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Am nächsten Morgen lag erneut dichter, nasskalter Nebel über dem Lager. Jeder Schritt, die Rufe der Knechte, das Schnauben der Pferde – alles klang verhalten. Gottfried steckte den Kopf durch den Zelteingang.
»Gott zum frühen Gruße, ehrwürdige Brüder. Seid ihr schon auf?«
Er fragte, obwohl er sah, wie Wernhardt auf der Erde kniete und betete. Nun küsste der Mönch das kleine Holzkreuz in seinen Händen und erhob sich umständlich. Dann erst wandte er sich um.
»Wir sind es gewohnt, jeden Morgen ein Gebet an unseren Herrn Jesus Christus zu richten. Eine Sitte, die man hier wohl nicht kennt.«
»Heinrich wünscht auf der Jagd keine Strenge, Bruder.«
Wernhardt seufzte.
»Werden wir den Herzog sprechen können?«
»Er lädt euch sogar ein, mit ihm gemeinsam zu speisen.«
Der Mönch nickte zufrieden. Na endlich, schien er mit einem Seitenblick auf seinen getreuen Bertholdus zu sagen, endlich kommen die Dinge in Bewegung. Heinrich schien sich doch noch seiner Pflichten als Gastgeber zu erinnern.
»Richte dem Herzog aus, dass wir kommen werden.«
»Besser, ihr kommt gleich mit mir.«
Es entstand eine Pause.
«Jetzt gleich«, setzte Gottfried mit Nachdruck hinzu.
Im Zelt des Welfen waren neben dem Kochfeuer eine Reihe kleinerer Kohlefeuer entzündet worden, und es war wohlig warm. Heinrich saß auf einem Sessel, vor sich eine reich gedeckte Tafel, um ihn herum eine Reihe Männer. Die meisten schienen Lehnsmänner der Gegend zu sein. Beim Anblick der Mönche winkte er.
«Ihr frommen Herren aus Freisingen, ich grüße euch. Kommt, setzt euch zu uns. Wärmt euch, und füllt euch den Bauch!«
Er wartete, bis sie alle einen Platz gefunden hatten.
»Gott sei hier, Herzog Heinrich«, begann Wernhardt. »Wir entbieten dir den Gruß des ehrwürdigen Bischofs. Lass uns den Grund unseres Kommens erklären.«
»Später«, wehrte Heinrich kauend ab, »erst lasst uns essen.«
Wernhardt nickte. Zögernd griffen er und seine Begleiter zu. Heinrich kaute mit vollen Backen und grinste. Ab und an stieß er einen seiner Ritter in die Seite. Die lachten dann leise, und erneut konnte sich Wernhardt des Verdachts nicht erwehren, dass diese Heiterkeit ihnen galt. Der Mönch fühlte sich nicht sonderlich wohl, und so verlief das Essen mit leisem Geplänkel ringsum. Wenigstens waren seine Schmerzen verschwunden.
In dem Zelt herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Einmal kamen Falkner herein und zeigten zwei Jungvögel in einem Korb. Heinrich beobachtete interessiert, wie die beiden Tiere heiser rufend mit den Flügeln schlugen. Er nickte zufrieden, und die Gelegenheit nutzte ein Knecht, um ihm eine Garnitur Sauspieße zu präsentieren. Heinrich erhob sich, beugte sich über die Tafel und wählte dann etliche Waffen aus. Er schien Zeit zu haben, und Wernhardt fragte sich, ob der Augenblick nicht günstig wäre, um erneut mit seinem Anliegen zu beginnen.
Viel gegessen hatte er nicht. Er trank auch nicht besonders viel, fürchtete er doch, was ihm blühte, wenn er die Kutte heben musste, um sich zu erleichtern.
»Verehrter Herzog«, begann er in dem Stimmengewirr und räusperte sich.
Zahlreiche Augen blickten ihn an. Der Löwe rülpste wohlig und gähnte dann. Wernhardt ließ sich nicht beirren. »Worum es uns geht ...«
»Aber ich weiß, warum ihr hier seid«, antwortete Heinrich, »aber hier bin ich nicht in meiner Eigenschaft als Fürst dieses Landes.«
Er schwieg einen Augenblick.
»Heute werde ich Glück haben. Und wisst ihr auch, warum?"
Wernhardt schüttelte den Kopf.
»Weil ich nun christlichen Beistand habe«, meinte Heinrich.
Wernhardt und Bertholdus blickten einander an, die beiden anderen Mönche hörten mit dem Essen auf.
»Ich verstehe nicht«, begann Wernhardt, aber Heinrich lachte laut, und die Ritter neben ihm grinsten oder lachten ebenfalls. Diese Mönche waren wirklich ein wenig begriffsstutzig.
»Christlichen Beistand«, wiederholte Heinrich langsam und zeigte mit dem Finger auf Wernhardt und Bertholdus, »weil ihr, liebe Brüder, heute Morgen mit mir kommen werdet. Begleitet mich und betet für mein Jagdglück. Ich bin sicher, bis zum Mittag haben wir ein feines Stück erlegt. Mit eurer Hilfe im Gebet.«
Wernhardt spürte, wie ihm schwindlig wurde. Auf die Jagd mitre