Wie alles anfing
Ich war einfach nur verdammt jung, verdammt abgedreht in der Zeit und hatte massive Geldsorgen. Gerade vom Land in die große Stadt gezogen, hatte ich einen Studienplatz, einen Halbtagsjob im Pflegedienst und mein Geldbeutel war leer. Ich war pleite und wusste nicht mehr wie ich die nächste Mietzahlung zusammenkratzten sollte. An meine Familie konnte und wollte ich mich nicht wenden, die wissen imÜbrigen bis heute nicht, was ich damals tat, um mich einfach nurüber Wasser zu halten.
Ich nannte mich Sandy, war dreiundzwanzig Jahre alt und wurde für ein knappes Jahr ein Escort Girl, zu gut Deutsch, eine Hure.
Dass alles passierte vor zehn Jahren, ein Jahr lang prostituierte ich mich. Für meine Größe von ein Meter achtundsiebzig war ich sehr schlank, mehr so der sportliche Typ. Nicht gerade sexy mitüppigen Kurven, dennoch fing ich beim Escort Service an und es war eine erstaunliche Reise in ein Kabinett der Perversitäten, in das Halbdunkel des Rotlichtmilieus. Manchmal fiel es mir schwer darüber zu reden, besonders wenn es um die kritischen Details ging. Dennoch bin ich froh, endlich alles erzählt zu haben.
Ich hatte gerade meine Ausbildung im Pflegedienst hinter mich gebracht. Hatte damals schon immer Nebenjobs, denn es langte hinten und vorne nicht. Als ich dann von der ZVS einen Studienplatz in Baden Württemberg oder Hessen angeboten bekam, da nahm ich Frankfurt, das war nun mal weiter weg von meiner Mutter. Ich wollte einfach nicht so nah dran sein, vertrug keine Kontrolle mehr. Eigentlich verstand ich mich gut mit meiner Mutter, aber es durfte nie zu viel des Guten sein, denn wenn wir uns zu viel sahen, dann ging der Streit los.
Auf jeden Fall kriegte ich zwei Wochen vor Studienbeginn die Zusage von Frankfurt, was dachten die sich denn dabei, nur zwei Wochen Vorlaufzeit, um alles vorzubereiten. Also zog ich in das erst beste Loch, das sich mir bat, um das Studium zu beginnen. Zwei Monate später fand ich dann endlich eine vernünftige Wohnung, die dementsprechend teuer war, typisch Großstadt. Ich hatte ja bereits einen Fünfzigprozentjob als Krankenschwester angenommen. Aber mehr als eintausendzweihundert Euro brachte das nicht ein und die Wohnung kostete immerhin achthundert warm, dazu kam, ich hatte ein Auto und immer noch mein Motorrad. Also blieben mir vielleicht zweihundert zum Leben. Na ja, leben konnte man im Monat nicht von zweihundert, oder? Ich suchte also einen zweiten Nebenjob, das hatte ich ja schon während meiner Ausbildung getan und blätterte durch die Zeitungsannoncen.
So stieß ich auf die Anzeige des R.-Escort Service. Sie suchten nach eloquenten, jungen, hübschen Damen, die sich als Begleitservice für Herren anbieten und es stand eine Telefonnummer dabei. Genau erinnere ich mich nicht an den Text, doch das Folgende kommt der Sache ziemlich nahe:
Sehr guter Nebenverdienst für eine aufgeschlossene Frau, für die Begleitung von seriösen Geschäftsleuten mit Niveau. Wir suchen Sie, eine sympathische, weltoffene Frau. Der Einsatz ist am Abend und kann zeitlich flexibel vereinbart werden. Sehr hoher Verdienst und Sicherheit garantiert, sofortige Auszahlung in bar bei Termin. Gerne mehr Info bei Antwort und einem Gespräch."
Ich dachte wirklich, es geht dabei um einen Begleitservice, also rief ich an und bekam gleich am nächsten Tag einen Termin zum Interview.
In einem Vorort von Frankfurt fand ich mich am anderen Tag vor einem Einfamilienhaus wieder. Es war ordentlich und gepflegt, wenn auch nicht gerade in einem der guten Frankfurter Vororte. Ich klingelte, war tierisch nervös und hatte auch ein bisschen Angst, als ein Mann mir die Tür auf machte. Er, den ich später als Jürgen kennenlernte, der Besitzer, der mit seiner Ehefrau das Unternehmen leitete, begrüßte mich freundlich.
„Hallo, schön dass du da bist, wir haben gestern miteinander telefoniert richtig? Komm rein“, sagte er und mir fiel auf, wie genau er mich bereits taxierte.