Spät im September
Das Hausboot liegt im Morgennebel wie etwas Lebendiges, ein gestrandeterWal vielleicht oder eine faule Robbe, reglos, aber wach.Aufmerksam.Wartend.
»Mr. Birdwell? Julius Birdwell?«
Nichts. Draußen auf dem Kanal fliegt eine Ente auf.
Dave überprüft noch einmal die Bootsnummer, dann geht er über den schwankenden Holzsteg an Bord und klopft in Ermangelung einer Haustüre an eines der verbarrikadierten Fenster.
»Hallo? Halllooo? Mr. Birdwell?«
Weiter hinten an Deck öffnet sich plötzlich eine Klappe.
»Komm rein!«
»Ich komme von Joe, Sir, ich habe eine Lieferung für …«
»Jaja, komm rein, sage ich!«
Joe hat ihn gewarnt, dass der Job kein Zuckerschlecken ist, also fasst sich Dave ein Herz, taucht durch die niedrige Tür ins Innere des Bootes, macht einen Schritt – und steht auf einmal im Dunkeln.
Verdammt!
»Hallo? Mein Name ist Dave Collins, ich habe eine Lieferung für Julius Birdwell. Sind … sind Sie das?«
Kein Laut. Nur sein eigener Herzschlag.
»Mr. Birdwell?«
»Wo ist Joe?«
»Krank. Blinddarm. Pech, was? Ich … ich mache den Job, bis er wieder auf den Beinen ist.« Daves Stimme klingt piepsig.Warum klingt er immer so piepsig, wenn es darauf ankommt?
»Und du hast den Stoff?«
»Natürlich!« Dave hält die Hand mit dem Päckchen vor sich hin.
Wieder diese Stille. Sein Herz klopft noch lauter. Er hat keine Illusionen darüber, dass das, was er da ausliefert, nicht ganz legal ist. Keine richtigen Drogen, wie ihm Joe versichert hat, eher … Medikamente. Medikamente, die der Doktor seinen Kunden nicht verschreiben will und an die Joe als Sanitäter leicht herankommt.
Alles harmlose Typen, hat Joe gesagt, ein bisschen schräg vielleicht, aber solide. Na toll! Und jetzt steht Dave hier im Dunkeln mit irgendeinem irren Junkie!
»Weißt du, was da drin ist?«, fragt eine Stimme hinter ihm, näher, als ihm