1. Vorwort
Die liebe Leserin und der liebe Leser wissen sicherlich, wie sehr mein Leben mit Abenteuern in aller Welt ausgefüllt ist, und kennen wohl viele Schilderungen, die ich niederschrieb, um alle daran teilhaben zu lassen. Meine Erlebnisse füllen viele Bände.
Unvergängliche und unvergessene Begegnungen mit Menschen aller Rassen und Kontinente haben mein Leben geprägt. Mein Blutsbruder Winnetou, der edle Häuptling der Apatschen, die Westmänner Old Firehand, Old Surehand, Sam Hawkens, Will Parker, Dick Stone, der lange Davy, der dicke Jemmy, Dick Hammerdull, Pitt Holbers, die‚Tante‘ Droll, der Hobble-Frank und all die anderen sind auch gute Freunde der Leser meiner Abenteuer aus den‚dark and bloody grounds‘– aus dem Wilden Westen– geworden, in dem ich als Old Shatterhand einen guten Namen habe.
Im Orient bin ich als Kara Ben Nemsi, als Karl, der Sohn der Deutschen, bekannt geworden und dort war zumeist mein guter Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah mein Begleiter, den ich als Diener engagiert hatte, der aber bald mein Freund und‚Beschützer‘ wurde, ein liebenswertes Kerlchen mit dem Mut des Löwen, mit der Kunst der farbenprächtigen Rede des Orientalen begabt und mit der Aufopferung für mich, seinen Sihdi– den‚Herrn‘ und Effendi.
Unvergesslich aber wie der Hadschi Halef Omar ist mir mein Rih, das herrlichste Pferd, das ich je zwischen meinen Schenkeln hatte und das mir– obwohl‚nur‘ ein Tier– zu einem Freund wurde, wie ich ihn nur selten in meinem Leben fand, das ganz bestimmt nicht gerade arm an Freundschaften war.
Rih war der edelste Hengst arabischer Züchterkunst. Wie er in meine Hände kam, davon werde ich meinen Lesern in der nachfolgenden Geschichte erzählen. Vorweggenommen sei nur, dass die Beduinen nur wenige Rappen züchteten– es waren die Edelsteine ihrer Zucht, weil die Rappfarbe bei orientalischen Pferden so selten ist.
Als Fohlen sind Rappen mausgrau oder bräunlich. Der Rappglanz zeigt sich beim ersten Fellwechsel innerhalb des ersten Lebensjahres des jungen Pferdes.
Die Schimmelfarbe ist die eigentliche Farbe des arabischen Pferdes. Braune und Füchse sind seltener, Rappen Kostbarkeiten.
Der Araber hält viel auf sein Pferd. Am berühmtesten sind die Nachkommen jener Tiere, die sich bei einem Feldzug des Propheten auszeichneten. Eine Stute, die von einer dieser Urahninnen abstammt, hat höheren Wert als eine andere von gleich altem Stamm, die vielleicht alle Vorzüge besitzt.
Jeder Beduine hält den Stammbaum seines Pferdes heilig. Die Namen berühmter Tiere sind weithin bekannt, sodass zum Beispiel von einer Stute, die ihre Datteln im westlichen Marokko, also im fernen Maghreb, frisst, im fernen Ostarabien, ja in Kurdistan und Persien gesprochen wird.
Man erzählt sich, dass der Prophet, als er noch sehr wenige Anhänger hatte, in ein arabisches Zeltdorf kam, um sich ein Pferd zu kaufen. Er wurde nach dem Weideplatz geführt, und als er dort anlangte, scheuten alle Tiere, als ob sie von seiner Herrlichkeit geblendet wären. Nur das einzige Graue unter ihnen kam herbei und beugte seine Knie vor dem Gesandten Allahs, um ihm zu huldigen. Der aber stieg sofort auf und sagte:
„Gesegnet sei dieses Ross! Es soll den ersten Diener Allahs tragen, und verflucht sei, wer an seinen Nachkommen einen Fehler findet!“
Seit jenen längst vergangenen Tagen tragen alle Abkömmlinge dieses Pferdes die graue Farbe. Sie werden heiliggehalten, nur selten, und dann zu unglaublich hohen Preisen, verkauft, und auf ihre Zucht verwendet man solche Sorgfalt und M&uu