: Gisbert Haefs
: Perry Rhodan 2289: Der eiserne Finger Gottes Perry Rhodan-Zyklus 'Der Sternenozean'
: Perry Rhodan digital
: 9783845322889
: Perry Rhodan-Erstauflage
: 1
: CHF 2.20
:
: Science Fiction
: German
: 64
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie kämpfen für die geistige Freiheit - das Eisenbuch wird gesucht Die Bewohner der Erde leben unter der neu errichteten Herrschaft des angeblichen Gottes Gon-O, der aus der Verbindung eines wahnsinnigen Nocturnenstocks mit einem unsterblichen Kunstgeschöpf entstanden ist. Gon-O giert nach ARCHETIM, dem seit mehr als 20 Jahrmillionen in der Sonne existierenden 'Leichnam' einer mächtigen Superintelligenz. In einer Verzweiflungstat opfern sich Myles Kantor und sein Wissenschaftler-Team, um den drohenden Untergang des gesamten Solsystems aufzuhalten. Am Entstehungsort des 'Gottes', in der Großen Magellanschen Wolke, weiß die terranische Expedition unter Malcolm S. Daellians Leitung nichts von diesen dramatischen Ereignissen. Die Terraner an Bord der RICHARD BURTON mussten zuletzt sogar vor den überlegenen militärischen Kräften des Gegners fliehen. Ihr Ziel bleibt allerdings, das Übel an der Wurzel auszurotten: Die Vernichtung des Nocturnenstocks Satrugar, der das Zentrum von Gon-Os Wahn darstellt, scheint derzeit die einzige Herangehensweise zu sein. Während die RICHARD BURTON zwischen fremden Sternen kreuzt, spielen sich auf einem vergleichsweise unbedeutenden Planeten Dramen ab, die mit einem Artefakt in besonderem Zusammenhang stehen: Es ist DER EISERNE FINGER GOTTES...

... bessere Fertigung von (unverständlich) könnte helfen. Ob es je möglich sein wird, auf dieser Kugel einen Flatterkarren (?) zu basteln, der zwischen den oberen Lampen fahren kann, ist aber zweifelhaft. Der nisako jelubar (?) sagt, Eisen-Eisen und (klebrige biegsame Stoffe?) seien dazu nötig, und um so etwas zu bauen, müssten Jahrtausende der Entwicklung einer geziemenden argitzal (?) geschehen.

Aus dem EISENBUCH, Kapitel 2

 

1.

 

In der Nacht hatte es geregnet. Wie von den Mond-Deutern vorhergesagt: Der Mond Xirth am Ostrand des Sternbilds Großes Flaumfell bedeutet göttliches Wohlwollen, vielleicht als Regen. Hier und da gab es winzige grüne Flecken im versengten Gras, und die eingerollten Blätter der Tuluz-Sträucher begannen sich zuöffnen und sonderten Duft ab.

Tum-Tawalik schloss das Tor hinter sich. Diesmal hockten keine Bettler an der Mauer. Er prüfte die Klappe vor der Zisterne; sie ließ sich einwandfrei bewegen, und auch der Lederbeutel, mit denen die Armen Wasser schöpfen konnten, war ordentlich am Seil befestigt.

Nach dem Regen hatte sich dieübliche Dunstkuppel noch nicht wiederüber Grachtovan aufgebaut. Wie ein riesiger Teich lag die Hauptstadt des Gottesreichs da: Reihen und Kreise dicht gedrängter Häuser und Hütten, wie Wellen, ausgelöst durch den riesigen schwarzen Finger Gottes in der Mitte.Kräuselwellen eines Lebenstümpels, dachte Tum-Tawalik,Wohnmorast. So hatte es ein wandernder Sänger beschrieben. Lange her; was wohl aus ihm geworden war?

Die Priester hatten ihm damals befohlen, die Stadt schnell zu verlassen. Aufrührerisch und lästerlich seien seine Lieder. Immerhin hatten sie ihn nicht gleich verurteilt und verbrannt. Finstere Männer in finsteren Gewändern in finsteren Gebäuden. Wie eine Insel in dem»Lebenstümpel« ragte das Labyrinth Gottes auf, mitten in Grachtovan: der hohe, spitze Finger Gottes aus unvorstellbaren Eisenmengen, daneben die verschachtelten, verwinkelten Sammelräume, Gebetskuppeln, Denkdome, Wohnhäuser und Verliese, alle zusammen»Grache« genannt. Schwarz auch unter dem rötlichen Gleißen von Dyon, der Sonne, an diesem Tag. Tum-Tawalik, der nur einen ledernen Leibschurz trug, hoffte, dass die Mond-Deuter und die anderen Priester in ihren düsteren Tüchern schwitzten.

