Ich hasse die Liebe
Solange sie auf dem Sofa sitzen, sich seine Handüber ihr Knie spreizt, sich unter ihren Rocksaum schleicht, sich unters Slipgummi gräbt, sich dorthin vorreckt, wo es feucht wird– solange ist sieübermütig erregt.
Aber dann zieht er die Hand weg und drängt aufs Bett, wo es gemütlicher ist, wo er nicht mit gebogenem Rücken verdrehter Wirbelsäule versuchen muss, unter dem Rocksaum unter dem Slipgummi sie zu ertasten, angelockt und abgebremst.
Das scharfe Spiel an den Grenzen, das sie so liebt, das liebt er nicht.
Er hat es gern bequem, damit er an alles richtig ran kann, er will keinen Stoff zwischen sich und ihr, kein lästiges Slipgummi, keine umständlichen BH-Verschlüsse, die jedes Mal anders sind, die immer wieder lästig sind, jetzt kennen wir uns doch schon eine Weile, warum diese lästigen Barrieren jedes Mal? Damit es spannend bleibt, sagt sie. Es ist lästig, sagt er.
Widerwillig gibt sie nach, lässt sich ins Schlafzimmer schieben. Rasch zieht er sich aus. Nicht die Unterhose, fleht sie. Na gut, sagt er. Seufzend legt sie ihren Pulli ab, zieht, während er bereits auf dem Bett liegt, ihren Rock aus, ihre Strumpfhose runter, ihre Schuhe aus,öffnet ihren BH-Verschluss, damit er sich nicht unnötig abmühen soll. Aber ihren Slip behält sie an. Sie will nicht einfach nackt dastehen und abwarten, wann es losgeht.
Immer dieser Kampf um deinen Slip, sagt er. Nackt und natürlich ist doch viel schöner, sagt er. Wieso natürlich, sagt sie, dir gefällt doch, wenn ich enge Röcke trage, mit einem hohen Schlitz an der Seite. Das ist auch nicht natürlich. Das ist was anderes, sagt er. Da guckt man nur. Da hat ja noch nichts angefangen.
Wenn sie endlich nachgibt, wenn endlich der verknäuelte Slipüber ihre Schenkel rutscht, wenn sie ihn endlichüber die Knöchel ins Leere strampelt, wenn endlich alles Intime frei liegt, all das verklebte Gefältel zwischen den prallen Lippen, endlich seiner Zunge zugänglich, dann legt er sich ins Zeug. Jetzt will er ihr zeigen, was in ihm steckt.
Ausgebreitet liegt sie unter ihm und denkt, jetzt sollte ich genießen. Jetzt sollte ich in Ekstase geraten.
Aber sie genießt nicht, sie denkt. Jede Frau will verwöhnt werden, denkt sie. Warum nicht ich? Bin ich unnormal? Unsinnlich? Unweiblich?
Ich habe nicht geduscht, denkt sie. Andere Frauen präparieren sich stundenlang, duften nach Erdbeer-, nach Limonenfrische, aber ich kann einen Mann doch nicht einfach mitten in der Arbeit unterbrechen und sagen, ich möchte jetzt duschen. Die Südländer haben es gut mit ihrem Bidet, denkt sie, da kann man sich rasch waschen, vorher und nachher. Ein Mann ist doch kein Hund, dass er meinen Naturgeruch will.
Sie selbst riecht sich gern. Auch ihren scharfen Frauengeruch. Sie schnuppert mit lüsternem Widerwillen an Slipeinlagen, an Tampons und Binden. Das ist pervers, denkt sie, das darf ich keinem Mann erzählen.
Ich sollte nicht denken, während er mich leckt, denkt sie. Aber wie kann ich dieses Denken abstellen, das sich automatisch einschaltet, kaum dass seine Zunge mich berührt?
Ich sollte mich rasieren, denkt sie, so wie es die aktuelle Bettmode verlangt.
Ein einziges Mal hat sie sich die Schamhaare entfernt und sie kam sich kastriert vor. Wie Samson, in dessen Haar seine Kraft steckte. Ich will meine wilden Haare, denkt sie. Aber für einen Mann ist es lästig beim Lecken, mit all dem Gestrüpp im Mund.
Aber wenn er mit meiner Muschi beschäftigt ist, denkt sie, dann bemerkt er wenigstens meine fetten Schenkel nicht, meinen kleinen Busen nicht, dann ist er abgelenkt von mir.
Nein, unangenehm ist es eigentlich nicht, was er da unten macht. Wenn all ihre kreiselnden Gedanken nicht wären, könnte es sogar durchaus angenehm sein. Seine Zunge ist geübt, wie sie sich spitz zwischen all ihre Fältchen schiebt, ihr die winzigsten Ausstülpungen streichelt, sich plötzlich breit in sie hineingräbt und wieder auftaucht, um vibrierendüber sie hinzuschlängeln, dass sie beinahe das Denken vergisst.
Ich muss irgendetwas tun, denkt sie. Ich kann doch nicht einfach langweilig daliegen und ihn machen lassen. Sie drückt seinen Kopf beiseite.
Was ist, fragt er und atmet scharf durch die Nase ein und aus.
Lass, sagt sie und hält ihren Unterarm als Barriere zwischen sich und ihn, das bringt nichts, das hat keinen Sinn.
Er rollt von ihr weg und pult sich ein Schamhaar aus dem Mund.
Sie schiebt entschlossen die flache Hand in seine Boxershorts, sie sucht die Ablenkung von sich selbst. Sein Glied ist schlaff. Er findet mich reizlos, denkt sie, er leckt mich nur aus Höflichkeit. Nun muss sie zeigen, dass sie mehr zu bieten hat als einen behaarten,übelriechenden dickfleischigen Weiberkörper. Sie muss diesen Mann in Stimmung bringen, damit er vor Aufregung nicht