3
Der bittere Geruch von Filterkaffee erfüllte den Besprechungsraum im fünften Stock. Eine Wand bestand ganz aus Glas, mit einer Doppeltür an einem Ende, die auf den Balkon hinausführte; die andere war mit vollgekritzelten Flipcharts und Whiteboards zugestellt.
Sabir fummelte seine Burger-King-Tüte auf und fischte eine Handvoll Pommes heraus, während er über den beigen Teppichboden stapfte. Ich folgte ihm.
Am anderen Ende des Raums hockten zwei Männer und zwei Frauen auf den Tischkanten um einen untersetzten Mann herum, dessen rote, mit Grau durchsetzte Haare ein tief gefurchtes Gesicht rahmten: Detective Chief Superintendent Dickie. Er wies mit dem Daumen auf das nächststehende Whiteboard. »Aye, und achten Sie diesmal darauf, dass SiesämtlicheÜberwachungsvideos einziehen, die es gibt, Maggie. Lassen Sie sich von den Burschen nicht abspeisen; das ganze Material müsste noch archiviert sein.«
Eine der Frauen nickte; die zu einem nüchternen Bob geschnittenen Haare fielen ihr dabei in das lange, dünne Gesicht. »Ja, Chief.« Sie schrieb etwas in ein Notizbuch.
DCS Dickie lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und lächelte einen Muskelberg mit fliehendem Kinn an. »Byron?«
»Ja, also …« Der hünenhafte Sergeant rückte seine Nickelbrille zurecht. »Als Helen letztes Jahr verschwand, befragte die Tayside Police alle ihre Freunde und Klassenkameradensowie sämtliche Mitarbeiter des Friseursalons, in dem sie samstags jobbte. Niemand hatte irgendetwas gesehen. Relativ stabile Familienverhältnisse, wollte später Jura studieren. Kein fester Freund. Hobbys: Rennmäuse, Lady Gaga und Lesen.« Er drehte sich um und deutete auf eine Pinnwand mit rund dreißig Porträtfotos von jungen Mädchen, allesamt innerhalb des vergangenen Jahres als vermisst gemeldet – kurz vor ihrem dreizehnten Geburtstag.
Auch Rebeccas Bild hatte einmal dort gehangen …
Eines der Fotos war mit einem roten Rahmen versehen – ein Stoffband, befestigt mit Reißzwecken. Das musste Helen McMillan sein: Haare wie poliertes Kupfer, breites Grinsen, weiße Bluse und eine Krawatte, die nach Schuluniform aussah.
Byrons Miene war nachdenklich. »Laut Bremner betrug ihre Übereinstimmung mit dem Opferprofil nur fünfundzwanzig Prozent.«
DS Gillis, der auf der anderen Seite saß, fuhr sich mit derHand über seinen brustlangen Wikingerbart. Die langen blonden Locken hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sein Akzent klang nach Edinburgh-Morningside, seine knarzende Stimme nach sechzig Benson& Hedges am Tag. »Soweit uns bekannt ist, hat Helen nie Tagebuch geführt, deshalb wissen wir nicht, ob sie sich an dem Tag, als sie entführt wurde, mit irgendjemandem treffen wollte. Ihrer Mutter hatte sie gesagt, sie wolle am Samstag, nachdem der Friseurladen geschlossen hatte, noch einen Schaufensterbummel machen – sie wünschte sich zum Geburtstag ein neues Handy. Zum letzten Mal gesehen wurde sie, als sie um siebzehn Uhr s