: Sharon Bolton
: Schwarze Strömung - Lacey Flint 4 Thriller
: Manhattan
: 9783641150129
: Lacey Flint
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Man findet sie tot in den dunklen Fluten der Themse - junge Frauen in weiße Laken gehüllt, ermordet von einem mysteriösen Serienkiller ...
Lacey Flint weiß, dass die Themse ein gefährlicher Ort ist. Vielleicht hat sie sich den Fluss daher als Arbeitsplatz ausgesucht. Seit Kurzem arbeitet die einstige Ermittlerin für die 'Marine Unit' der Londoner Polizei, und die dunklen Fluten lassen sie auch in der Freizeit nicht los. Bis sie beim illegalen Schwimmen in der Themse eine Tote entdeckt. Die junge Frau ist liebevoll in ein weißes Leichentuch gehüllt, und es scheint, als sollte sie von Lacey gefunden werden. Tatsächlich wird die unbekannte Tote nicht das einzige grausame Geschenk sein, das ein Serienkiller für Lacey hinterlässt. Irgendjemand beobachtet jeden ihrer Schritte. Und kennt sie besser, als ihr lieb sein kann ...



Sharon Bolton, geboren im englischen Lancashire, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. Ihr Debütroman 'Todesopfer' machte sie über Nacht zum Star unter den britischen Spannungsautor*innen. Seitdem wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit demDagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Sharon Bolton lebt mit ihrer Familie in Oxford.

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Der Mörder

Das Hebewerk steht dicht an der Ufermauer der Themse in London, ganz nahe an der Grenze zwischen Rotherhithe und Deptford, wie eine Frau auf einem Ball, die es schon lange aufgegeben hat, auf einen Tanzpartner zu hoffen. Das kleine viereckige Gebäude ist von den Menschen, die jeden Tag zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto daran vorbeikommen, weitgehend vergessen worden, falls sie es überhaupt jemals bemerkt haben. Es war immer schon da, so wie die Straßen, die hohe Flussmauer, der Uferweg. Kein auffälliges Bauwerk, in keinerlei Hinsicht, und nie geschieht irgendetwas, das mit ihm in Verbindung gestanden hätte. Keine Waren werden vor den breiten Holztoren an der einen Seite des Gebäudes angeliefert, und ganz sicher kommt nichts heraus. Seine Fenster sind mit Holzplatten vernagelt. Gelegentlich bemerkt vielleicht jemand, der auf dem Uferweg eine Pause einlegt, dass das Mauerwerk schön gearbeitet ist, auf unaufdringliche Weise.

Vielen fällt das nicht auf. Das Dach liegt höher als das Blickfeld eines normalen Menschen, und auf der nächstgelegenen Straße fährt kein Bus. Der Verkehr auf dem Fluss zieht natürlich viel weiter unterhalb des Hebewerks vorüber. Deshalb nimmt nie jemand wahr, dass das Blassgrau des Gebäudes von einem Kreuzmuster aus weißen Backsteinen durchzogen ist und dass einheitlich geformte Steine diagonal darin eingearbeitet sind. Während der viktorianischen Epoche wurde alles verziert, und dieses unbedeutende Bauwerk war davon nicht ausgenommen, wenngleich nur wenige Menschen seinen ursprünglichen Zweck in vornehmer Gesellschaft angesprochen hätten. Das Hebewerk war gebaut worden, um Abwässer aus dem tiefer gelegenen Rotherhithe in die Themse zu pumpen. Früher hatte es eine wichtige Rolle dabei gespielt, die umliegenden Straßen sauber zu halten, aber größere, effizientere Pumpwerke wurden eingesetzt, und es kam der Tag, da es nicht mehr gebraucht wurde.

Wären Passanten neugierig genug gewesen, sich dort Zutritt zu verschaffen, hätten sie gesehen, dass das Innere des Gebäudes sehr viel größer ist, als sein Äußeres vermuten lässt, weil mindestens die Hälfte des Pumpwerks unter der Erde liegt. Die mit Brettern vernagelten Fenster und das große zweiflügelige Tor befinden sich hoch über dem Boden in den Wänden, in Höhe des zweiten Stockwerks. Um sie zu erreichen, muss man eine Eisentreppe hinaufsteigen und einen reich verzierten Laufgang entlanggehen, der um den ganzen Innenraum herum verläuft.

Sämtliche technischen Gerätschaften sind schon vor langer Zeit fortgeschafft worden, aber die Dekorationen sind noch da. Steinerne Säulen ragen zum Dach empor; ihre einst leuchtend rote Farbe ist zu Stumpfrot verblasst. Tudorrosen winden sich noch immer um ihre Kapitelle, wenngleich sie nicht mehr schneeweiß leuchten. Schimmel kriecht an dem glatten Mauerwerk hinauf, kann aber die gute Qualität der Backsteine nicht verbergen. Jeder, dem das Privileg zuteilwird, das Hebewerk von innen zu sehen, würde es als kleines architektonisches Schmuckstück betrachten, als etwas, das erhalten und wertgeschätzt werden sollte.

Das geht nicht. Seit Jahren ist das Hebewerk jetzt schon in privater Hand, und diese Hand hat kein Interesse an Entwicklung oder Veränderung. Diese Hand kümmert es nicht, dass ein Ufergrundstück so