Kapitel 4
Ägypten – auf den Spuren der Pharaonen
Ägypten erwartet mich mit einer bösen Überraschung: Die Gastfreundschaft ist im Vergleich zu Libyen erschreckend schlecht. Offensichtlich hat der Massentourismus die guten Sitten und Gebräuche am Nil verdorben. Denn gleich im ersten Hotel bekomme ich Stress. Ich habe ein Hotelzimmer mit Frühstück gebucht. Weil ich zum Frühstück einen Saft serviert bekomme, ist eine saftige Nachzahlung fällig. Es wird offensichtlich, dass dies ein Trick ist, um Touristen zu neppen. Da ich mich nicht darauf einlasse und laut protestiere, wird das Ganze schließlich als bedauerliches Missverständnis dargestellt. Trotzdem bin ich froh, als ich diese ungastliche Stätte verlassen kann.
Nach 250 Kilometer Strecke mache ich Pause an einer Tankstelle. Dort tanke ich erstmals 90-Oktan-Benzin. Dabei ist mir nicht wohl zumute. Wird das dem Motor auf Dauer schaden?
Auf einer lang gezogenen Wüstenstraße erreiche ich El Alamein. Italienische und deutsche Soldatenfriedhöfe künden davon, dass hier während des 2. Weltkrieges eine furchtbare Schlacht tobte. Dort, in fast schon greifbarer Nähe des Suezkanals, stoppten die Engländer den Vormarsch des Deutschen Afrikakorps unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Das Museum, das an diese schrecklichen Kämpfe erinnert, ist geschlossen. So besichtige ich lediglich das Außengelände mit seinen Panzern und Kanonen aller Kaliber.
Bei der letzten Etappe nach Alexandria reiht sich am linken Straßenrand für ca. 50 Kilometer eine Feriensiedlung an die nächste. Hier verbringen viele wohlhabende Ägypter die Sommermonate. Sie fliehen mit der ganzen Familie an die kühlere Mittelmeerküste, wenn die Innenstädte unerträglich heiß werden.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreiche ich die Hafenstadt Alexandria. Schon um 2500 v. Chr. war die Region von Menschen bewohnt. Die Stadt Alexandria ließ Alexander der Große im April 331 v. Chr. gründen. Hier am Nildelta sollte die Hauptstadt seines Weltreiches entstehen. Wo er zu Lebzeiten nie weilte, wurde er in einem Mausoleum bestattet.
Sein ägyptisches Erbe trat einer seiner Generäle, Ptolemeios, an. Nach ihm ist das Herrschergeschlecht der Ptolemäer benannt. Diese bauten die Stadt, die in der Antike zeitweilig die zweitgrößte der Erde war, zielstrebig aus. Der »Pharos von Alexandria«, eine Art Leuchtturm, zählte zu den sieben Weltwundern der Antike. Er wurde im 3. Jhr. v. Chr. erbaut. Weltberühmt war auch die große Bibliothek, die etwa 700.000 Schriftstücke besaß. Sie wurde durch einen Brand zerstört.
Im Jahr 30 v. Chr. eroberten die Römer Alexandria und Ägypten. Gleichzeitig beging Cleopatra, die letzte Herrscherin aus dem Geschlecht der Ptolemäer, Selbstmord.
Nach Jahrhunderten der römischen und byzantinischen Herrschaft ging Alexandria 642 n. Chr. endgültig an die mohammedanischen Araber verloren.
Heute zählt die Metropole fast 4.000.000 Einwohner und ist der wichtigste Hafen des Landes. 75 % des ägyptischen Importes werden hier verschifft. Daneben ist Alexandria der zweitgrößte Industriestandort des Landes und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.
Ich bin von der Stadt begeistert. Insbesondere die zwischen den beiden Hafenbecken liegende Altstadt hat es mir angetan. Ihre Basare und engen Gassen erinnern mich an ein morgenländisches Märchen.
Sicherlich zeugt es nicht gerade von großer Kulturhöhe, dass ich hier, erstmals seit einem Monat, die Filiale einer bekannten amerikanischen Fast-Food-Kette besuche. Vergleichbare westliche Restaurants gab es die ganzen Wochen in Libyen nicht. Deshalb kann ich der Versuchung von Cheeseburgern und Pommes Frites einfach nicht widerstehen.
Quartier beziehe ich im Hotel »Union«, das nur einen Steinwurf von der mondänen Strandpromenade entfernt liegt. Es besitzt einen alten Aufzug, der so langsam fährt, dass man Angst bekommt, stecken zu bleiben. Ansonsten ist alles picobello: Zimmer und WC sind in Ordnung, es gi