: Albert Ellis, Catharine MacLaren
: Rational-Emotive Verhaltenstherapie
: Junfermann Verlag
: 9783955710453
: 1
: CHF 19.90
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 176
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
Den Menschen als Einheit verstehen Die Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) basiert auf der Annahme, dass Kognition, Emotion und Verhalten niemals getrennt voneinander gedacht werden können: Wenn wir fühlen, so denken und handeln wir auch; wenn wir handeln, so fühlen und denken wir auch, und wenn wir denken, so fühlen und handeln wir auch. Damit ein Mensch eine psychische Störung bewältigen kann, ist also sowohl eine Veränderung seiner Kognitionen als auch seiner emotionalen Reaktionen und Aktivitäten notwendig. Die Praxis der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie entwickelt sich ständig weiter. Die Autoren bieten in diesem Buch eine Übersicht über die Theorie der REVT sowie die aktuellsten Informationen über die Praxis und die spezifischen Interventionen, die von REVT-Praktikern auf der ganzen Welt verwendet werden.

Albert Ellis, Ph. D, (1913-2007) war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut. Er entwickelte die Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) und eröffnete 1961 das Albert Ellis Institut in New York.

2. Die philosophischen und persönlichkeitstheoretischen Grundlagen der REVT


Der REVT liegen in ihrem Kern zwei Arten von Theorien zugrunde: erstens ihre philosophische Betrachtungsweise und ihre allgemeine Sicht der menschlichen Persönlichkeit und ihrer Störungen, zweitens ihr Konzept der therapeutischen Veränderung. Diese beiden Arten von Theorien greifen in mehrerlei wichtiger Hinsicht ineinander. In diesem Kapitel befassen wir uns vorwiegend mit der philosophischen Betrachtungsweise der REVT, ihren persönlichkeitstheoretischen Aspekten und der Frage, weshalb manche Menschen scheinbar ausgeprägtere Störungen aufweisen als andere.

Postmoderne Philosophie und REVT


AE begründete die REVT als logischer Empirist[3]– also als ein Mensch, derüberzeugt ist, dass wir uns als Wissenschaftler der Wahrheit annähern müssen, indem wir Fakten aufspüren und aus diesen dann Schlussfolgerungen ziehen.

Der logische ?Empirismus hat seine Grenzen, wie Popper (1935), Bartley (1984) und Mahoney (1991) später zeigten, und wurde insbesondere von einigen Vertretern des Postmodernismus stark erschüttert (Derrida, 1967; Feyerabend, 1975; Gergen, 1991). Diese weisen darauf hin, dass„Fakten“ und„Wahrheiten“ stets von Menschen identifiziert würden, weshalb ihnen keine„objektive“ oder„wahre“ Realität innewohnen würde. Nachdem er lange Zeit viel von einem Phänomenologen und Existenzialisten hatte, wurde AE schließlich zu einem gemäßigten, nicht radikalen Postmodernisten. Die REVT selbst war ebenfalls stets recht postmodern, da sie vehement gegen absolutistische Konzepte von„müssen“ und„sollen“ eintrat und damit dem Gedanken einer absoluten Wahrheit entgegenstand. Im Folgenden sind die wichtigsten postmodernen Ideen der REVT aufgezählt, wie sie in„Postmodern ethics for active-directive counseling and psychotherapy“ beschrieben wurden (Ellis, 1997).

  1. Möglicherweise existiert irgendeine Art von unzweifelhafter objektiver Realität oder Sache an sich, aber wir können diese nur mit unserer fehlbaren, persönlich und sozialüberformten, individuell unterschiedlichen und veränderlichen menschlichen Wahrnehmung erfassen. Wir haben keine absolute Gewissheit darüber, was Realität ist oder sein wird– obwohl wir oft in hohem Maßeüberzeugt sind, dass dies der Fall wäre.
  2. Unsere Sichtweise in Bezug darauf, was richtig und falsch, was moralisch und unmoralisch ist, basiert, wie von George Kelly (1955) ausgeführt, größtenteils auf persönlichen und sozialenKonstrukten. Universelle Wahrheiten zu identifizieren ist eine unlösbare Aufgabe, und alle ethischenÜberzeugungen beruhen auf Konstrukten.
  3. Auch wenn die menschliche Persönlichkeit einige wichtige angeborene und relativ fixe Elemente aufweist, ist sie dennoch in weiten Teilen das Produkt relationaler und sozialer Einflüsse und sehr viel weniger individualistisch als gemeinhin angenommen wird.
  4. Menschen werden durch die Kultur, in der sie aufwachsen, stark beeinflusst oder konditioniert. Ihr Verhalten ist erstaunlich multikulturell und es gibt keine schlüssigen Beweise dafür, dass eine Kultur richtig oder falsch, besser oder schlechter ist als irgendeine andere (Ivey& Ragazio-DiGilio, 1991; Sampson, 1990).

