: Walter M. Weiss
: Redaktion Merian / Holiday
: Wien. Eine Stadt in Biographien MERIAN porträts
: Merian / Holiday, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag
: 9783834215413
: 1
: CHF 8.70
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: Europa
: German
: 176
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wien. Eine Stadt in Biographien - Eine Stadt wird nicht nur von Gebäuden und Straßenzügen geprägt, die Identität von Wien entsteht erst mit den Geschichten seiner Bewohner. Denn was wäre die Stadt ohne Sisi, Wolfgang Amadeus Mozart oder Sigmund Freud? 20 ausgewählte Biographien zeichnen ein lebendiges, historisches wie auch aktuelles Bild der Stadt. Die Porträts werden durch Adressen ergänzt, die eine Stadterkundung auf den Spuren der porträtierten Personen ermöglichen. Dieser Band umfasst Porträts von: Prinz Eugen, Joseph II., Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Johann Nestroy, Johann Strauß, Kaiserin Sisi, Otto Wagner, Karl Lueger, Sigmund Freud, Gustav Mahler, Gustav Klimt, Alfred Polgar, Arnold Schönberg, Ludwig Wittgenstein, Attila Hörbiger, Bruno Kreisky, Helmut Qualtinger, Friedrich Gulda und Thomas Bernhard. Autor: Walter M. Weiss

PRINZ EUGEN


16631736

Der bedeutendste Feldherr seiner Zeit war ein kleiner, hässlicher Mann.Über50 Jahre diente er dem Haus Habsburg – und schuf eine Großmacht. Wien hinterließ er eines der charaktervollsten Bauwerke.

Der rechte Ort, um diesem großen kleinen Mann ein erstes Mal die Reverenz zu erweisen, ist, keine Frage, dasObere Belvedere. Zum einen wegen des unvergleichlichen Panoramas: Bernardo Bellotto, alias Canaletto, hat schon gewusst, weshalb er die Terrasse vor dem Schloss zum Standort wählte, um seine große Wien-Vedute, die heute im Kunsthistorischen Museum(?B5/6) hängt, zu malen. Dass der Ausblick bis heute weitgehend unverändert blieb, grenzt an ein Wunder: der sanft abgetreppte barocke Garten, an dessen Ende die Salesianerkirche und das Palais Schwarzenberg, im Hintergrund die Altstadt mit dem Stephansdom(?F4) vor der grünen Kulisse von Kahlen- und Leopoldsberg. All das gläserne Getürm, das sich neuerdings rudelweise himmelwärts reckt, hält sich diskret im Hintergrund.

Der zweite Grund für das Belvedere: Kein anderes Bauwerk führt Macht und Geschmack Prinz Eugens so eindrücklich vor Augen. Gewiss, auch das Winterpalais, das er sich1697 vonJohann Bernhard Fischer von Erlach in der Himmelpfortgasse hat bauen lassen und in dem heute der Finanzminister sitzt, verströmt die Grandezza des austro-italienischen Hochbarock. Und die SchlösserNiederweiden, Hof undObersiebenbrunn, die derüber unerschöpfliche Geldmittel verfügende Savoyarde seit1725östlich von Wien, im Marchfeld, als Jagd- und Sommersitze nutzte, zeugen ebenfalls nicht gerade von Selbstbescheidung. Doch am fulminantesten stellte er seinen Status mit dem Sommerpalast zur Schau.

Kurz nach1700 hat er sich vonJohann Lukas von Hildebrandt in Ráckeve nahe Budapest ein Schloss errichten lassen. Zehn Jahre später beauftragt er Hildebrandt, ihm am Fuß ausgedehnter Acker- und Weingärtengründe zwischen dem heutigen Rennweg und Gürtel einen Gartenpalast zu bauen, eine Art suburbane Villa samt französischem Park mit Bassins, Orangerie und einer Menagerie mit exotischen Tieren.1721 beschließt er, diesemUnteren Belvedere am Scheitel des Abhanges einen zweiten Palastbau gegenüberzustellen. DiesesObere Belvedere, das repräsentativen Zwecken dienen soll, gerät noch weit prächtiger und gilt mit seiner durch Pavillonblöcke und Zeltdächer gegliederten Fassade und den verschwenderisch dekorierten Räumlichkeiten bis heute als Ikone der profanen Prunkarchitektur jener Aufbruchszeit.

Im frühen18. Jh. erleben Residenzstadt und Reich eine Blüte.1683 waren die türkischen Heere bei Wien endgültig geschlagen und Richtung Balkan zurückgedrängt worden. Zugleich verebben die Pestepidemien, dieüber Generationen gewütet haben. Die Bevölkerung atmet auf, Kaiser und Adel erstarken. Und die katholische Kirche feiert den Erfolg der Gegenreformation. Für beide, Klerus und Kaiserhaus, ist die Architektur das geeignete Mittel, den Untertanen den Machtgewinn vor Augen zu führen. Sie initiieren einen beispiellosen Bauboom. Der prägende Stil ist der Barock, eine autoritäre Hofkultur, der Zurschaustellung alles, Verinnerlichung aber wenig bedeutet. Zu denüberragenden Architekten derÄra zählen neben Hildebrandt auch Johann Bernhard Fischer von Erlach und dessen Sohn,Joseph Emanuel, denen die Stadt u.a. die Karlskirche, Schloss Schönbrunn und die Hofreitschule(?C/D4) verdankt.

Der Aufstieg der Donaumonarchie zur Großmacht vollzieht sich unter Leopold I., der ab Mitte des17. Jh. fast50 Jahre als König von Ungarn und Böhmen sowie Kaiser des Heiligen Römischen Reichs regiert. Doch sein Erfolg und der seiner Nachfolger, Joseph I. und Karl VI., fußt maßgeblich auf den Taten eines Ausländers.

DER HÄSSLICHE PRINZ SOLL PRIESTER WERDEN

Als Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan am18. Oktober1663 inParis zur Welt kommt, weist nichts auf eine künftige Militärkarriere hin. Sein Vater, der früh verstirbt, ist Graf einer Nebenlinie jenes Herzogsgeschlechts, das seit dem Hochmittelalterüber Piemont und Savoyen herrscht. Die Maman, eine Nichte Kardinal Mazarins, Lebedame am Hof zu Versailles und zeitweilige Mätresse Ludwig XIV., widmet sich in der Hauptsache Lustbarkeiten und K