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Ich wische mir die Nase mit dem T-Shirt-Ärmel ab, wobei ich das pinkfarbene Nike-Logo voll erwische. Eklig, aber nicht zu ändern.
Das kann durchaus mithalten mit der anderen Schleimspur, die ich gerade hinter mir herziehe.
»Es tut mir leid, Mrs Alvarez. Es ist nur … ich muss gleich zur Schule, und danach habe ich Schwimmtraining und Lerngruppe, und Babci muss das Medikament mittags und abends nehmen, und ich kann heute Abend nicht vor sieben zu Hause sein.« Uff. Ich höre mich an wie ein bettelnder Schlaubi Schlumpf. »Ich muss das Geld beim Joggen verloren haben. Ich komm noch mal wieder. Schon okay.«
Aber es ist nicht okay. Es ist schon Viertel vor acht, und in vierzig Minuten muss ich in meinem Kurs für nordamerikanische Literatur sein. Außerdem schwitze ich immer noch, was bedeutet, dass ich mein Haar nicht mal mit dem Föhn in den Griff kriegen werde. Eigentlich wollte ich heute keinen Pferdeschwanz tragen. Nicht mit der knallroten Nase und den glasigen Augen, die aussehen, als hätte ich weit Schlimmeres als Allergietabletten eingeworfen. Verdammter Heuschnupfen. Blöde Idee, ausgerechnet dann joggen zu gehen, wenn alles wie verrückt sprießt und blüht.
»Zosia, kann dein Vater nicht vorbeikommen, um sie abzuholen? Bevor er zur Arbeit fährt zum Beispiel?« Mrs Alvarez, die hinter der Kasse steht, mustert mich über den Rand ihrer Brillengläser hinweg, als wäre das eine echte Option. Das rote »W« des Walgreen-Schilds in ihrem Rücken setzt ihr zwei kleine rote Hörner auf.
Ich schüttele den Kopf. »Er nimmt zurzeit immer den Zug um neunzehn nach sechs.«
Wenn er um neunzehn nach sechs mit dem New-Jersey-Nahverkehrszug zur Penn Station in New York fährt und abends den Zug um vierundzwanzig nach acht zurück nimmt, kann er auf diese Weise dem Berufsverkehr entgehen. Das bedeutet aber auch, dass mein Dad täglich fünfzehn Stunden unterwegs ist. Seit Babci eingezogen ist, verlässt er sich darauf, dass sie mich im Auge behält. Dabei soll sie sich eigentlich ihrem »Genesungsprozess« widmen. Seine Worte, nicht ihre. Wie auch immer, meine Großmutter hier zu haben, erleichtert ihm das Leben. So hat er mehr Zeit, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren – und auf die Telefonstimme von gestern Abend, die ihn »Liebling« nennt.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich greife nach dem zerknitterten, durchweichten Papierstreifen auf der Ladentheke und schiebe ihn wieder in meine Hosentasche. »Okay, ich komme mit den fünf Dollar wieder.«
»Ich kann dir fünf Dollar leihen, wenn du willst«, sagt da eine tiefe männliche Stimme hinter mir.
»O mein Gott. Vielen Dank.« Ich bin schon dankbar, bevor ich weiß, von wem das Angebot kommt. Ich drehe mich um, und mi