    Entweder-oder-Konzepte von Gut und Schlecht sind oft anzutreffen und werden auch vehement vertreten, jedoch neigen sie dazu, unzutreffend, eingeschränkt und vorurteilsbeladen zu sein. Aufgeschlossenere Sichtweisen des Menschen betonen hingegen eher, dass Dinge und Prozesse auf einerSowohl-als-auch- und einerUnd-ebenso-Basis existieren. Da monolithische Entweder-oder- und Alles-oder-nichts-Lösungen für irgendwelche Probleme ihre Grenzen haben, sollten wir besser auch eine breite Palette alternativer Und-ebenso-Lösungen in Betracht ziehen und diese ausprobieren, um zu sehen, wie gut– und wie schlecht– sie funktionieren.

  5. Fast alle Lösungen, die wir für unsere Probleme anstreben, hängen davon ab, welche Ziele und Absichten wir als Ausgangsbasis nehmen. Diese Ziele und Absichten sind stets diskutierbar, niemals absolut. Wir können einen Konsens darüber erreichen, welche Ziele und Absichten wir auswählen, aber keine absoluteÜbereinkunft darüber, welche besser und welche schlechter sind.

Die REVT wurde gelegentlich als nicht konstruktivistisch bezeichnet (Guidano, 1991; Mahoney, 1991), tatsächlich ist sie jedoch auf eine ungewöhnliche Art und Weise konstruktivistisch. Sie betont, dass Menschen in flexibler und adaptiver Weise denken und handeln. Sie stellt heraus, dass Menschen das rigide, absolutistischeMüssen, mit dem sie sich oft selbst unter Druck setzen, einerseits in ihrer Kultur lernen, es andererseits aber auch das Produkt ihrer eigenen schöpferischen und biologischen Tendenzen ist. Für Klienten ist es hilfreich, zu erkennen, wie sie zentrale dysfunktionale Philosophien für sich erschaffen und wie sie diese durch Denken, durch Denkenüber das Denken und durch Denkenüber das Denkenüber das Denken verändern können (Dryden, 1995; Ellis, 1994, 1996; Ellis& Dryden, 1975; Ellis, Gordon, Neenan& Palmer, 1998). In Bezug auf Probleme mit dem Selbstwertgefühl steht die REVT im Einklang mit der sozialkonstruktivistischen und existenzialistischen Position von Heidegger (1927), Tillich (1953) und Rogers (1961), dass Menschen sich selbst als wertvoll definieren können, indem sie sich einfach dafür entscheiden, dies zu tun. Sie befasst sich mit unbewussten und verborgenen Prozessen, die Störungen hervorrufen oder auch die Lösung von Problemen begünstigen. Sie vertritt die Position, dass Menschen eine ausgeprägte natürliche Fähigkeit dazu besitzen, sich selbst zu rekonstruieren und zu verändern, aber sie versucht aktiv-direktiv, sie in der Zusammenarbeit mit einem involvierten Therapeuten dabei zu unterstützen. Sie betont den Einsatz der flexiblen, nicht dogma

Cover1
Inhalt8
Einfu?hrung10
Teil I: Die theoretischen Grundlagen der REVT12
1. Rational-Emotive Verhaltenstherapie: Einfu?hrung und Reflexion14
2. Die philosophischen und persönlichkeits-theoretischen Grundlagen der REVT22
3. Die REVT-Theorie der menschlichen Persönlichkeit und ihrer Störungen34
4. Der diagnostische Prozess in der REVT58
Teil II: Die praktischen Grundlagen der REVT64
5. Kognitive Techniken66
6. Emotive / erlebensorientierte Techniken82
7. Behaviorale Techniken98
8. Die Integration der REVT mit anderen Therapiesystemen110
Resu?mee122
Anhang A: Wie Sie die Erfolge aus Ihrer Rational-Emotiven Verhaltenstherapie aufrechterhalten124
Anhang B: Literatur / Ressourcen136
Glossar160
Index166