1.Vom Geben und Nehmen
Im Vorfeld des rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampfs 19753 schrieb der amtierende Ministerpräsident einen persönlichen Brief an die Autobauer von Daimler-Benz und bat um eine Spende für seine CDU. Joachim Zahn, der Vorstandsvorsitzende, reagierte prompt und sandte ein Kuvert nebst einem Scheck in Höhe von 50 000 D-Mark. Eine diskrete Aufmerksamkeit. Der Empfänger in der Mainzer Staatskanzlei sah indes zu Dankbarkeit keinen Anlass undxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxx xxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxx. Kollege Hans Karl Filbinger hatte aus Untertürkheim gerade eine Viertelmillion bekommen.
Der Fortgang der kleinen Geschichte ist aufschlussreich. Kohl erzählt sie, als sei sein Spenden-Coup das Normalste der Welt. Ein alter Duzfreund und gelegentlicher Miturlauber am Wolfgangsee, Hanns Martin Schleyer, Vorstandsmitglied des düpierten Konzerns, schaltete sich damals ein,»erschien ganz aufgeregt in der Staatskanzlei und sagte, das könne ich doch nicht machen. Er fühle sich von mir persönlich beleidigt. Ich sagte ihm, dass ich meinen Brief nicht zurücknehmen werde. Wenn er mehr geben würde, sei die Sache in Ordnung. Dann gaben sie 100 000 D-Mark.« Für Kohl ist das nur recht und billig.»Die hatten ja nicht zuletzt mit unserer und meiner Unterstützung den großen Lastwagenbetrieb in Wörth gebaut. Das Land hatte viel für sie gemacht.« Da wird man zum Wohle der eigenen Partei doch ein wenig nachkobern dürfen! Politische Handreichungen sind nicht umsonst. Für Helmut Kohl ist das offenbar ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wohl selten hat ein führender Repräsentant unseres Gemeinwesens die geschmierte Mechanik des Gebens und Nehmens so ungeniert beschrieben. Und das in Gegenwart eines Journalisten.
Kohl ist sich nicht der leisesten Schuld bewusst. Er hat die Herausforderungen des politischen Tagesgeschäfts einfach nur nach eigenem Gusto geregelt. Schwarze Kassen? Der Begriff gefällt ihm nicht. Aber ein Herrscher über Hunderttausende von Parteimitgliedern braucht nun einmal ein prall gefülltes Konto zur diskreten Verfügung.»Wir mussten Tragödien ausbügeln. Wir hatten ja zum Beispiel mehrmals Selbstmorde, bei denen die Kassenlage der betroffenen Familien katastrophal war und man zu helfen versuchte. Wenn dann die Reifenhändler kommen und sagen: ›Da sind noch 6 000 D-Mark offen von Reifen, die nicht bezahlt wurden!‹ – Was macht man dann? Man kann natürlich sagen, das muss durchkonjugiert werden. Und dann steht man dauernd in der Zeitung. Das hat eine unglaubliche Wahlwirksamkeit.« Auch ganze Landesverbände oder Unterorganisationen der Partei, wie die Sozialausschüsse, klagt der Altkanzler beim Rapport im Ping-Pong-Keller, hätten beständig über ihre Verhältnisse gelebt.»Wir waren immer blank.«
Da hilft dann nur noch Schmugeld, bevorzugt in bar, Zuwendungen, gewährt»mit der klaren Maßgabe, dass ich sie einsetze, wie ich es für richtig halte«. Wie gerne hätte er im Parteiengesetz einen Passus verankert gesehen, dass bei 5 Prozent der Einnahmen»nicht nachgewiesen werden muss, woher sie kommen. Mit diesen 5 Prozent wären all unsere Probleme gelöst gewesen.« Aber leider stieß er auf taube Ohren. So hat er sich eben selber geholfen – und das nicht erst im Zusammenhang mit den Ende 1999 aufgeflogenen Millionenspenden. Was blieb ihm auch anderes übrig?
Schon damals in der Flick-Affäre, dem ersten großen Skandal seiner Kanzlerschaft, ist ihm, wie er beteuert, im Untersuchungsausschuss und erst recht in den Medien bitter Unrecht geschehen. Er sieht sich als Opfer des Konzernbevollmächtigten und Duzfreundes Eberhard von Brauchitsch, eines notorischen Aufschneiders, der seinem Chef Friedrich Karl h