Erstes Kapitel
Sein dunkles Haar glänzte in der Sonne, als er sich zu ihr umdrehte und ihre Hand ergriff.
»Ich liebe dich, Suzie. Ich habe dich von dem Augenblick an geliebt, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Willst du mich heiraten?«
Suzie schaute in Richs hübsches Gesicht. Es verschlug ihr die Sprache.
»Suzie?«, flüsterte er und steckte ihr einen funkelnden Diamantring an den Finger.»Was sagst du dazu?«
Im ersten Moment fehlten ihr die Worte.
Dann, plötzlich, sprudelten sie nur so aus ihr heraus.
»Dazu sage ich: Du bist ein verlogener, betrügerischer Mistkerl, der es mit Miriam vom Marketing treibt!« Und damit riss sie sich den Ring vom Finger und schleuderte ihn Rich so fest an den Kopf, dass er von seiner Stirn abprallte wie ein Flummi.»Scher dich zum Teufel!«
Argh, nein!
Das sollte sie doch gar nicht sagen!
Entsetzt starre ich auf meinen Computerbildschirm und drücke dann aufLÖSCHEN. Ich halte die Taste gedrückt und sehe zu, wie der Cursor rückwärtsläuft und die Worte verschlingt wie Pac Man, bis alles verschwunden ist.
Und wieder sitze ich da und stiere auf eine leere Seite.
Mist.
Noch im Flanellpyjama hocke ich in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Wobei mein Arbeitszimmer genau genommen nur eine Ecke des Wohnzimmers ist, bestehend aus einem wackligenIKEA-Bücherregal, einem Drucker, dem andauernd die Tinte ausgeht (ständig sind die Kartuschen leer, und haben Sie malgesehen, was die Dinger kosten? Also ehrlich, man könnte meinen, die seien vergoldet), und einer Orchidee – mein kläglicher Versuch, ein wenig hippen Designerchic zu verbreiten. Leider hat das Pflänzchen schon nach kurzer Zeit sämtliche Blüten abgeworfen und ist jetzt nur noch ein nacktesÄstchen, das dürr aus einem Blumentopf ragt.
Komisch, in derElle Decor sehen die immer ganz anders aus.
Ich drücke meine heißgeliebte Wärmflasche fest an die Brust (die blöde Heizung spinnt mal wieder) und schaue ein Weilchen auf eine plötzliche Eingebung hoffend auf den blinkenden Eingabezeiger. Schließlich gebe ich auf und logge mich ins Online-Banking ein, um einen Blick auf meinen heillosüberzogenen Dispo zu werfen.
Und da denken die meisten Leute, Schriftstellerin sei ein glamouröser Beruf.
Wobei, früher hab ich das auch geglaubt.
Jahrelang habe ich tagein, tagaus im Büro gesessen und davon geträumt, einen Roman zu schreiben. Schriftstellerin zu werden. Das wäre ja so aufregend! Ausbrechen aus demöden, engen Städteplanungsbüro und im schicken Designer-Outfit eintauchen in einen schillernden Jetset-Lifestyle (und ganz nebenbei ein paar Bestseller schreiben). Abends dann angesagte Literaturpartys besuchen, bei denen man sich in geistreichen Unterhaltungen und Gratis-Champagner ergeht.
Bis ich mich dann eines Tages tatsächlich hinsetzte und den Roman schrieb, von dem ich die ganze Zeit geredet hatte, einen Vertrag bekam, nach London zog und mir meinen Traum verwirklichte!
Woraufhin ich einsehen musste, dass Schriftstellerin zu sein hauptsächlich bedeutet, selten den Pyjama auszuziehen, viele unnütze Dinge auf eBay zu ersteigern und ständig Selbstgespräche zu führen.
»Wuff …«
Oder sich mit Heathcliff, seines Zeichens Kurzhaardackel, zu unterhalten.
Ein weiteres hohes, schrilles Bellen reißt mich aus meinen Gedanken, und mein Blick geht zu Heathcliff, der sich die Schnauze am Fenster plattdrückt und zähnefletschend die Katze unserer Nachbarin anbellt, seine Erz-Nemesis. Heathcliff leidet unter einer Art Selbstwahrnehmungsstörung, denn er scheint felsenfest davonüberzeugt, ein blutrünstiger Deutscher Schäferhund zu sein. Tatsächlich sieht er eher aus wie ein lustiger Zugluftstopper und legt sich ständig mit anderen Tieren an, die doppelt so groß sind. Selbst die Tigerkatze von nebenan ist größer als er.
»Hey, Kumpel, ignorier sie einfach, die will dich doch bloßärgern.«
Und damit nehme ich den kleinen, wienerwürstchenförmigen Hund auf den Arm und kitzle ihm den Bauch, was er mit fröhlichem Gesichtablecken quittiert. Ich habe ihn aus demörtlichen Tierheim gerettet, wobei ich mich nach allem, was im letzten Jahr passiert ist, inzwischen ernsthaft frage, wer hier eigentlich wen gerettet hat …
Ich lasse Heathcliff vom Arm, w