Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen: Der GER im Überblick
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Kai Hilpisch
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Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen: Der GER im Überblick
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Diplomica Verlag GmbH
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9783842832619
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1
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CHF 27.10
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Kulturgeschichte
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German
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92
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kein Kopierschutz/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Der 'Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen: Lernen, lehren, beurteilen' (kurz GER) hat seit seiner Veröffentlichung durch den Europarat großen Einfluss auf alle Felder des Sprachenlernens und -lehrens gehabt. Insbesondere die gemeinsamen Referenzniveaus und die KANN-Skalen, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurden, haben sich als wertvolles Instrument zur Beschreibung sprachlicher Fertigkeiten etabliert - in Europa und weltweit. Doch auch darüber hinaus beinhaltet das teilweise durchaus als 'unübersichtlich' zu beschreibende Dokument viele Anregungen und interessante Perspektiven für modernes Sprachenlernen. Der GER versucht, ein universell einsetzbares Werkzeug in allen Bereichen des institutionellen und individuellen Sprachenlernens und -lehrens zu sein, was zugleich seine größte Stärke und gefährlichste Schwäche ist: Kann ein Dokument von 250 Seiten derart umfassend sein, wie es verspricht? Oder liegt gerade in der Kürze das Geheimnis des Erfolges? Dieses Buch bietet in komprimierter Form einen Überblick über die (Entstehungs-)Geschichte des GER, seine Rolle beim lebenslangen Lernen und über seine (teils wenig bekannten) Inhalte abseits der weit verbreiteten Niveaustufen. Es werden zahlreiche Anwendungsfelder unter Verwendung von Beispielen beschrieben und außerdem untersucht, ob der GER die hohen, selbstgestellten Ansprüche erfüllt - insbesondere, ob die ihm zu Grunde liegenden Annahmen über Sprachverwender Schwachstellen aufweisen. Interessierte Leser erhalten hier einen Überblick der Materie; unabhängig davon, ob sie mit den sprachwissenschaftlichen Hintergründen bereits vertraut sind oder sich lediglich darüber informieren möchten, was für ein Gesamtkonstrukt hinter dem einflussreichen Dokument steht.
Textprobe: Kapitel 4., Der handlungsorientierte Ansatz des GER: 'Ein umfassender, transparenter und kohärenter Referenzrahmen für das Lernen, Lehren und Beurteilen im Sprachenbereich muss von einer sehr umfassenden Sicht von Sprachverwendung und Sprachenlernen ausgehen. Der hier gewählte Ansatz ist im Großen und Ganzen handlungsorientiert, weil er Sprachverwendende und Sprachenlernende vor allem als sozial Handelnde betrachtet, d.h. als Mitglieder einer Gesellschaft, die unter bestimmten Umständen und in spezifischen Umgebungen und Handlungsfeldern kommunikative Aufgaben bewältigen müssen, und zwar nicht nur sprachliche' (Europarat 2001, 21). Damit beginnt das zweite Kapitel des Referenzrahmens, das umfangreich den Ansatz hinter den Überlegungen der Autoren erläutert. Durch die Wahl eines handlungsorientierten Ansatzes distanzieren sich die Autoren deutlich von (heute gemeinhin als veraltetet betrachteten) Vorstellungen des Sprachenlehrens und -lernens, in denen die Perfektion vorwiegend linguistischer Kompetenzen wie Grammatik- und Vokabelkenntnissen sowie der Aussprache im Zentrum standen. Stattdessen herrscht ein pragmatischer Ansatz vor, der Sprachverwendung (einschließlich des Lernens) als 'Handlungen von Menschen [sieht], die als Individuen und gesellschaftlich Handelnde eine Vielzahl von Kompetenzen entwickeln, und zwar allgemeine, besonders aber kommunikative Sprachkompetenzen' (Europarat 2001, 21). Dies kennzeichnet ein kompetenzorientiertes