Himmelfahrt Kommissarin Mylona ermittelt auf Zakynthos
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Antonia Pauly
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Himmelfahrt Kommissarin Mylona ermittelt auf Zakynthos
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Größenwahn Verlag
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9783942223379
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1
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CHF 8.90
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Krimis, Thriller, Spionage
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German
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202
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Wasserzeichen
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
Kommissarin Mylona ist dem brutalen Arbeitsalltag bei der deutschen Polizei entflohen und hat eine Stelle auf der griechischen Ferieninsel Zakynthos angenommen. Doch dann wird ein Hotelier grausam ermordet. Eleni Mylonas erster Fall wird sich als alles andere als ein leichter Einstieg erweisen. Täter und Motiv sind weit und breit nicht in Sicht und in der dominierenden griechischen Männerwelt muss eine alleinstehende Frau sich erst einmal durchkämpfen. Einige Verbündete machen ihr das Leben leichter: Der Tavernen-besitzer am Hafen ist immer über das Ortsgeschehen informiert, ein französische Schriftsteller ist bereit, ihr die Sehenswürdigkeiten der Insel zu zeigen und Elenis Vermieter kennt sich bestens in der griechischen Mythologie aus. Aber zwischen modernen Hotelanlagen, den weiten Stränden am smaragdgrünen Meer und Umweltaktivisten zum Schutz der bedrohten Caretta-Caretta-Schildkröte läuft ein Mörder herum. Der Sommer geht in den Herbst über und die Tage bringen neben Regen auch erste Erkenntnisse. Kann ein zweiter Mord endgültig Licht in die Sache bringen?
Antonia Pauly studierte Klassische Archäologie, Byzantinistik sowie Vor- und Frühgeschichte in Würzburg und promovierte mit einer Arbeit über Schildkröten in der Antike. Sie arbeitete für das Erzbistum Köln und für das Rheinische Landesmuseum in Bonn. Seit 2000 ist sie als Schriftstellerin, freie Texterin und Journalistin tätig. Veröffentlichungen: 'Zimmer mit Meerblick', Episodenroman, A. v. Goethe Vlg., Frankfurt / 2007; 'Der Büttel zu Cöln', historischer Roman, Emons Vlg., Köln / 2008; 'Tod auf dem Mühlenschiff', historischer Kriminalroman, Emons Vlg., Köln / 2009; 'Himmelfahrt - Kommissarin Mylona ermittelt auf Zakynthos', Größenwahn Verlag, Frankfurt / 2012. 'Entspannung - Kommissarin Mylona und die Gefahren des Yoga', Größenwahn Verlag, Frankfurt / 2013.
Die Landschaft saust vorüber. Hellbraun in hellbraun mit graustaubigen Oliven- und Mandelbäumen. Wo die zentrale Ebene der ionischen Insel vor einigen Monaten noch von Wiesen in üppigem Wuchs bedeckt gewesen ist, liegen nun kahle Flächen rissigen Erdreichs. Die Trockenheit der Sommermonate hat wieder einmal jegliches Grün vom Antlitz der Insel Zakynthos getilgt.
"Du brauchst nicht so zu rasen, Nionio", weist Kommissarin Eleni Mylona ihren Inspektor an."Der läuft uns bestimmt nicht mehr weg." Sie räuspert sich."Ist bestimmt ziemlich hässlich, was uns erwartet!" Ein kurzer Blick auf den jungen Mann am Steuer hat ihr gezeigt, dass sie wohl nicht den richtigen Ton getroffen hatte. Nionio war bei ihren Worten kurz, aber merklich zusammengezuckt.
Durch die heruntergelassenen Scheiben des Polizeiwagens sind einzelne weit verstreut liegende Gehöfte zu erkennen, vor denen Hofhunde an langen Ketten in der Sonne dösen. Schmutzigweiße Ziegen stehen am Straßenrand und knabbern knisternde Blättchen von dürren Büschen.
"Dein erster Toter?", hakt Eleni vorsichtig nach. Für sie gehörten Fahrten zu Leichenfundorten viele Jahre lang zum Arbeitsalltag. Eigentlich hat sie hier auf Zakynthos all die brutalen Verbrechen, mit denen sie ihre Tätigkeit bei der Kölner Polizei konfrontiert hat, hinter sich lassen wollen. Bei dem gerade mal 28-jährigen Inspektor, der noch vor wenigen Monaten seinen Dienst als Streifenpolizist bei der Abteilung Verkehr versehen hat, konnte man eine solche Berufsroutine kaum voraussetzen.
"Wow! Nein, ganz und gar nicht", erwidert er übertrieben lässig. Nionio Spirakis hat sich bereits wieder gefangen. Nur das schnellere Kauen seines Kaugummis verrät seine Nervosität."Ich habe schon einige Leichen gesehen", fügt er hinzu."Weißt du eigentlich, wie viele Verkehrstote wir hier jeden Sommer haben?"
Eleni fährt sich kurz durch ihre dunklen Locken.
"Dieses Mal geht es aber nicht um einen Verkehrsunfall", betont sie langsam."So wie es aussieht, haben wir es heute mit einem Mord- oder Totschlagsopfer zu tun." Sie versucht hinter der coolen, sonnenbebrillten Fassade ihres jungen Kollegen irgendeine Reaktion auszumachen.
"Schon klar", winkt dieser ab, während er seinen Kaugummi noch etwas hektischer bearbeitet."Soll ich das Blaulicht rausstellen?", fragt er kurz darauf grinsend.
"Ganz gewiss nicht", wehrt die Kommissarin ab, obwohl sie gerade denselben Gedanken hatte - und sei es nur, um an diesem unsäglichen, mit Sand beladenen Lkw vorbeizukommen, der sich aus einer Einfahrt direkt vor ihnen in den Verkehrsfluss eingefädelt hat."Dazu besteht überhaupt kein Anlass. Es ist ja schließlich keine Gefahr im Verzug. Außerdem sind Doktor Xenakis und Inspektor Gamiras bereits am Tatort."
"Yeah, Gamiras!", schnaubt Nionio verächtlich und wirft seiner Vorgesetzten aus seinen blauen Augen einen verschwörerischen Blick über den Rand seiner Sonnenbrille zu.
"Wie ich unseren lieben Mitarbeiter kenne, hat er alles bestens unter Kontrolle." Mit der ironischen Bemerkung spielt Eleni auf die oftmals übertriebene Dienstbeflissenheit des zweiten ihr untergebenen Inspektors an. Jedes Mal, wenn sie an ihn denkt oder mit ihm zusammentrifft, überkommt sie ein leichtes Unwohlsein. Genau kann sie dieses Gefühl noch nicht einordnen, aber irgendetwas an dem knapp zehn Jahre älteren Beamten stört sie. Umgekehrt ist es nicht zu übersehen, dass auch Nionio Gamiras sich mit seiner neuen Vorgesetzten ziemlich schwer tut.