30.08.2006, nachmittags
Sara trat das Gaspedal des Mercedes bis zum Bodenblech durch. Der ehemalige Leichenwagen schaukelte sich bedenklich in den zahlreichen Bodenwellen der Bundesstraße 19 auf. Seine Ladefläche war in eine gemütliche Liegefläche umfunktioniert worden. Der Mercedes schlingerte durch die unübersichtlichen Kurven des Thüringer Waldes. Die Straße wand sich durch ein grünes Meer an Buchen, Eichen und Kastanien, die sich in den Kronen zu berühren schienen. So entstand ein natürlicher Tunnel, der die grelle Sommersonne fast vollständig schluckte. Mehr als einmal kam das rechte Hinterrad des Leichenwagens von der Fahrbahn ab, schleuderte eine Kieselsteinkaskade nach hinten, bevor es zurück auf den Asphalt fand. Davon ließ sich die junge Frau am Steuer nicht beeindrucken. Sie gab Vollgas, überholte trotz nicht einsehbarer Strecke und verringerte auch in Ortschaften ihre Geschwindigkeit nur unwesentlich. Nicht dass sie es besonders eilig hatten, Sara fuhr immer so. Bisher war es auch stets gut ausgegangen, wenn man ihr glauben wollte.
»Ich hatte noch nie einen Unfall, an dem ich allein schuld war«, pflegte sie zu sagen.
Hinter ihnen schien es jedoch jemandem nicht schnell genug zu gehen. Ein Motorradfahrer scherte immer wieder aus, setzte zum Überholen an, zog dann aber doch wieder zurück. Das Modell war nicht genau zu erkennen, die Farbe der Plastikverkleidung war jedenfalls giftgrün. Und wieder war er fast neben ihnen. Das Vorderrad stieg weit in die Luft. Trotzdem hatte der Fahrer noch die Muße, mit seinem linken Zeigefinger an seinen Helm zu tippen, den Kopf zu schütteln und endlich mit kreischendem Motor vorbeizuziehen. Er schaffte es gerade eben vor einem Kleinbus einzubiegen und schrappte in extremer Schräglage mit beinahe aufsetzendem Ellenbogen um die nächste Kurve. Schnell war er aus dem Sichtfeld verschwunden.
Saras Beifahrer schien die halsbrecherische Fahrweise nicht zu stören, weder die eigene noch die des Motorradfahrers. Er las seelenruhig in seinem Buch. Der Bibel! Nur ab und an schaute er gelangweilt auf, wenn der Gegenverkehr eine von Saras Aktionen mit einem lauten Hupkonzert kommentierte.
Auch das Pärchen auf der Ladefläche war mit anderen Dingen beschäftigt. Dass hier einst Särge transportiert wurden, schreckte sie nicht im mindesten. Simon hatte seinen Kopf unter Evas T-Shirt gesteckt und ließ seine Zunge über ihren Bauchnabel kreisen. Er malte ein unsichtbares S, leicht verwackelt durch die wilden Zuckungen des Fahrzeugs. Seine Hände hatten die Hüften der jungen Frau fest gepackt und dirigierten ihren Körper unter seiner Zunge hindurch. Er wanderte höher. Eva trug keinen BH und auch sonst keine Unterwäsche, nur ein cremefarbenes Trikot und einen gelben, knielangen Faltenrock. Nach dem entspannten und extrem heißen Tag an der Immelborner Kiesgrube hatten alle ihre nassen Badesachen ausgezogen und auf Unterwäsche verzichtet.
Jetzt stieß Simon mit seiner Nase an Evas Brust. Er stupste sie, strich über die volle Rundung und drückte sanft gegen das warme, feste Fleisch.
»Lass den Quatsch«, sagte Eva und streichelte gleichzeitig durch ihr Oberteil hindurch Simons Kopf.
Der ließ sich nicht beeindrucken. Seine