: Pierre Grimbert
: Die Stimme der Ahnen Die Krieger 3 - Roman
: Heyne
: 9783641128043
: Die Krieger-Serie
: 1
: CHF 7.10
:
: Fantasy
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Saga der Krieger geht weiter!
Mit seinen Magiern hat Pierre Grimbert einen Meilenstein in der französischen Fantastik gesetzt. Jetzt begeben sich die Erben seiner Helden in 'Die Krieger' erneut auf die Spuren des größten Rätsels der Welt: Was verbirgt sich hinter den geheimnisvollen Pforten der Insel Ji?

Pierre Grimbert, 1970 in Lille geboren, arbeitete einige Zeit als Bibliothekar, bevor er in Bordeaux Buchwissenschaften und Publizistik studierte. Die 'Magier'-Saga wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem 'Prix Ozone' als bester französischer Fantasy-Roman. Der Autor lebt im Norden Frankreichs.

ERSTES BUCH


DER WISSENDE


Nach dem neunten Dekant war abermals ein Gewitter aufgezogen, und der Regen hatte kurz vor dem Morgengrauen nachgelassen, als hätten die Schrecken der Nacht auch ihn erschöpft. Verstohlen beobachtete Nolan die wenigen Goroner, die so früh schon auf den Beinen waren: fleißige Handwerker, müßige Greise oder zerlumpte Bettler. Viele Passanten trugen schlichte Masken, die ihn unweigerlich an die Angreifer erinnerten, die sie bis auf die Dächer der kaiserlichen Stadt verfolgt hatten, zusammen mit ihrer rätselhaften Kreatur. Der bloße Gedanke an den Kampf jagte ihm einen Schauer über den Rücken, und er betrachtete die Menschen auf den Straßen, als stammten sie aus einer anderen Welt.

Neben ihm stapfte Amanón über das regennasse Pflaster. Wie Nolan selbst hatte er zahllose Schnitte und Prellungen im Gesicht und an den Händen, und an der Stelle, wo Keb ihn mit der Lowa erwischt hatte, verfärbte sich seine Schläfe zu einem ungesunden Gelb. Manó erwähnte den Vorfall mit keinem Wort und beklagte sich nicht, doch die Grimassen, die er bei jeder abrupten Kopfbewegung zog, sprachen Bände. Nolan selbst hatte eine tiefe Schnittwunde am Oberkörper, die sie notdürftig verbunden hatten. Am schlimmsten jedoch hatte es Bowbaq und vor allem Zejabel erwischt.

Obwohl es Nolan schwergefallen war, die bewusstlose Zü mit den anderen allein zu lassen, wäre es ihm nie und nimmer in den Sinn gekommen, Amanón die Hilfe zu verweigern. Nach dem Kampf hatten sich die Erben zwar in Sicherheit bringen können, aber ihre Feinde hatten die Verfolgung vermutlich nicht aufgegeben. So lief er nun mit Amanón zum Hafen, wo dieRubikant vor Anker lag, und sah sich in den schmuddeligen Gassen immer wieder wachsam um. Auch wenn sie davon ausgingen, dass die Gabiere noch an ihrem Platz war, wollten sie sich vergewissern, dass der Hafen nicht bewacht wurde und sich keine Mörder an Deck verbargen.

Im Hafenviertel, in dem vor allem Fischer und einfache Kaufleute wohnten, herrschte um diese Tageszeit bereits reges Treiben. Als sie die Kais erreichten, begriff Nolan, warum alle so früh auf den Beinen waren: Gut ein Drittel der Schiffe war schon zum Auslaufen bereit, und auch auf den übrigen wuselte die Besatzung herum. Ihm fiel ein, dass im Großen Kaiserreich niemand bei Nacht die Flüsse befuhr. Die Kapitäne verließen den Hafen erst bei Tagesanbruch und versuchten dann, bis Sonnenuntergang möglichst viele Meilen hinter sich zu bringen.

Diesen sonderbaren Brauch, der auf einen alten Aberglauben zurückging, hatten die Erben in der vergangenen Nacht immer wieder verflucht. Nachdem sie die Unbekannten und ihre schauderhafte Kreatur bezwungen hatten, wären sie am liebsten sofort zum Hafen gerannt und aus der Stadt geflohen. Doch da dieRubikant um diese Zeit nicht auslaufen konnte, ohne Aufsehen zu erregen, und sie Bowbaq und Zejabel auch nicht den weiten Weg bis zum Hafen hätten tragen können