: Stephanie Marsing
: Elitenwandel in Syrien: Wie Bashar al-Assad sein Image als Reformer verspielte
: Diplomica Verlag GmbH
: 9783842836433
: 1
: CHF 18.00
:
: Vergleichende und internationale Politikwissenschaft
: German
: 136
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Der Ausbruch des arabischen Frühlings hat die arabische Welt in Bewegung versetzt. Diese Region, in der keine Demokratien existieren und in der es bislang auch kaum ernst genommene Anzeichen für Demokratisierungsprozesse gab, erfährt derzeit eine enorme Dynamisierung, in der jahrzehntelange politische Verkrustungen aufgebrochen werden. Vor dem Hintergrund vergleichbarer Missstände in nahezu allen arabischen Ländern nährten die raschen Regimestürze in Tunesien und Ägypten und der damit verbundene Einstieg in einen politischen Transformationsprozess die Hoffnung arabischer Völker auf einen umfassenden politischen Wandel in der ganzen Region und ermutigte vor allem junge Menschen, den Unmut über ihre Lebensbedingungen auf die Straße zu tragen und nicht länger vor der staatlichen Repression zurückzuschrecken. Während aber die Revolten in Tunesien, Ägypten und Libyen letztendlich zu einem Sturz des alten Regimes führten, zeigt sich das Assad-Regime, auch fast ein Jahr nach Ausbruch der Proteste, noch immer resistent gegenüber Massendemonstrationen und bewaffneten Aufständen im eigenen Land sowie gegenüber dem zunehmend steigenden Druck externer Akteure. Diese Studie analysiert die Veränderungen in den internen Herrschaftsstrukturen der syrischen Elite. Im Kern wird dabei auf den Elitenansatz der Transformationstheorie sowie auf das Konzept des Elitenwandels, wie es Volker Perthes für die arabische Welt eingeführt hat, zurückgegriffen. Die Autorin untersucht einerseits die Veränderungen der syrischen Elitenstrukturen unter Bashar al-Assad bis zum Ausbruch der arabischen Revolutionsbewegungen und führt andererseits eine hypothetische Untersuchung der nötigen Voraussetzungen für einen zukünftigen Elitenwandel in Syrien vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen durch. Im Ergebnis wird gezeigt, inwieweit sich die syrischen Herrschaftsstrukturen verändert haben und ob dies für einen Elitenwandel ausreicht.

Stephanie Marsing wurde 1984 in Nürnberg geboren. Parallel zu ihrem Beruf als Beamtin im Bereich der öffentlichen Sicherheit absolvierte sie ein Fernstudium im Master-Studiengang 'Governance' an der Fernuniversität Hagen, das sie im Jahre 2012 mit dem akademischen Grad 'Master of Arts' überaus erfolgreich abschloss. Im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit konnte sie bereits reichlich Erfahrung in Themenbereichen wie der nationalen und internationalen Sicherheitspolitik sammeln. So entwickelte sich auch ihr Interesse an den aktuellen Entwicklungen in der arabischen Welt sowie an den Besonderheiten von Transformationsprozessen in dieser Region.
Textprobe: Kapitel 4, Empirische Analyse Teil II: Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Syrien und der allgemeinen Umbruchstimmung in der arabischen Welt stellt sich nun die Frage, ob der bereits zur Jahrtausendwende erwartete Wandel der streng autoritären Elitenherrschaft in Syrien heute möglich ist. Die gegenwärtige Situation könnte den Syrern die einmalige Chance auf einen 'echten' Elitenwandel eröffnen. Angesichts der ausgeklügelten, von Patronage und Familienbeziehungen durchzogenen, syrischen Machtstrukturen und der fehlenden Präsenz und Organisation einer oppositionellen Parteienlandschaft ist es allerdings fraglich, ob das Land gegenwärtig tatsächlich in der Lage ist, diese - für alle unerwartete - Chance auf einen grundlegenden Elitenwandel zu nutzen. Vor Ausbruch des arabischen Frühlings 2011 verliefen in Syrien alle Ansätze von Protestwellen und Aufständen der Opposition gegen das Regime im Sande. Unter den gegebenen Umständen und angesichts der aktuellen Dynamik der Ereignisse in der arabischen Welt, scheint ein grundlegender Elitenwandel in Syrien - anders als in der Vergangenheit - heute durchaus im Rahmen des Möglichen zu liegen. Dabei stellen sich folgende Fragen: Erfüllen die aktuellen Entwicklungen in Syrien die Grundvoraussetzungen für einen echten Elitenwandel und wie sind die Erfolgsaussichten einer solch tiefgreifenden und lang ersehnten Veränderung einzuschätzen? Wie bereits im Konzeptteil erläutert, wird in diesem zweiten Analyseschritt der hypothetische Ansatz verfolgt, dass die 'Arabellion' der Auslöser für die Einleitung eines grundlegenden Elitenwandels in Syrien sein könnte. Voraussetzung hierfür ist eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zwischen Regime, Opposition, externen Akteuren und der syrischen Bevölkerungsmasse. Diese vier Kategorien werden nun nacheinander anhand der im Konzeptteil ermittelten Indikatoren, welche auf die Einleitung von Veränderungen der machtpolitischen Akteurskonstellation hinweisen, empirisch untersucht. Zuvor wird zum besseren Verständnis der aktuellen Situation ein kurzer Überblick über die Krisenentwicklung in Syrien gegeben. 