Auszeit 25.000 Kilometer mit dem Motorrad durch Südamerika
: Andreas Hülsmann
: Auszeit 25.000 Kilometer mit dem Motorrad durch Südamerika
: Highlights Verlag
: 9783945784082
: 1
: CHF 8.70
:
: Südamerika
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jeden Morgen aufstehen, arbeiten, zu Bett gehen. Dazwischen etwas Privatleben, etwas Sport. Sollte das alles sein? Andreas Hülsmann fehlt in seinem Leben der richtige Kick. Er träumt davon, eine lange Reise zu machen, Herausforderungen zu bewältigen, den Unwägbarkeiten ins Auge zu blicken, Abenteuer zu bestehen. Also bricht er seine Zelte hinter sich ab und geht nach Südamerika. Dort fährt er mit seinem Motorrad sechs Monate lang durch Argentinien, Uruguay, Brasilien und Chile. Insgesamt legt er dabei 25.000 Kilometer zurück. Er wird von tropischen Regengüssen von der Straße gespült, von den Stürmen Patagoniens fast zur Verzweiflung getrieben und verbringt auf Feuerland, am Ende der Welt, ein ganz besonderes Weihnachtsfest. Wer schon immer davon träumt, für eine Weile den Alltag hinter sich zu lassen und die Bettdecke gegen einen Schlafsack zu tauschen, wird dieses Buch verschlingen.

Kapitel 2

Hektik in Buenos Aires


»Buenos Aires: Am Rio de la Plata gelegene Hauptstadt Argentiniens, zweitgrößte Stadt Südamerikas, ca. 14 Mio. Einwohner, wurde 1536 von den Spaniern gegründet.«

Nach 24 Stunden sind wir am Ziel. Stunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen. Gestern Nachmittag hatten mich meine Eltern und Anne am Bahnhof verabschiedet, und jetzt stehe ich hier in Buenos Aires am Flugplatz und bin froh, wieder ein paar Meter laufen zu können.

Im Flugzeug hatte drangvolle Enge geherrscht. Die 747 war restlos ausgebucht gewesen. Die Sitze dicht an dicht, sodass man sich fast mit den Knien die Ohren hätte zuhalten können. Auch der Service war nicht berauschend. Nach dem Servieren des Abendessens ließen sich die Stewardessen nicht mehr blicken. Keine Getränke, nichts. Von der Besatzung hätte es garantiert niemand bemerkt, wenn ich im Mittelgang mein Zelt aufgeschlagen und mich in den Schlafsack gelegt hätte. Doch das ist nun überstanden, und wir drei sind froh, endlich in Südamerika zu sein.

Bei einer Tasse Kaffee bereiten wir uns auf die erste Herausforderung unserer Reise vor – die Zollabfertigung der Motorräder. Jeder von uns hat seine eigenen Szenarien im Kopf, wie die kommenden Stunden oder vielleicht auch Tage aussehen werden. Egal, was da auch auf uns zukommen mag – klar ist: Es führt kein Weg an den argentinischen Beamten vorbei. Die Berichte, die ich während der Vorbereitungen für diese Reise über das Gebaren der Zöllner gelesen hatte, waren nicht ermutigend gewesen. Man sollte sich auf das Schlimmste gefasst machen. Von Korruption war da zu lesen, von der »Herrschaft des Stempels«. Wer in diesem Land die Befehlsgewalt über das ureigenste Werkzeug aller Bürokraten besaß, der hatte Macht und konnte diese nach Lust und Laune ausleben.

Der Gedanke, von der Laune eines Menschen abhängig zu sein, gefällt mir gar nicht. Dass sich diese Laune mit einigen Zuwendungen verbessern lässt, macht mir sogar Angst. Ich hatte mich also während des ganzen Fluges mit dem Gedanken beschäftigt, wie und womit ich die Laune eines argentinischen Beamten notfalls verbessern könnte.

Der erste Eindruck bestätigt das Gelesene. Beim Eingang in die zollfreie Zone des Cargo-Flughafens, der knapp einen Kilometer vom »International Airport« entfernt liegt, werden unsere Ausweise penibel kontrolliert. Es kommt zu ersten Verständigungsproblemen. Erst als Jo die Zollunterlagen des deutschen Spediteurs vorlegt, öffnen sich für uns die Tore.

In irgendeinem der Gebäude beginnt unsere Odyssee durch den argentinischen Bürokraten-Dschungel. Eine nette junge Dame kontrolliert die Papiere und drückt uns einen Laufzettel in die Hand, auf dem 12 Positionen stehen, die wir »abarbeiten« müssen. Zwölf Positionen – das bedeutet zwölf Stempel. Keiner von uns dreien glaubt mehr daran, dass wir unsere Motorräder heute noch zu Gesicht bekommen.

Zumindest stoßen wir überall auf freundliche Beamte, die bemüht sind, uns trotz der Sprachbarrieren zu helfen. Doch die ganze Angelegenheit zieht sich. Immer wieder werden Vorgesetzte gefragt. Mit dem Carnet de Passages wissen die wenigsten Beamten etwas anzufangen, und so werden wir immer weitergereicht. Motorräder aus Europa werden wohl nich