Als er den klagenden Schrei eines Losso hörte, blickte er auf. Der dreieckige Raubgleiter schwebteüber der Stadt. Plötzlich zog er sich zu einem Ball zusammen und stürzte hinab. Wahrscheinlich hatte er ein kleines Beutetier gesehen. Ratten und Mäuse und die sechsbeinigen Tempeltorger gab es reichlich.

Der Sklave Reshaq wartete im Schatten. Tum rückte die große Korbtasche zurecht, die erüber der Schulter trug, und zupfte an seinem Gürtel. Der Beutel mit den Münzen klirrte leise, und der Griff des Messers drückte sich ein wenig in den Bauchpelz. Beruhigend. Ein schöner klarer Tag, und da es geregnet hatte, würden sich die Armen, die Bettler, die Streuner um die wenigenöffentlichen Zisternen drängen. Trotzdem– für den Knecht eines Reichen war es nicht ratsam, unbewaffnet auf den Markt zu gehen. In den Tümpel, den Lebensmorast.

Noch ein paar Stunden, sagte er sich; spätestens am Nachmittag würde alles wieder so dunstig sein wie gewöhnlich. Der beginnende Westwind, den er auf dem Fell spürte, brachte feinen Sand und Staub aus den Wüsten. Weit jenseits der Stadt,über den kahlen Gorissan-Bergen, stiegen die Rauchsäulen der Erzschmelzen in den rötlichen Himmel. Sand, Rauch und die Ausdünstungen der Stadt mit ihren hunderttausend Menschen würden bald die Kuppel wieder errichten, die die Sterne verbarg und neben Dyon nur die hellsten der sieben Mondeübrig ließ.

»Was haben wir zu besorgen?« Reshaq, der ebenfalls eine Korbtasche trug, blickte von seinem Fuß auf. Die scharfe Kante des Schattens schien die vier Zehen vom dunklen Rest zu schneiden. Mit der zu lange nicht gestutzten Kralle des zweiten Zehs begann er im trockenen Gras zu scharren.

»Alles für das große Fest morgen«, sagte Tum.»Und ein paar andere Dinge.«

»Für das Fest? Das können wir aber gar nicht alles tragen.«

»Wir werden ein paar Träger mieten.«

Die verschränkten, verflochtenen Zweige der Zezo-Bäume sorgten dafür, dass die Reichen, die um den Hügel herum wohnten, der sengenden Sonne nicht unmittelbar ausgesetzt waren– wenn sie die eigenen Beine statt einer Sänfte benutzten. Diesen Vorzug genossen oft auch Bettler, die sich in den Schatten flüchteten, bis herbeigerufene Büttel sie vertrieben. Aber an diesem Morgen waren Tum und Reshaq allein.

Es gab wirklich sehr viel zu besorgen.»Hier ist ein Blatt mit den nötigen Dingen, Tum«, hatte der Herr gesagt.»Gehe Er und beschaffe alles.«

Er. Tum grinste vor sich hin. Wenn der edle Geon-Durn von Taraon schlecht gelaunt war, redete er seinen Knecht so an. Oder wenn Tum ihn durch irgendetwas verärgert hatte. Oder wenn der Herr lange ungestört sein wollte.

An diesem Morgen war der Herr heiter gewesen, und Tum-Tawalik hatte ihn nicht verärgert. Er konnte also davon ausgehen, dass der Edle von Taraon sich ausgiebig mit seinen merkwürdigen Geräten und Berechnungen befassen wollte, oben im Haus, in den Werkräumen. Oder mit den anderen Zerstreuungen, im Keller. Unter den Knechten, Mägden und Sklaven war Tum der Einzige, der ihn dabei stören durfte. Abgesehen von Hy'valanna natürlich, aber an die wollte Tum nun nicht denken.

 

*

 

Auf dem Markt herrschte dasübliche Gedräng