: Sigrid Lenz
: Der Duft der Omega-Wölfe
: dead soft Verlag
: 9783944737430
: 1
: CHF 5.40
:
: Fantasy
: German
: 316
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie nennen sich 'Wölfe', sind aber eine genetisch veränderte Form der menschlichen Spezies, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Einer von ihnen ist Vernon, ein geborener Alpha und kommender Anführer seines Klans. Doch er scheint anders als andere Alphas. Als ihm der junge Dariel begegnet, fühlt er sich spontan zu ihm hingezogen. Nur, Dariel ist ein Omega und gehört somit zum Abschaum der Gesellschaft der Wölfe. Omegas werden versklavt, sexuell ausgebeutet und in einigen Klans sogar getötet. Doch Dariel geht Vernon nicht mehr aus dem Kopf ...

Kapitel 1


 

Vernon wusste allesüber das Rudel, auch dass sich in seinem Omegas befanden. Sein Vater Viktor leitete die Geschicke des Klans, der sich zwischen Meer und Gebirge in den weiten Landstrichen angesiedelt hatte. Vor langer Zeit und aufgrund des Mangels an Bodenschätzen war das Gebiet erschwinglich und sein Urgroßvater einer der ersten Wölfe gewesen, der die Notwendigkeit erkannt hatte, sich um eigenes Land zu kümmern.

Auch das hatte Vernon früh gelernt. Es war seine Pflicht, Bescheid zu wissen, sollte er doch eines Tages Viktors Platz einnehmen. Die Hierarchie war in diesem Punkt eindeutig, Ausnahmen eher Seltenheit. Hatte eine Familie sich den Status des Klan-Alphas erkämpft, gab sie ihn nicht wieder auf. Nicht freiwillig zumindest.

 

Die Omegas, die Vernon kannte, warenälter. Manche lebten außerhalb oder am Rand des Klan-Gebietes. Manche in einem Haushalt. Offiziell als Hilfe, als Angestellte des Alphas oder Betas, inoffiziell als Besitz desselben. Die Meinung, dieüber sie herrschte, war nie gut gewesen, verschlechterte sich jedoch zusehends, während Vernon aufwuchs.

Sie nicht zu beachten lag nahe, ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken, warüblich. Ein Junge wie er hatte ausreichend Pflichten, kam nicht auf den Gedanken, sich neuen Aufgabenfeldern zuzuwenden. Dennoch fiel ihm auf, dass in der Zeit, in der seine Pubertät einsetzte, in der seine Mutter ihn umarmte, sein Vater ihm stolz auf die Schulter klopfte und in die Gesellschaft erwachsener Wölfe, seiner Freunde und Kollegen einführte, viele seiner Mitschüler begannen, ihre Köpfe, ob bewusst oder unbewusst, demütig zu senken, wenn er sie anblickte.

Manchmal merkte er es, spürte den Beta in ihnen, ohne es sich erklären zu können. Und dann gab es andere, die an einem Tag noch neben ihm die Schule besucht hatten, und am nächsten wurde ihr Spind ausgeräumt. Keinen von ihnen sah er je wieder und auf seine Fragen wurde meist ausweichend geantwortet.

Der Hausmeister der Schule, ein alter Beta, wurde redselig, nachdem Vernon ihm eine Flasche Schnaps aus der wohlbestückten Bar seines Vaters stibitzt hatte.

„Omega-Kinder“, räsonierte er abfällig, seine Worte schleppend.„Ist doch nichts Neues. Nicht wirklich. Die wissen das doch vorher. Wissen, dass es unvermeidlich ist. Meine Eltern wussten auch, dass ich Beta bin. Man kann sowas bestimmen lassen, weißt du?“ Er grinste Vernon an, zeigte hässliche Zähne.„Aber was soll ich sagen, kostet natürlich, ist nicht hundertprozentig sicher und so. Und die haben nun mal kein Geld, hatten sie nie. Woher auch, können nicht arbeiten. Nicht so wie wir.“ Er nahm einen weiteren Schluck.„Wenn auch nur die Chance bestanden hätte, dass ich Alpha bin, wäre ich weiter auf die Schule gegangen, und dann zur Uni. Gut genug war ich. Aber was soll's? Bringt ja nichts.“ Er schüttelte den Kopf, schnaubte.

Vernon sah ihn interessiert an. Jemanden, einen Beta, in betrunkenem Zustand zu beobachten, herauszufinden, was der für gewöhnlich zu verbergen wusste, stellte sich als faszinierende Beschäftigung heraus.

Der Hausmeister blinzelte ihn von der Seite an, bevor er die Flasche erneut ansetzte.

„Aber was weißt du schon?“, brummte er.„Sowas von durch und durch Alpha, das riecht man schon von Weitem. Ich wette, in deiner Familie achtete man sehr auf Reinblütigkeit. Um eines Tages sowas wie dich zu zeugen. Einen Wolf, der besser ist, als alle anderen.“ Er schnaubte und Vernon hob seine Augenbrauen.„Das habe ich noch nie gehört“, erwiderte er und legte den Kopf schief.„Ich glaube auch nicht, dass es so war.“

„Ach nee.“ Der Hausmeister rülpste, hielt sich gleich darauf die Hand vor den Mund und wich nervös Vernons Blick aus. Dann deutete er auf das Feuer, das munter vor sich hin brannte.„Was denkst du, was ich hier mache?“

Vernon zuckte mit den Schultern.„Genau das würde ich gerne wissen“, gab er zu.

Der Hausmeister lachte, sah sich um, zuckte mit den Schultern, bevor er erneut trank und sich Lippen und Kinn abwischte.„Warum auch nicht“, murmelte er mehr zu sich selbst.„Ist nicht so, als hätte jemand ausdrücklich verboten, darüber zu sprechen.“

Er nahm eines der Hefte von dem Stapel neben der Tonne, blätterte es auf, zeigte sorgfältig mit Füllfederhalter gezeichnete Diagramme und Gleichungen.„Omega“, sagte er abfällig.„Sie bemühen sich vielleicht, aber letztendlich können sie nur kopieren und vortäuschen. Wie schon gesagt, meiner Meinung nach, sollte man sie gar nicht e