: Uwe Siebert
: Die Wiedergeburt
: neobooks Self-Publishing
: 9783847605317
: 1
: CHF 4.00
:
: Science Fiction, Fantasy
: German
: 101
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Nomade Larkyen überlebt als Einziger einen von Kedaniern verübten Überfall auf seinen Stamm. Nach seiner Flucht vor den barbarischen Angreifern trifft er auf den alten Schamanen Ojun. Dieser erkennt in Larkyen ein Kind der schwarzen Sonne und offenbart ihm ein übermenschliches Dasein. Larkyen ist hin- und hergerissen von der ihm zustehenden Kraft und Unsterblichkeit. Doch auch ein Fluch lastet auf ihm und verdammt Larkyen somit zur Gier nach der Energie des Lebens. Nur schwer vermag Larkyen zu akzeptieren, dass er nur leben kann, indem er anderen den Tod bringt. Während sein Herz auf Rache drängt und aus dem Nomaden ein finsterer Krieger wird, suchen die kedanischen Horden nach Larkyen. Denn auch Boldar die Bestie, der Anführer der Kedanier, der das Blut seiner Opfer trinkt, weiß von Larkyens Herkunft und will sich dessen Kräfte zu eigen machen. Larkyen sieht keine Wahl, er muss sich Boldar stellen - In einem Kampf Bestie gegen Bestie!

Bereits seit seiner Kindheit begeistert sich Uwe Siebert für Literatur. Im Verlauf seines Lebens entwickelte er ein großes Interesse für archaische Mythen und Sagen, die er in das Konzept seiner Romane einfließen ließ. Zwischenzeitlich betrieb er diverse berufliche Tätigkeiten, u. a. einen Underground Mailorder für Rock - und Heavymetal Bands. Er lebt im Landkreis Kassel. Jedes Jahr verbringt er einige Zeit in Norwegen und erfreut sich an ausgedehnten Wandertouren durch das Hochgebirge.

Kapitel 1 – Die weite Steppe


Der Nordwind trieb leichte Wellen über die Oberfläche des Kharasees, und sein Pfeifen übertönte das Geschnatter der Enten, die am Ufer entlang watschelten. Das Blut eines Mannes, dessen Leichnam mit Gesicht und Brust im zähen Schlamm lag und das klare Wasser rot färbte, störte sie nicht.

Von weit her mochte der Wind kommen, doch in der unendlichen Steppe verharrte er in allgegenwärtiger Erhabenheit. Er schien das Land Majunay, im Osten der Welt, Heimat zu nennen und mit zornigem Zepter zu beherrschen.

 

Wie vertraut war diese Umgebung noch gestern für den Nomaden Larkyen gewesen. Wie gern hatte er sich in den Weiten des Kharasees verloren, in dem sich an hellen Tagen der Himmel spiegelte und wie das Tor zu einer anderen Welt erschien.

Dieser Tag jedoch hatte alles verändert.

Larkyen kniete mit am Rücken gebundenen Händen auf dem kalten Boden. Die Kälte drang durch das Leder seiner Hose und die Fellstiefel, während der Schurwollstoff seines Hemdes noch immer schweißdurchtränkt war.

Das schulterlange dunkle Haar hing ihm in Strähnen über das Gesicht. Verzweifelt rüttelte er an seinen Fesseln, bis seine Handgelenke wund waren, doch die Stricke ließen sich weder lockern noch lösen.

Zwanzig Winter waren seit seiner Geburt vergangen, und er wünschte sich nichts sehnlicher, als das Kämpfen erlernt zu haben. Als Krieger wäre er zumindest imstande gewesen, den Banditen, die ihn und die anderen dreißig Nomaden des Stammes der Yesugei überfallen hatten, Gegenwehr zu leisten.

Die kreisförmig angelegten Jurtenunterkünfte, die wie Pilze im Gras aufragten, waren schon von weitem unübersehbar gewesen und hatten die Banditen auf eine leicht zu erlegende Beute hingewiesen. Wahrscheinlich hatten sie die Nomaden schon seit Tagen beobachtet und ihren Tagesablauf im Lager studiert.

Die Banditen entstammten dem Land des ewigen Eises im hohen Norden, das Kedanien genannt wurde. Es waren Barbaren von riesenhaftem und muskulösem Wuchs, mit Haut so hell wie der Schnee ihrer Heimat. Sie kämpften mit einer Schnelligkeit und gnadenlosen Brutalität, der kein Nomade gewachsen war.

Larkyen konnte die Erinnerung an ihre Gräuel keinen Augenblick lang verdrängen.

Mit der Morgendämmerung waren sie auf ihren Pferden gekommen – hochgezüchteten, kräftigen Rössern, ihren Herren angemessen - um unaufhaltsam wie eine Lawine zuzuschlagen. Die ersten Warnrufe der Schafhirten wurden durch eine Reihe kedanischer Bogenschüsse erstickt. Und als die Nordmänner zwischen den Jurten hindurch ritten, trampelten ihre Pferde die flüchtenden Nomaden nieder wie Steppengras. Nicht einmal Frauen und Kinder blieben verschont.

Larkyens Adoptivfamilie – die Frau, die er Mutter nannte, den Mann, den er Vater nannte, sowie ihr älterer Sohn – sie alle waren tot. Auch Larkyens Weib Kara, die ihn im nächsten Frühling ein Kind geschenkt hätte, war den Klingen der Banditen nicht entkommen. Und nun neigte sich auch Larkyens Leben dem unvermeidlichen Ende zu. Als einem von vier Gefangenen, die übrig geblieben waren, trennten ihn nur noch einige Atemzüge vom Tod.

Hatte er sich anfangs noch gefragt, weshalb die Banditen überhaupt jemanden am Leben gelassen hatten, war ihm der Grund nun völlig klar.

Schon seit einer Weile beobachtete er, wie die Banditen sich daran ergötzten, die Überlebenden nacheinander öffentlich zu quälen und abzuschlachten. Ein neuer Sc