Am 7. Februar 1964 eroberte eine Gruppe junger Musiker, die Noten weder lesen noch schreiben konnten, die Vereinigten Staaten von Amerika. Und da das Herz der Popmusik nun einmal in den USA schlägt, regierten die Beatles ab sofort die Welt des Pop.
Jetzt, im Mai dieses Jahres, haben sie sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt, wie man es noch nie erlebt hat und wohl auch nie wieder erleben wird. Wenn es je einen Wendepunkt in ihrer Karriere gab, ein besonderes Datum, das für ihre Entwicklung und ihre Zukunft von entscheidender Bedeutung war, dann war es ganz sicher jener Tag, an dem ihr Pan-American-Clipper am John F. Kennedy Airport von New York aufsetzte und ihnen ein Empfang zuteil wurde, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte.
Welche Aufregung und Dramatik sich an diesem Tag abspielte und wie groß das Interesse an der Ankunft dieser vier langhaarigen Jungs auf amerikanischem Boden war, hatte niemand vorausahnen können – ich zumindest nicht, obwohl ich stets mit unerschütterlichem Optimismus an die Band geglaubt hatte.
Angefangen hatte der ganze Irrsinn an einem Abend Anfang Februar in Paris, als uns ein Telegramm aus New York erreichte, das die schlichte Nachricht übermittelte: „Beatles mit ‚I Want To Hold Your Hand‘ Nummer 1 der Cashbox Record Charts, New York“. Wir konnten es gar nicht glauben. Jahrelang hatten die Beatles wie alle anderen britischen Künstler mit einem leichten Anflug von Neid aus der Ferne auf die amerikanischen Charts geschielt. Die dortigen Hitlisten stellten etwas Unerreichbares dar. Nur Musiker aus dem eigenen Land fanden in den USA Berücksichtigung. Allerdings war mir damals schon klar: Wenn es je eine Platte geben würde, die sich in den USA verkaufen und den Beatles den Weg zum Erfolg ebnen konnte, dann war das „I Want To Hold Your Hand“.
Während der ganzen bisherigen Beatles-Karriere war es stets so gewesen, dass wir immer wieder eine neue Stufe der Erfolgsleiter erklommen hatten, die uns zuvor als größtes und höchstes Ziel erschienen war. Zuerst, 1962, war das der Plattenvertrag mit EMI. Das war damals für uns das Größte, was überhaupt geschehen konnte. Dann kam der Erfolg ihrer ersten Langspielplatte – der nächste Riesenschritt, bis sich herausstellte, dass das lediglich der Anfang war. Das folgende größte Ding war der Nummer-1-Erfolg von „Please Please Me“. Damals waren wir überzeugt, dass es überhaupt nichts Wichtigeres oder Dramatischeres oder Aufregenderes geben konnte, als Nummer 1 in den britischen Charts zu sein. Doch dann ging es immer weiter und weiter, und bei einer Band von der Qualität der Beatles war klar, dass es nicht nur weiter voran ging, sondern auch immer weiter nach oben. Der nächste Meilenstein, den wir erreichten, war der Auftritt beiSaturday Night At The London Palladium, einer Top-Fernsehshow in England.
Was sollte da noch kommen? Tja, im November 1963 wurden die Beatles eingeladen, bei derRoyal Variety Showvor der Königinmutter zu spielen. Wieder ein neuer Höhepunkt …
Nachdem wir all das erreicht hatten, hätte man glauben können, dass es für die Band keine großen Ziele mehr geben konnte. Amerika erschien immer viel zu groß, zu endlos, zu weit entfernt und überhaupt zu amerikanisch. Als wir von dem Nummer-1-Hit bei Cashbox erfuhren, sagte ich zu John Lennon: „Ein größeres Ding als diese Nachricht kann es überhaupt nicht geben.“ Um dann eingedenk der bisherigen Geschehnisse zögernd hinzuzusetzen: „Oder?“
Ein Journalist, der in der Nähe saß und unserem Gespräch lauschte, so wie Journalisten das eben tun, sagte d