Verständnis von Sprachverwendung (Heyworth 2004, 15). Kompetenzen werden dabei im Sinne als 'die Summe des (deklarativen) Wissens, der (prozeduralen) Fertigkeiten und der persönlichkeitsbezogenen Kompetenzen und allgemeinen kognitiven Fähigkeiten [verstanden], die es einem Menschen erlauben, Handlungen auszuführen' (Europarat 2001, 21). Die kommunikativen Sprachkompetenzen im speziellen 'befähigen Menschen zum Handeln mit Hilfe spezifisch sprachlicher Mittel', während die allgemeinen Kompetenzen explizit 'nicht sprachspezifisch sind' sondern überall eingesetzt werden können (Europarat 2001, 21). Dabei beinhalten die Sprachkompetenzen eine linguistische, eine sozio-linguistische und eine pragmatische Komponente, die miteinander in Verbindung stehen (Europarat 2001, 24). Die Autoren des Referenzrahmens betten ihren handlungsorientierten Ansatz zusätzlich zum eben genannten Kompetenzbegriff in eine Reihe weiterer Begrifflichkeiten ein, von denen einige später noch vorgestellt werden müssen. Im Zusammenhang mit der Handlungsorientierung sticht dabei aber besonders der Begriff der (kommunikativen) Aufgabe heraus - diese 'wird definiert als jede zielgerichtete Handlung, die eine Person für notwendig hält, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen' (Europarat 2001, 22). Mit 'jede zielgerichtete Handlung' meinen die Autoren dann auch wirklich jede, selbst solche, die keine mündliche oder schriftliche Sprachverwendung miteinschließen - als Beispiel führen sie z.B. auch das Umstellen eines Schrankes an. Für die Erfüllung solcher Aufgaben spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle, z.B. der Kontext und auch der Lebensbereich (beides ebenfalls zentrale Begriffe), innerhalb dessen die Aufgabe ausgeführt wird. Die Autoren stellen weiter fest, dass die 'verschiedenen Dimensionen bei der Verwendung von Sprache und beim Sprachenlernen miteinander verknüpft sind' (Europarat 2001, 22). Dies steht aber nicht im Widerspruch zu ausdifferenzierten Zielsetzungen beim Lernen bzw. in der Lehre: Es sei durchaus üblich und auch zweckmäßig, dass Sprachverwender unterschiedliche Schwerpunkte setzen und auch in der Regel nur Teilaspekte de
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen: Der GER im Überblick
1
Inhalt
3
1. Einleitung: Ein Rahmen für ein multikulturelles Europa
5
Abschnitt I: Anspruch
9
2. Die Entstehungsgeschichte des GER
9
2.1 Die Geschichte des Europarates
9
2.2 Entstehung des GER
11
3. Eigenanspruch des Referenzrahmens
12
4. Der handlungsorientierte Ansatz des GER
14
5. Der Mehrsprachigkeitsbegriff
17
6. Zentrale Komponenten für Anwender des Referenzrahmens
18
6.1 Gemeinsame Referenzniveaus
18
6.2 Dimensionen: Kontext und Kategorien der Sprachverwendung
23
6.3 Kompetenzen
26
6.3.1 Allgemeine Kompetenzen
27
6.3.2 Kommunikative Sprachkompetenzen
29
6.4 Vorschläge für die Praxis
32
Abschnitt II: Umsetzung
37
7. Das Europäische Sprachenportfolio und Lernerautonomie
37
7.1 Entwicklung des Portfolios und seine Rolle für die Lernerautonomie
37
7.2 Aufbau und Benutzung des Europäischen Sprachenportfolios
39
8. Perspektiven der Bildungspolitik auf den GER
41
8.1 Bildungspolitischer Umbruch in Polen
41
8.2 Weiterentwicklung in Katalonien
44
9. Lehrwerkentwicklung unter Einfluss des GER
46
10. Der Referenzrahmen und Leistungsmessung
50
10.1 Der Verknüpfungsprozess – Vorschlag des Europarates
51
10.1.1 Arten der Verknüpfung
51
10.1.2 Konzept und Probleme des Verknüpfungsprozesses
52
10.1.3 Die vier Schritte des GER-Verknüpfungsprozesses
53
10.2 Theorie und Praxis: Drei Beispiele für Testentwicklung mit dem GER
56
11. Curriculumentwicklung mit dem GER
61
12. Der Referenzrahmen und Asien
64
64
67
64
13. Ein systematischer Überblick der Kritikpunkte
67
14. Anspruch und Realität: Steckt drin, was draufsteht?
69
14.1 Flexibilität und Multi-Funktionalität versus Vagheit?
69
14.2 Offenheit und Dynamik?
73
14.3 Benutzerfreundlich?
76
14.4 Undogmatisch – Und ohne Fundament?
78
14.5 Umfassend?
80
15. Der Referenzrahmen und die Forschung
82
16. Resümee: Hat der GER seine Ziele erreicht?
83
83
87
83