glaubt, er müsse das tun. Kannst du dich noch an den Typen erinnern, der meinte, er müsse menschliches Fleisch verzehren, weil er sich sonst auflösen würde? Außerirdische sin au mit im Spiel gewese. Die händ ihm ein Zeichen gebe, wenn es so weit gewese isch un er nachlege musst.«
»Ja, ich erinnere mich. Ein Beispiel aus der forensischen Psychiatrie, von dem man uns erzählt hat. Das war überhaupt ein sehr sonderbarer Fall, nicht nur dieses Kannibalen wegen. Seit dieser Zeit lebt Casanova bei mir.«
Wiener grinste. »Der verwöhnte Kater, der dir beim Lösen der Fälle behilflich ist!«
Im Büro angekommen, stellte Nachtigall fest, dass sich auf seinem Schreibtisch bereits die Berichte der Feuerwehr zu den Brandeinsätzen der letzten Wochen türmten.
»Wenn wir den Täter nicht schnell finden, kann ich bald nicht mehr über den Stapel rüb