: Bridge Markland
: Stripped Autobiografische Sexgeschichten
: konkursbuch
: 9783887698416
: 1
: CHF 2.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 100
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Autobiografische Sexgeschichen, über öffentlichen und privaten Sex, alleine, zu zweit, zu mehreren, im Kino, im Hotelflur, im Auto, im Bett ... 'Selten habe ich über sexuelle Erlebnisse in einer so persönlichen, authentischen, sich selbst und dem Leser gegenüber ehrlichen Weise gelesen, wie in diesem Buch. Begeisternd! Bridge Markland ist eine in Berlin lebende Tanz-Theater-Performance-Küns lerin, deren künstlerische Themen um weibliche und männliche Erotik kreisen. Ihre Erzählungen sind offensichtlich autobiographisch, mit Humor und herrlichen Wort-findungen und -erfindungen dargeboten, Techniken und Gefühle beschreibend, die pure Lust an Erotik und Sexualität schildernd, gleichermassen mit Männern und Frauen, Schwulen und Lesben. Und - wie im richtigen Leben - nicht jede Geschichte führt zum XXL-Orgasmus und zu durchnässten Matratzen. Aber alle Geschichten sind vergnüglich und anregend zu lesen. Die von der Autorin geschilderte Lust an der Lust überträgt sich in schönster und angenehmster Weise auf den Leser.' Jürgen Rapprich, Boccaccio Newlsetter, München) Mit erotische Fotografien, die die Berliner Fotografin Anja Weber mit Bridge Markland und anderen Darstellern an Berliner Locations wie Kinos und Parks zu den Geschichten inszenierte. Die Bilder gibt es nur in der Druckausgabe.

Planet-Kreatur                   


Ich machte in den USA eine Ausbildung, die viel mit Körperarbeit zu tun hatte. Die Ausbildung gingüber vier Jahre und fand jeweils in Sommer-Intensivkursenüber sieben Wochen lang statt.

Wir waren etwa hundertzehn Leute aus aller Welt und davon, wie bei solchen Ausbildungen soüblich, waren die meisten Frauen. Es gab etwa fünfzehn Männer. Wenn frau den ganzen Sommer lang jeden Tag stundenlang Körperarbeit macht, völlig offen, gelöst und frei wird, wird sie natürlich ... geil, ganz klar! Also hatten die fünfzehn Männer viel zu tun, denn von den fünfundneunzig Frauen waren nicht alle verheiratet, lesbisch oder monogam. So mancher langjährige Freund weilte weit weg in Europa, und was da in den USA geschah ... Aber mitnichten waren jetzt diese fünfzehn Männer nur in sexuellen höchsten Rauschzuständen und suchten sich jede Nacht eine andere tolle Frau aus einem anderen tollen Land aus, nein, nein. Leider waren einige von ihnen verheiratet, schwul oder monogam, und was die Freundin weit weg im fernen Australienüber polyamouröses Verhalten so denken könnte, war ihnenüberhaupt nicht egal. Somit waren einige von ihnen den ganzen Sommer lang nur damit beschäftigt, die penetranten erotischen Attacken der schönen, geistreichen und fingerfertigen Frauen aus fernen Ländern abzuwehren, sehr zum Leidwesen der Frauen. Andere von ihnen suchten sich eine Frau aus, der sie den ganzen Sommerüber treu blieben, sehr zum Leidwesen der anderen Frauen. Ein sehr hässlicher aber lieber Mann gar, schwängerte eine sehr schöne und liebe Frau in der ersten Woche ihrer Bekanntschaft. Im nächsten Sommer kehrten beideüberglücklich mit dem Ergebnis zurück, und im dritten Sommer war dann schon das zweite Baby dabei. Ja und dann gab es auch noch einen Mann, der zu alt war, als dass sich das erotische Interesse der etwas jüngeren Damenwelt in seine Richtung hätte ausbreiten wollen und dieälteren Damen wiederum waren meist doch verheiratet und monogam.

