: George Plimpton
: Truman Capotes turbulentes Leben Kolportiert von Freunden, Feinden, Bewunderern und Konkurrenten
: Rogner& Bernhard
: 9783954030675
: 1
: CHF 22.20
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

George Plimpton, der legendäre Verleger der 'Paris Review', führte für dies Buch Hunderte von Interviews, die zeigen, dass es nicht immer nur eine Wahrheit gibt - schon gar nicht, wenn man es mit einem Menschen wie Capote zu tun hat. Ein hochtalentierter Autor und gleichzeitig ein verrückter, eitler, exzentrischer Schauspieler. Auf seinem Lebensweg begegnen wir zahlreicher Prominenz von Andy Warhol über Joan Didion, Norman Mailer bis zu seinem Erzfeind Gore Vidal. Sie alle waren Zeugen seines kometenhaften Erfolgs und später Beobachter seines jähen Absturzes, der auf die Veröffentlichung von 'Erhörte Gebete' folgte.



George Plimpton (1927-2003 in New York) war ein amerikanischer Autor, Journalist und Förderer junger Schriftsteller. Von 1953 bis zu seinem Lebensende gab er die legendäre Literaturzeitschrift 'The Paris Review' heraus. Er schrieb zahlreiche Bücher, darunter 'Paper Lion', 'Out of my League', 'The Bogey Man' und 'American Journey. The Times of Robert F. Kennedy'.

KAPITEL EINS

In dem der Leser Monroeville und Harper Lee
kennenlernt und auf TCs erste große Party geht

MATTHEW RHODES (Einwohner) Wenn man Monroeville von Süden her erreicht, nachdem man meilenweit durch Baumwollfelder gefahren ist, kommt man als Erstes an der Vanity-Fair-Fabrik vorbei, dem größten Arbeitgeber der Stadt. Dort wurde früher hauptsächlich Damenunterwäsche angefertigt, heute stellen sie Lee-Jeans und Poloshirts her. Dann fährt man am Community College vorbei. Früher hieß es Patrick Henry Community College, heute ist es das Alabama Southern– keine Ahnung, was sie auf einmal gegen Patrick Henry haben. Dann kommt eine Reihe von Restaurants– McDonald’s, Hardees und ein kleines Diner namens Radley’s, benannt nach Boo Radley aus Harper Lees RomanWer die Nachtigall stört.

Schließlich erreicht man den großen Stadtplatz. Die Geschäfte haben sich mit den Jahren ziemlich verändert. Jennie Faulk, Trumans Tante, hatte hier einen Hutladen, aber den finden Sie heute nicht mehr. Inzwischen haben sich hier mehrere Büros und Läden angesiedelt: zwei Anwälte, ein Reisebüro, ein Videoverleih, ein christlicher Buchladen, ein Möbelgeschäft und natürlich Dickie Williams’ Drugstore. Wenn Sie irgendwelchen Tratsch hören wollen, dann gehen Sie zu Dickie und reden mit ihm. Er ist so etwas wie ein selbst ernannter Stadthistoriker, aberüber Truman hat er nur ein paar Geschichten parat. Eine davon geht so: Einmal kam dieser kleine Mann hinein und sagte mit schriller Stimme:»Ich will nur einen kleinen schwarzen Kamm, etwa so lang– sonst nichts.« Dann gibt es die andere Geschichte, in der Dickie Truman fragt:»Wie kannst du so sicher sein, dass du mit deinem Schreiben Erfolg haben wirst?« Und Truman antwortet:»Es ist wie beim Baseball. Der erste Treffer ist schwierig, aber der Rest ist einfach.« Das ist so ungefähr alles. Aber Dickie gibt sich alle Mühe, um den Touristen, die in die Stadt kommen, gefällig zu sein. Er achtet die Faulk-Familie, die Truman aufgezogen hat, sehr– und Harper Lees Familie ebenfalls.

In der Mitte des Platzes steht das alte Gerichtsgebäude, das um die Jahrhundertwende erbaut wurde, und gleich daneben der Neubau, der aus den 1960er Jahren stammt. Harper Lee– jeder hier nennt sie Nelle– beschreibt das alte Gerichtsgebäude inWer die Nachtigall stört als baufällig, doch in den letzten Jahren wurde viel Geld investiert, um das Gebäude zu erhalten. Wenn man hinauf in den Gerichtssaal im ersten Stock geht, entdeckt man als Erstes eine Tafelüber der Tür, auf der steht:»Dieser Raum diente als Modell für die Gerichtsszene inWer die Nachtigal