: Terry Pratchett
: Toller Dampf voraus Ein Scheibenwelt-Roman
: Manhattan
: 9783641143367
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der neue große Scheibenwelt-Roman von Terry Pratchett.

Ankh-Morpork, die größte Stadt der Scheibenwelt, war schon immer ein wahrer Hexenkessel – doch andernorts floss das Leben eher gemütlich dahin. Bis dank des Erfindungsreichtums eines jungen Ingenieurs die Dampflokomotive Einzug auf der Scheibe hält. Lord Vetinari ist erst skeptisch, beschließt jedoch schnell, sich das eiserne Ungetüm lieber Untertan zu machen. Er beauftragt Feucht von Lipwig – Herr der Post, der Königlichen Münze und der Königlichen Bank – nun auch das Verkehrswesen ins Rollen zu bringen. Bald wird überall fleißig am Schienennetz gebaut. Doch nicht jedermann weiß den rollenden Fortschritt zu schätzen. Und so nutzt eine radikal konservative Splittergruppe von Zwergen, die sowieso unzufrieden mit der Gesamtsituation ist, das Feuerross, um der herrschenden Schicht mächtig Dampf zu machen …

Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman – ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

Es ist nicht ganz leicht, Nichts zu verstehen, aber das Multiversum ist voll davon. Nichts kommt überallhin, ist immer schneller als Etwas, und in der großen Wolke der Unwissenheit sehnt sich Nichts danach, Etwas zu werden. Es will ausbrechen, in Bewegung kommen, fühlen, sich verändern, tanzen und Erfahrungen machen – kurz gesagt, Etwas sein.

Und als es gerade so durch den Äther trieb, ergriff es die Gelegenheit beim Schopf. Das Nichts wusste natürlich über das Etwas Bescheid, aberdieses Etwas war anders, und zwar ganz eindeutig. Deshalb wurde Nichts unmerklich zu Etwas und ließ sich nach unten treiben, denn es hatte so Einiges vor. Glücklicherweise landete es auf dem Rücken einer Schildkröte, einer sehr großen, und machte sich sofort daran, etwas noch Schnelleres zu werden. Es war elementar, urgewaltig, und nichts war besser als das, und dann war das Urgewaltige plötzlich gefangen! Der Köder hatte funktioniert.

Jeder, der schon einmal gesehen hat, wie sich der Fluss Ankh in seinem Bett aus mannigfaltigen Widerwärtigkeiten dahinwälzt, begreift sofort, weshalb die Bewohner von Ankh-Morpork, was Fische und dergleichen angeht, fast ausschließlich von den Fangflotten Quirms versorgt werden. Um grässliche Magenbeschwerden in der Bürgerschaft zu verhindern, müssen die Ankh-Morporker Fischhändler sicherstellen, dass ihre Zulieferer weit, sehr weit von der Stadt entfernt ihre Netze auswerfen.

Für Birkenstock Jeschke, seines Zeichens Lieferant allerfeinster Meeresfrüchte, stellten die mindestens zweihundert Meilen, die zwischen dem Fischereihafen von Quirm und den Kunden in Ankh-Morpork lagen, im Winter, Herbst und Frühling eine bedauernswert große Entfernung dar. Aber im Sommer waren sie die reinste Tortur, denn dann wurde die Landstraße in die ferne Großstadt unter den gegebenen Umständen zu einem einzigen sehr langen Backofen. Wer sich schon mal mit einer Tonne überhitztem Tintenfisch herumschlagen musste, vergisst das nie wieder; der Geruch hält sich tagelang und folgt einem überallhin, sogar fast bis ins Schlafzimmer. Man kriegt ihn einfach nicht mehr aus den Kleidern raus.

Die Leute waren so schrecklich anspruchsvoll, aber die Elite von Ankh-Morpork – und im Grunde genommen auch alle anderen – wollte nun mal Fisch, sogar in der heißesten Jahreszeit. Obwohl Jeschke eigenhändig ein Eishaus errichtet und sogar dafür gesorgt hatte, dass auf halbem Weg von Quirm noch ein zweites stand, war einem dabei zum Heulen zumute, aber wirklich!

Das alles erzählte er seinem Vetter Rohrspatz Jeschke, einem Obst- und Gemüsebauer, der in sein Bier starrte und dann sagte: »Ist doch immer dasselbe. Den kleinen Unternehmern hilft niemand. Kannst du dir vorstellen, wie schnell sich Erdbeeren bei der Hitze in kleine Matschkugeln verwandeln? Tja, das kann ich dir sagen: in null Komma nix. Einmal kurz weggeschaut, schon passiert, und zwar genau dann, wenn alle Leute Erdbeeren wollen. Frag mal die Brunnenkresseleute, wie schwierig es ist, das verdammte Zeug in die Stadt zu kriegen, bevor es so schlapp ist wie die Predigt vom vergangenen Tag. Wir sollten uns an die Regierung wenden!«

»Nein«, erwiderte sein Vetter, »mir reicht’s jetzt. Wir schreiben an die Zeitungen! Nur so kommen die Dinge ins Rollen. Alle beschweren sich über das Obst, das Gemüse und die Meeresfrüchte. Vetinari müsste dazu gezwungen werden, sich um die Not der Kleinunternehmer zu kümmern. Wozu zahlen wir schließlich ab und zu uns