Es ist nicht ganz leicht, Nichts zu verstehen, aber das Multiversum ist voll davon. Nichts kommt überallhin, ist immer schneller als Etwas, und in der großen Wolke der Unwissenheit sehnt sich Nichts danach, Etwas zu werden. Es will ausbrechen, in Bewegung kommen, fühlen, sich verändern, tanzen und Erfahrungen machen – kurz gesagt, Etwas sein.
Und als es gerade so durch den Äther trieb, ergriff es die Gelegenheit beim Schopf. Das Nichts wusste natürlich über das Etwas Bescheid, aberdieses Etwas war anders, und zwar ganz eindeutig. Deshalb wurde Nichts unmerklich zu Etwas und ließ sich nach unten treiben, denn es hatte so Einiges vor. Glücklicherweise landete es auf dem Rücken einer Schildkröte, einer sehr großen, und machte sich sofort daran, etwas noch Schnelleres zu werden. Es war elementar, urgewaltig, und nichts war besser als das, und dann war das Urgewaltige plötzlich gefangen! Der Köder hatte funktioniert.
Jeder, der schon einmal gesehen hat, wie sich der Fluss Ankh in seinem Bett aus mannigfaltigen Widerwärtigkeiten dahinwälzt, begreift sofort, weshalb die Bewohner von Ankh-Morpork, was Fische und dergleichen angeht, fast ausschließlich von den Fangflotten Quirms versorgt werden. Um grässliche Magenbeschwerden in der Bürgerschaft zu verhindern, müssen die Ankh-Morporker Fischhändler sicherstellen, dass ihre Zulieferer weit, sehr weit von der Stadt entfernt ihre Netze auswerfen.
Für Birkenstock Jeschke, seines Zeichens Lieferant allerfeinster Meeresfrüchte, stellten die mindestens zweihundert Meilen, die zwischen dem Fischereihafen von Quirm und den Kunden in Ankh-Morpork lagen, im Winter, Herbst und Frühling eine bedauernswert große Entfernung dar. Aber im Sommer waren sie die reinste Tortur, denn dann wurde die Landstraße in die ferne Großstadt unter den gegebenen Umständen zu einem einzigen sehr langen Backofen. Wer sich schon mal mit einer Tonne überhitztem Tintenfisch herumschlagen musste, vergisst das nie wieder; der Geruch hält sich tagelang und folgt einem überallhin, sogar fast bis ins Schlafzimmer. Man kriegt ihn einfach nicht mehr aus den Kleidern raus.
Die Leute waren so schrecklich anspruchsvoll, aber die Elite von Ankh-Morpork – und im Grunde genommen auch alle anderen – wollte nun mal Fisch, sogar in der heißesten Jahreszeit. Obwohl Jeschke eigenhändig ein Eishaus errichtet und sogar dafür gesorgt hatte, dass auf halbem Weg von Quirm noch ein zweites stand, war einem dabei zum Heulen zumute, aber wirklich!
Das alles erzählte er seinem Vetter Rohrspatz Jeschke, einem Obst- und Gemüsebauer, der in sein Bier starrte und dann sagte: »Ist doch immer dasselbe. Den kleinen Unternehmern hilft niemand. Kannst du dir vorstellen, wie schnell sich Erdbeeren bei der Hitze in kleine Matschkugeln verwandeln? Tja, das kann ich dir sagen: in null Komma nix. Einmal kurz weggeschaut, schon passiert, und zwar genau dann, wenn alle Leute Erdbeeren wollen. Frag mal die Brunnenkresseleute, wie schwierig es ist, das verdammte Zeug in die Stadt zu kriegen, bevor es so schlapp ist wie die Predigt vom vergangenen Tag. Wir sollten uns an die Regierung wenden!«
»Nein«, erwiderte sein Vetter, »mir reicht’s jetzt. Wir schreiben an die Zeitungen! Nur so kommen die Dinge ins Rollen. Alle beschweren sich über das Obst, das Gemüse und die Meeresfrüchte. Vetinari müsste dazu gezwungen werden, sich um die Not der Kleinunternehmer zu kümmern. Wozu zahlen wir schließlich ab und zu uns