: Marc Ritter
: Frauenmahd Kriminalroman
: Piper Verlag
: 9783492967679
: Garmisch-Krimis
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Der Förster schmeißt einen Mann in den Kuhflucht-Wasserfall. Die Story musst du machen!« Als Lokalreporter Karl-Heinz »Gonzo« Hartinger den Anruf von der Zeitung bekommt, ist er gerade in Berlin gelandet, um ein wildes Wochenende zu verbringen. Daraus wird nichts. Kurz darauf stürzt die grüne Landtagsabgeordnete auf einer steilen Bergwiese, der Frauenmahd, zu Tode. Zufall, dass beide Tote in der Nähe des geplanten Pumpspeicherkraftwerks gefunden werden? Oder ist eine uralte Familienfehde Hintergrund der Morde?

Marc Ritter, geboren 1967 in München, wuchs in Garmisch-Partenkirchen auf, wo er nach dem Abitur Zivildienst machte und für eine Garmisch-Partenkirchner Lokalzeitung über Politik, Sport und Nachtleben berichtete. Zum Studium von Germanistik, Politikwissenschaften und Werbepsychologie sowie einer Marketingausbildung kehrte er nach München zurück. Ritter arbeitete als Manager für große deutsche und amerikanische Print- und Online-Medien und ist seit mehreren Jahren als Unternehmensberater tätig. Er wohnt mit seiner Familie in München.

3


Es war ein Traumstart. Exakt um8 Uhr55 hob der AirbusA319 des Lufthansa-FlugesLH145 vom Münchner Flughafen ab. Die ersten paar Kilometer über dem Erdinger Moos ging es parallel zur Nordalpenkette. Hartinger konnte durch das Fenster keinen der vom Föhn frei geblasenen Gipfel erkennen, dazu war das Gebirge zu weit entfernt, mit Ausnahme des Zugspitzmassivs, das er am jähen Abbruch des Wettersteingebirges am Horizont ausmachen konnte. Seine Heimat, das Werdenfelser Land, lag am Fuß dieser Gebirgskette.

Der Businessbomber drehte nach Osten ab und ließ die Berge hinter sich. Bald hatte der Flieger Reiseflughöhe erreicht. Deutschland lag unter einer glatten Wolkenschicht, nur unterbrochen von der nach oben steigenden Abluft der großen Kraftwerke. Der Airbus rauschte zwischen den Wolken und einem strahlend blauen Himmel gen Berlin. Bevor er endgültig zum alten Eisen gehörte und die große Stadt den Ruf verloren hätte, die Partymetropole des feiernden Europas zu sein, würde Hartinger noch einmal Gas geben, auf den Putz hauen, die Sau rauslassen. Einfach nur weg aus der muffigen Spießigkeit, die ihn im Postkartenort Garmisch-Partenkirchen auf Schritt und Tritt umgab.

Dabei waren es nicht so viele Schritte und Tritte, die er im letzten Jahr vor die Tür des Mittererhofes gesetzt hatte. Er hauste dort noch auf dem Dachboden und ließ sich nur zu nachtschlafender Zeit unten im Ort blicken. Er war dort nicht überall gern gesehen seit der Geschichte mit den Nazis, die sich in Garmisch-Partenkirchen hatten niederlassen wollen, dann aber weg gewesen waren, nachdem der Hartinger eine große Geschichte über sie in allen wichtigen Medien dieser Erde lanciert hatte. Eigentlich war er nirgends mehr in Garmisch und Umgebung gern gesehen. Nur wegen Anton, seinem Sohn, war er noch da. Der pubertierte zunehmend und brauchte ihn.

Darum vegetierte Hartinger auf dem Dachboden des Hofes von Antons Mutter, der Mitterer Kathi. Nach wie vor trug er die Hemden des verstorbenen Großvaters der Kathi auf. Ob er irgendwann den Absprung schaffen würde? Er hatte keine Lust auf Stadtleben, egal, wie die Stadt denn nun hieß. München, Berlin, Tel Aviv, New York … Nirgends trieb es ihn hin. Doch auch im Werdenfelser Land hielt es ihn nicht, und er wollte sicher nicht irgendwann auf einem der beiden Friedhöfe der Doppelgemeinde Garmisch-Partenkirchen begraben sein.

Aus diesem Grund war dieE-Mail aus Berlin auf fruchtbaren Boden gefallen. Einmal ausprobieren konnte er es ja. Nur für ein Wochenende. Sein Freund Klaus hatte vorgeschlagen, dass er Samstag und Sonntag in der Hauptstadt verbringen sollte. Er würde Hartinger die coolsten Clubs zeigen und auch diejenigen, »wo immer etwas ginge«, wie Klaus sich ausgedrückt hatte. Hartinger hatte von diesen Lasterhöhlen gehört, vom Kitkat-Club und anderen, in de