: Jana Voosen
: Zuckerwatte mit Chili Gute-Laune-Geschichten
: dotbooks
: 9783955203344
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 145
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Keine Chance dem Alltagsgrau! Der Gute-Laune-Sammelband »Zuckerwatte mit Chili« von Jana Voosen jetzt als eBook bei dotbooks. Hand aufs Herz: Wir kennen doch alle diese Tage, an denen sich ausgerechnet über unseren Köpfen die Gewitterwolken des Lebens zusammenballen. Nichts ist so lästig wie schlechte Laune ... und so überflüssig, denn mit einer Extraportion Humor scheint sofort wieder die Sonne! Das findet auch Lefty, der sich für einen ganzen Kerl hält und bereitwillig in jedes Abenteuer stürzen würde - dabei allerdings außer Acht lässt, dass er gar kein Mensch ist, sondern ein buntes Ringelsöckchen ... Humorvoll, schlau und mit Schmunzel-Garantie: Jana Voosen erzählt von gutgelaunten Himbeertorten und liebenswerten Rabenmüttern, einem Sommer voller Überraschungen und von Elias, der in alttestamentarischen Zeiten ein super Jobangebot von einem gewissen Noah bekommt - und so eine kleine Sintflut muss ja nun wirklich kein Weltuntergang sein ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der humorvolle Sammelband »Zuckerwatte mit Chili« vereint sieben herrlich verrückte Lese- und Comedy-Highlights der Erfolgsautorin Jana Voosen. Wer liest, hat mehr vom Leben! dotbooks - der eBook-Verlag.

Jana Voosen, geboren 1976, teilte ihren Eltern bereits im Alter von sechs Jahren mit, dass sie entweder Schauspielerin oder Schriftstellerin werden würde. Folgerichtig absolvierte sie später eine Schauspielausbildung in Hamburg und schrieb parallel dazu ihr erstes Buch. Seitdem veröffentlichte sie zahlreiche Romane und Kurzgeschichten, schrieb Bühnenstücke für das Theater und ist immer wieder in TV-Produktionen zu sehen, vom »Tatort« bis zu internationalen Produktionen wie »Homeland«. Bei dotbooks veröffentlichte Jana Voosen »Zuckerwatte mit Chili - Gute-Laune-Geschichten«. Jana Voosen im Internet: www.instagram.com/janavoosen und www.facebook.com/HHJaVoo

Das tapfere Ringelsöckchen


Darf ich mich vorstellen? Ich bin ein blau-grüngestreiftes Ringelsöckchen. Freut mich, dass wir uns kennenlernen! Und bitte keine Scherze darüber, dass man mich auf den ersten Blick für ein Mädchen halten könnte. Ich bin ein ganzer Kerl. Nur eben einer mit bunten Streifen.

Ich wurde zusammen mit meinem Bruder in einem großen Unternehmen hergestellt, auf meiner Lasche steht: Größe 36–38. Aber mein Name ist eigentlich Lefty. Von der Fabrik wurde ich mit all meinen Freunden zusammen in ein Kaufhaus verfrachtet, wo man mich an einem Haken aufhängte. Das klingt vielleicht brutal, aber es ist tatsächlich sehr bequem.

Ich genieße meine neue Umgebung. Righty ist ein verschlossener Zeitgenosse, der nicht gerne redet, aber hier habe ich jede Menge Gesellschaft. Ganz entspannt hänge ich so herum, plaudere mit den anderen Socken und betrachte die vorübereilenden Kunden. Von mir aus könnte es ewig so weitergehen. Von Zeit zu Zeit erinnert mich mein Bruder daran, dass wir nicht ewig auf der faulen Wolle liegen können, aber daran will ich im Moment noch nicht denken.

Gerade bin ich mitten in einem aufregenden Flirt mit der schwarzen Netzstrumpfhose von gegenüber, als eine Hand nach mir greift und mit derbem Griff meinen Körper befühlt. Mir schwant Böses. Diese Frau hat große Hände.Sehr große Hände. Wie kann sie denken, dass ich winziges, zartes Ringelsöckchen ihr passen könnte. Ich werfe einen verstohlenen Blick zu Boden und sehe einen ausgelatschten, roten Pump, der verzweifelt ächzend zu mir hochschaut.

»He, du«, rufe ich ihm zu, »was bist du für eine Größe?«

»Ich war mal eine 38«, kommt es weinerlich zurück. »Aber mittlerweile bin ich mindestens eine 40.«

»Oh nein, wie konnte denn das nur passieren«, frage ich mitfühlend, während ich mich den aufdringlichen Fingern zu entziehen versuche.

»Meine Besitzerin möchte sich nicht damit abfinden, dass sie große Füße hat. Als würden sie dadurch schrumpfen, dass sie zu kleine Schuhe trägt«, erklingt es schicksalsergeben zu mir herauf.

Ängstlich schaue ich nach oben in das breite, von dunkelbraunen Haaren umrahmte Gesicht der Frau. Kleine Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn, als hätte sie gerade einen Marathon hinter sich und keinen Einkaufsbummel. Sie wird doch nicht kollabieren? Aber was mich viel mehr beunruhigt, ist der zufriedene, ja wohlwollende Ausdruck in ihren Augen.Nein, bitte nicht, schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel…

… doch zu spät.

In hohem Bogen landen Righty und ich zusammen in dem blauen Plastikeinkaufskorb.

»Das war’s dann wohl«, bemerkt mein Bruder trocken. Jemand, der so schweigsam ist, sollte eigentlich wissen, wann es Zeit ist, den Mund zu halten, oder?

»Hey, guten Tag«, zwitschert es fröhlich neben uns. Die Tagescreme von Bebe mit Lichtschutzfaktor 6 stupst mir freundschaftlich in die Seite. »Jetzt geht es los. Ist das nicht megaspannend«, plappert sie aufgeregt, doch leider kann ich ihre Begeisterung nicht teilen. Stattdessen mustere ich sie kritisch.Die Pflege für junge Haut steht auf ihrer Verpackung. Auch wenn ich vor dem Abflug nur einen flüchtigen Blick auf unsere Käuferin erhaschen konnte, so war sie doch eins bestimmt nicht: jung. Aber schließlich hat sie ja auch nicht Schuhgröße 36 bis 38. Resigniert starre ich vor mich hin und versuche, das gutgelaunte Trällern der Cremetube zu ignorieren.

»Wir gehen auf große Fahrt, große Fahrt, wir gehen auf große Fahrt, grooooooooße Faaaaaaaahrt!«

»Righty, ich habe Angst«, flüstere ich meinem Bruder zu, aber außer einem »Klappe, Lefty, stell dich nicht so an« kommt von ihm nichts zurück.

Verärgert halte ich meinen Mund und frage mich, wie zwei Socken sich so ähnlich sehen und doch so verschieden sein können. Er ist wortkarg, rational, einfach durch und durch nüchtern. Ganz anders ich: verträumt, sensibel und redselig.

»Ojeeee, ojeojeoje«, ertönt ein Wimmern von der anderen Seite des Korbes, und ich sehe neugierig hinüber. Dort, fast völlig verdeckt von einer hochnäsigen Zeitschrift mit