2 Die Rollen in Scrum
Der Begriff„Scrum“ kommt aus dem Rugby-Sport, er kann mit„Gedränge“übersetzt werden. Gemeint ist jedoch die beim Scrum im RugbyüblicheBewegung des gesamten Teams als Einheit, um den Ball auf der eigenen Seite hinauszudrängen. Wie bereits erwähnt, stützen sich agile Vorgehensweisen auf kleine, selbstorganisierte Teams. In Scrumübernimmt das gesamte Team die Verantwortung für ein Etappenziel– sinngemäß ist ein Sprint eine Bewegung des gesamten Teamsüber eine Etappe.
Scrum definiert drei wesentliche Rollen, deren Aufgaben und Verantwortungen genau aufgeteilt und definiert sind: Product Owner, Umsetzungsteam (meist nur als Team bezeichnet) und Scrum Master. Alle drei zusammen werden Scrum Team genannt.
Abbildung 2.1: Das Scrum Team
Die kollektive Verantwortung des Scrum Teams ist es, ein Produkt an Kunden oder Interessensvertreter (Stakeholder), wie Manager, Fachbereiche etc. zu liefern. Obwohl diese anderen beteiligten Personen auch wichtig sind, werden sie in Scrum nicht mit einer Rolle und damit mit einer innerhalb von Scrum definierten Verantwortung belegt.
Die drei Scrum-Rollen sollen idealerweise in hundertprozentiger Wahrnehmung und nichtüber Rollenteilung besetzt werden. Der Product Owner vertritt in Scrum die Geschäftsseite (mit Krawatte dargestellt) und der Scrum Master (mit Kappe gezeichnet) kann als Teamcoach verstanden werden.
2.1 Der Product Owner
Der Product Owner (P.O.) verantwortet den geschäftlichen Erfolg des zu entwickelnden Produkts, ist also für die Rentabilität (= ROI, Return on Invest) des Entwicklungsvorhabens (Produkt oder Projekt) verantwortlich. Er oder sie stellt sicher, dass das richtige Produkt entwickelt wird und definiert dazu die Produkteigenschaften, verfeinert sie zu konkreten Anforderungen, löst Fragen zu Anforderungen und stellt sicher, dass die richtigen Funktionalitäten zum richtigen Zeitpunkt (Prioritäten) geliefert werden.
Hauptverantwortung: Rentabilität des gelieferten Produkts
Der Product Owner arbeitet mit den Kunden, Anwendern und Stakeholdern zusammen. Er konsolidiert die Wünsche der verschiedenen Beteiligten und bestimmt letztendlich Umfang und Reihenfolge der gelieferten Funktionalitäten, um mit dem Produkt stets den besten Geschäftswert zu liefern. Die Anforderungen werden abhängig von ihrem Wert (also potenzieller Umsatz oder Kostenersparnis durch Software) und den damit verbundenen technischen Risiken in Form einer Liste, demProdukt-Backlog, gereiht.
Aufgrund dieser Verantwortung ist der Product Owner in Scrum auch der einzige, der die Reihenfolge der gewünschten Lieferungen– also die Sortierung des Produkt-Backlogs– bestimmt, auch wenn viele Faktoren und Personen darauf Einfluss nehmen.
Eine Vision etablieren
Der Product Owner ist auch dafür verantwortlich, eineProduktvision zu etablieren, die kommuniziert werden kann. Dabei geht es darum, ein grobes Ziel aufzuzeigen: was das Produkt werden soll und warum es entwickelt wird. Diese Vision dient dem Scrum Team als Leitlinie durch das Entwicklungsvorhaben. Mit der Vision und dem Produkt-Backlog wird der fachliche („Was?“) und nichtfunktionale („Wie gut?“) Teil der Anforderungen definiert.
Ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Arbeitsweise ist die in Scrum bevorzugte persönliche Kommunikationsschnittstelle zwischen Anforderer und Umsetzer. Verschriftlichte Anforderungen (Dokumente, Wikiseiten etc.) sind zwar erlaubt, Scrum fordert aber die direkte (Face-to-Face-) Kommunikation zwischen Team, Product Owner oder Kunde. In der Regel handelt es sich bei Scrum um eine artefaktreduzierte Entwicklung, also mit weniger Dokumenten und mehr Kommunikation. Der Umfang an Dokumentation, insbesondere anforderungsseitig, liegt im Ermessen des Product Owners bzw. ist an die organisatorischen Rahmenbedingungen gebunden (Governance).
Resultate akzeptieren oder ablehnen
Als Produktverantwortlicher hat der Product Owner auch die Aufgabe, die vom Umsetzungsteam gelieferten Ergebnisse zu inspizieren und sie entweder zu akzeptieren oder zurückzuweisen. Das tut er oder sie, indem zu gelieferten Ergebnissen Feedback gegeben wird– damit ist das Umsetzungsteam in der Lage, sich regelmäßigüber die Anforderungen und deren kollektivem Verständnis informieren zu können. Formal gesehen ist der Product Owner für die Abnahme der Lieferungen verantwortlich, in der Praxis wird er oder sie das nicht alleine tun, sondern auch die anderen Beteiligten1 einbeziehen. Die Wichtigkeit dieser Feedbackschleife darf nicht unterschätzt werden. Nur damit wird es möglich, dass die Mitglieder des Teamsüber die Zeit zu umfassendem Domänenwissen gelangen und verstehen lernen, wie die Produkte, die sie entwickeln, von den Anwendern verwendet werden.
Agiles Anforderungsmanagement– Backlog-Pflege
Die laufende Pflege des Produkt-Backlogs wird in ScrumBacklog Grooming genannt und ist eine weitere Verantwortung des Product Owners, die sich aus seiner Hauptverantwortung ableitet. Das Produkt-Backlog ist e