II.
Zwei Turteltauben
Ein Weihnachtsbaum stand in der Ecke der städtischen Leichenhalle von Oldcastle. Nur ein billiges, künstliches Teil, geschmückt mit buntem Lametta, blinkenden Lichtern und kleinen Plastikengeln, aber immerhin brachte er einen Hauch von festlicher Stimmung in den Sektionssaal. Und für die Spitze des Baumes hatten sie zwar keinen Stern aufgetrieben, aber dafür einen großen Star: eine nickende Elvis-Puppe, die jedes Mal zuckte und schlenkerte, wenn die Tür einer Kühlschublade zugeknallt wurde.All shook up.
Es machte den Saal nicht gerade zur heimeligen Weihnachtsstube, aber immerhin hatten sie sich Mühe gegeben.
Sandra lehnte am Spülbecken, das Handy zwischen Ohr und Schulter geklemmt, während sie eine Instant-Nudelsuppe mit Huhn und Pilzen löffelte. »Kevin? Hallo? Bist du da?« Eins, zwei, drei, vier … »Geh schon ran … Kevin?« Der Anrufbeantworter piepste. Sie blieb stehen und starrte auf den ausgeweideten, bleichen Fleischberg auf dem Obduktionstisch. »Kevin? Es wird ein bisschen später, okay? Wir haben alle Hände voll zu tun mit so einem Fettsack, der sich erhängt hat. Also, wart auf mich, okay?« Sandra schaufelte sich eine Gabel voll Nudeln in den Mund und nuschelte noch ein paar Abschiedsworte, gefolgt von einem fast unverständlichen »Lieb’ dich«. Dann legte sie auf.
Sie schlürfte gerade die letzten Tropfen Suppe aus dem Becher, als Professor Muir grummelnd von der Toilette zurückkam. Er sah sie an und seufzte. »Ich wünschte, Sie würden das Zeug nicht hier drin essen«, sagte er. »Elvis mag den Geruch nicht.« Er deutete auf den King, der mit den Hüften wackelte und zustimmend nickte, als die Tür des Sektionssaals ins Schloss fiel.
»Bin sowieso fertig.« Sie warf den leeren Becher in den Abfalleimer und zog ein frisches Paar Latexhandschuhe an. »Soll ich jetzt die Wirbelsäule machen?«
»Bitte.« Professor Muir wandte sich wieder dem Berg von Eingeweiden zu, der auf dem Rollwagen neben dem Seziertisch lag.
Sandra griff zur Knochensäge.
Klick. Mit einem dumpfen Fauchen erwachte der Sauger zum Leben, der sämtliche Blut- und Knochenpartikel entfernen würde. Ein zweites Klicken, und die Säge sirrte los. Das Vibrieren der Klinge ließ Sandras Finger kribbeln. »Wollen Sie das Rückenmark separat oder mit dem Gehirn dran?«
»Überraschen Sie mich.«
Sie lächelte hinter ihrer Maske – das war eine Herausforderung. Ohne die inneren Organe war der Rumpf nur eine rot-violette Hülle, gesäumt von den Stumme