Kapitel 1
Auf dem Rollfeld des Flughafens Paris-Orly, an Bord einer Douglas DC-4a der United Airlines mit Ziel New York; Mittwoch, der 20. Juli 1949; 8:15 Uhr MEZ, wolkenlos, schon sehr warm.
Jan zweifelte immer noch, ob es eine gute Idee gewesen war, sich in ein Flugzeug zu setzen. Aber die Reise dauerte nicht so lange wie mit dem Schiff, und im Übrigen ließen ihm seine neuen Arbeitgeber kaum die Wahl. Sie wollten ihn am liebsten schon vorgestern, und von Cherbourg oder Le Havre aus hätte er mindestens acht Tage gebraucht, während er mit der DC-4a bereits an diesem Abend in New York ankommen würde. Durch die Zeitverschiebung wäre das natürlich der Nachmittag: Sie flogen nach Osten und holten unterwegs mehrere Stunden auf.
Aber der Abgrund, der währenddessen unter ihm liegen würde, gefiel ihm immer noch nicht. Er verstaute seine langen Beine in dem schmalen Fußraum vor sich.
Gut, er beklagte sich nicht, die CIA zahlte das Ticket, und er saß hier halbwegs komfortabel. United Airlines baute nur zweiundfünfzig Sitzplätze in eine Douglas DC-4a, während andere Fluggesellschaften achtzig Passagiere darin verstauten. Er fragte sich wirklich, wie. Obwohl sie ja alle schon wieder verwöhnt waren, denn der Vorgängertyp dieses Flugzeugs hatte der Army während des Zweiten Weltkriegs als Truppentransporter gedient, und damals war es an Bord sicher noch beengter zugegangen.
Er stellte sich das schrecklich vor, eingepfercht mit Dutzenden von Männern, und vielleicht noch ein Nachtflug, so dass man überhaupt nicht wusste, wo man landete. In dieser Hinsicht hatte er es heute besser, sein Flug ging tagsüber, und es blieb auch hell, einen ganzen, sehr langen Nachmittag lang. Er würde genau sehen, wo er ankam. Außerdem bekam er sogar eine Verschnaufpause. Die DC-4a musste in Gander, Neufundland, aufgetankt werden, denn ein Flug mit der neuen Constellation von Lockheed, die durch ihre Tragflächentanks über sagenhafte 6400 Kilometer Reichweite verfügte und nonstop in die USA flog, war der CIA doch zu teuer gewesen. Für Jan Stolnik, staatenlos, designierter Dämonenjäger, Sohn eines Drachen, tat es auch ein normaler Flug.
Er warf an seinem linken Sitznachbarn vorbei einen Blick durch das Bullauge auf die Tragfläche der DC-4a. Die Maschine verfügte über vier Propellertriebwerke, deren Flügel sich inzwischen so schnell drehten, dass selbst er sie nur noch als undeutliche graue Scheibe wahrnahm. Die Motoren dröhnten laut, er sah, wie das Terminal zurückfiel, und dann fuhren sie plötzlich neben einer Wiese auf einer grauen Betonpiste. Stöße wie in einem schlecht gefederten Eisenbahnwaggon verrieten, dass sie sich auf die eigentliche Startbahn zubewegten.
„Schließen Sie bitte die Sicherheitsgurte, und stellen Sie das Rauchen ein.“ Eine Stewardess im adretten dunklen Kostüm mit Schiffchen im Blondhaar ging durch die Sitzreihen und vergewisserte sich, dass jedermann an Bord ihren Anweisungen folgte. „Sie bitte auch, Sir“, sagte sie zu Jans Nachbar.
Der Mann drückte seine Zigarette mit einem Augenrollen aus und reichte Jan gleichzeitig seine Visitenkarte. „Frank D. Kapitzky, Tibouchina Cosmetics. Unser Markenzeichen ist die blaue Prinzessinnenblume. Ich habe in Grasse Parfüm für die Firma eingekauft. Also, wenn die Frau Gemahlin einen Duft möchte, den ihre Freundinnen noch nicht kennen – Sie wissen jetzt, an wen Sie sich wenden müssen.“Und was treibt dich hierher, Sportsfreund?
Jan beantwortete die unausgesprochene Frage und stellte sich ebenfalls vor: „