: Sigrid Lenz
: Unnahbar - Eine Liebe unter Frauen
: Club der Sinne
: 9783955270902
: 1
: CHF 3.10
:
: Erzählende Literatur
: German
: 160
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
Eine lesbische Liebesgeschichte, deren Protagonistinnen gezwungen sind, sich ihren seelischen Abgründen ebenso wie ihrer Vergangenheit zu stellen. Einer Vergangenheit, die sich in fataler Weise auf die Gegenwart auszuwirken droht...

Sigrid Lenz wurde 1968 geboren und verbrachte beinahe ihr ganzes Leben in Bayern. Nach dem Abitur und den darauffolgenden unterschiedlichen Betätigungsfeldern und Ausbildungen kristallisierte sich für sie das Schreiben als Möglichkeit heraus, Freude, Trost und Stärke zu finden und weiterzugeben. Ihr besonderes Interesse gilt dem Film und dem Fernsehen, weshalb sie über den Umweg der Slash Fiction zum Verfassen von Geschichten gelangte, die neben Romantik, Erotik und mystischen Elementen auch hin und wieder Abgründe der menschlichen Seele aufzeichnen. Besuchen Sie die Autorin auf www.sigridlenz.de Im Club der Sinne erschienen: 'Unnahbar - Eine Liebe unter Frauen' 'Dem Verlangen ausgeliefert'

Amelia setzte sich auf ihren Stuhl, starrte auf den schwarzen Monitor. Sie brauchte diesen Augenblick. Mochte Felice denken, dass sie arbeite. Denn das war es doch, was sie sich wohl wünschte. Jemand, der da war, aber sie nicht einschränkte. Jemand, der ihr Gesellschaft leistete, doch ohne etwas zu erwarten, ohne eine Verhandlung, ohne Druck. Amelia seufzte. War sie wirklich schon so sehr wie ihre Großmutter? Und doch hatte Felice behauptet, sie sei nicht alt. Amelia lächelte traurig. In ihrer Seele war sie ein Urgestein, ein Dinosaurier, der schon lange nicht mehr auf Erden wandeln sollte.

Gertrude war munterer und lebenslustiger gewesen, als sie sich jemals gefühlt hatte. Und nun kam sie sich vor, wie eine Vermieterin… Nein, wie eine alte Dame, die einer Gesellschafterin bedurfte, einer jungen Frau, die sie unterhielt, damit sie nicht vollkommen vereinsamte. Amelia schüttelte den Kopf. Nur, dass sie sich bereits im dritten Jahrtausend befanden. Heutzutage gab es keine Grenzen mehr, schon gar nicht für alleinstehende Frauen. Wenn sie wollte, könnte sie Tag für Tag durch die Bars tingeln und jeden Tag eine andere mit nach Hause nehmen. Nur, dass Amelia niemals auch nur mit dem Gedanken gespielt hätte. Früher vielleicht noch, aber nun bereits lange nicht mehr.

Jedoch, vielleicht hatte Felice recht. Vielleicht war sie noch nicht so alt, wie es ihr vorkam. Vielleicht war ihr Leben doch noch nicht gelebt, vielleicht wurde es langsam Zeit, nach vorne zu sehen.

Das Telefon schrillte. Ein seltener Ton in diesem ruhigen Haus.

Amelia schrak zusammen, zögerte, doch ging dann rasch in den Korridor, hob den Hörer ab. „Ja?“

Sie war zu müde, sich mit einer höflichen Vorstellungsfloskel aufzuhalten. Ihr einziger Gedanke bestand darin, ein berufliches Drama auszuschließen, das nur vielleicht am anderen Ende der Leitung auf sie wartete. Ob es sich um einen ähnlich gelagerten Fall handelte, konnte sie nicht ausmachen, denn eine raue Stimme antwortete ihr sofort mit einem Befehl.

„Sagen Sie Miss Carlyle, dass sie sich umgehend am Treffpunkt einzufinden hat. Es gibt wichtige Anhaltspunkte, die persönlich übermittelt werden müssen.“

„Wie bitte?“ Amelia hielt den Hörer einen Moment zweifelnd vor sich in der Hand, bevor sie ihn wieder ans Ohr nahm.

„Wer spricht denn dort?