Was bei diesen ganzen Aufzählungen nochübrig blieb, war nicht existent. Dann fand die Ausbildung noch in Northampton, Massachusetts statt, die Frauen-Interessierten und Amerika-Begeisterten unter den LeserInnen werden jetzt eventuell aufmerken. In Northampton gibt es eine Uni namens Smith-College, an der in früheren Zeiten nur Frauen studierten und auch heutzutage ist ein Grossteil der Studenten weiblich. Davon ist wiederum ein nicht unerheblicher Teil lesbisch. Northampton ist eine Kleinstadt, in der es völlig normal ist, dass Frauen-Pärchen Hand in Hand die Straße entlang laufen. Warum ich das alles erzähle? Um auf die folgenden Ereignisse vorzubereiten ...

Innerhalb der Ausbildung hatten wir mit sechs Frauen eineSupport-Group gegründet. Wir trafen uns einmal die Woche in der Mittagspause, um unsüber unsere sehr unterschiedlichen Missbrauchserfahrungen auszutauschen. Im Laufe dessen beschlossen wir, uns einen Abend mit Ritualen, Improvisationen, Offenheit für kreative Kreatürlichkeiten und Vokalisationen zu gönnen. Also mieteten wir uns ein Tanzstudio. Das Tanzstudio lag angeschlossen an ein Wohnhaus mitten im Wald. Wir hatten uns speziell diesen Ort ausgesucht, damit wir laut werden könnten, schreien, kreischen etc., falls uns danach wäre. Ich bin ja eine spezielle Kandidatin fürs schreien, wenn meine Monster erst mal aufwachen, geht’s total ab und ich will gar nicht mehr aufhören. Den fünf anderen ging es teilweiseähnlich. Wir brachten uns Essen und Trinken mit. Die anderen waren gut ausgestattet mit perkussiven Instrumenten, reinigenden Mitteln wieSmudgesticks aus Salbei, welche abgebrannt werden, um damit die Aura eines Raumes zu reinigen und diversen Gegenständen und Objekten die zu kultischen, mystischen, esoterischen Handlungen, Begegnungen, Werdungen und Seins-Zuständen aufrufen können, sollen und wollen. Ich habe von diesen Dingen wenig Ahnung, finde sie aber sehr faszinierend, wenn sie nichtübertrieben werden.

Während die anderen fünf damit beschäftigt waren, den Raum rituell zu reinigen und vorzubereiten, ging ich in den Garten, der aus einer großen Rasenfläche und einem Gemüsegarten bestand. Es war früher Abend an diesem 28. Juli, Uhrzeit der Mücken. Ich befand mich aus lauter Vorfreude auf diesen Abend schon längst in einem gelöst, fließenden, völlig authentischen Zustand– meine Körper-Glückshormon-Produktion war auf vollen Touren. Ich hatte gesteigerte Fähigkeiten, war ohne Grund angegackert und torkelte höchst glücklich mit Gräsern, Mücken, Zweigen, Blättern, Bäumen und dem Wind tanzend durch den Garten. Ich war wie ein Medium, welches die„Radiowellen“ vieler Dinge auffangen kann, sie kurz abspielt, gleichzeitig mitfühlt und dann zum nächsten Sender springt. Ich war so glücklich, dass ich mich all meiner Kleidung entledigte und anfing, nackt durch den Garten zu springen– durch die Nacktheit angestachelt, wurde ich prompt noch glücklicher ...

Dazu muss man wissen, dass die Amerikaner sehr prüde sind, Nacktheit weit entfernt von normal ist und das Ganze somit noch einen größeren Touch von Verboten bekam.

Mit einem Mal kam Caramel aus dem Tanzstudio heraus. Caramel, die mir am engsten vertraut war, im letzten Sommer waren wir uns allmählich näher und näher gekommen. Es war eine Entwicklung, die im Laufe von 7-8 Wochen passierte und in einer achtstündig