4.1, Die Syrienkrise im Überblick: 4.1.1, Entwicklung der syrischen Protestbewegung: Zu Beginn des Jahres 2011 fühlte sich das Regime um Bashar al-Assad aus mehreren Gründen noch relativ sicher. Zum einen schien es, als hätte Assad seine anfängliche politische Schwäche als Präsident überwunden und seine eigene machtpolitische Stellung und Popularität sowie die Legitimation seines Regimes gefestigt. Zum anderen dachte das Regime, es könne sich auf das rigide Herrschaftssystem und dessen abschreckende Wirkung verlassen. (vgl. PERTHES 2011, S. 122) In dem berühmt-berüchtigten Zeitungsinterview mit dem Wall Street Journal Ende Januar war sich Assad noch sicher, dass Syrien stabil sei, weil die Politik des Regimes mit den Interessen des syrischen Volks übereinstimme (vgl. WALL STREET JOURNAL 2011). Ideologisch war das Volk, das Jahrzehnte lang durch einen anti-israelischen und panarabischen Diskurs geprägt worden ist, in der Tat näher am Regime als in den pro-westlichen Autokratien unter Ben Ali in Tunesien oder Mubarak in Ägypten. Wieland beschreibt die scheinbare Stabilität in Syrien folgendermaßen: 'President Bashar al-Assad's grip on the Syrian people was seen as particularly effective because there seemed to be enough soft power to keep rulers and ruled on some sort of common ground. Perceived stabilizing factors included the personality of the 45-year-old president himself, a notorious security apparatus, calm and stability inside the country, peaceful coexistence of minorities, a - albeit diminishingly so - tolerable gap between the rich and poor, and, above all, shared ideological assumptions between the regime and the population, including major parts of the domestic opposition. Baathist Syria, as the last pan-Arab mouthpiece and frontline state against Israel, seemed to have enough ideological resources and more political leverage during times of crisis than pro-Western Arab authoritarian regimes. This is why president Bashar al-Assad felt relaxed far too long, although Syria's socio-economic frustrations, extremely poor governance and high levels of repression are comparable to the Arab states in which revolutions have succeeded in toppling the autocrats.' (WIELAND 2011 [2], S. 45) Da in Syrien allerdings die gleichen Missstände und Risse innerhalb der Gesellschaft vorzufinden sind wie in nahezu allen anderen arabischen Staaten, war es auch in Syrien trotz der von Seiten des Regimes propagierten Stabilität nur eine Frage der Zeit, bis der Funke der politisch-sozialen Protestwelle auf das Land überspringt, denn die syrische Gesellschaft trug die 'seeds of explosion' (ABBAS 2005, S. 2) bereits in sich. Das Muster des Aufstands in Syrien ähnelte zunächst den Entwicklungen in Tunesien oder Ägypten. Die Demonstrationen starteten friedlich mit der Teilnahme aller sozialen, kul
Elitenwandel in Syrien: Wie Bashar al-Assad sein Image als Reformer verspielte1
Inhaltsverzeichnis3
1 Einleitung6
1.1 Thema6
1.2 Fragestellung und Vorgehensweise6
1.3 Fallauswahl7
1.4 Forschungstand8
1.4.1 Politischer Wandel in der arabischen Welt8
1.4.2 Transformation ohne Transition9
1.4.3 Elitenwandel im arabischen Raum10
2 Theoretische und konzeptionelle Vorüberlegungen12
2.1 Grundprämisse12
2.2 Definitionen12
2.2.1 Eliten und das Konzept der „Politisch Relevanten Eliten“12
2.2.2 Elitenwandel13
2.3 Hypothesen und Aufbau der empirischen Untersuchung14
2.3.1 Erster Analyseteil14
2.3.2 Zweiter Analyseteil15
2.3.3 Schlussbetrachtung18
2.4 Zeitlicher Rahmen der empirischen Analyse18
2.5 Literatur und Quellenanalyse18
3 Empirische Analyse Teil I22
3.1 Daten und Fakten zu Syrien22
3.2 Politik und Gesellschaft in Syrien22
3.2.1 Das politische System Syriens22
3.2.2 Die syrische Gesellschaft23
3.2.3 Das neopatrimoniale System in Syrien24
3.3 Identifikation und Wandel der politisch relevanten Eliten25
3.3.1 Die Familie al-Assad26
3.3.2 Die Regierung30
3.3.3 Die Baath-Partei32
3.3.4 Der Sicherheitsapparat33
3.3.5 Die Alawiten36
3.3.6 Die „Syrian Computer Society“37
3.3.7 Die Wirtschaft37
3.4 Bewertung der Kriterien eines Elitenwandels in Syrien38
3.4.1 Personeller Wandel38
3.4.2 Institutioneller Wandel42
3.4.3 Wandel im Zugang43
3.4.4 Wandel in der politischen Ausrichtung45
3.4.5 Motive des Wandels48
3.5 Analyseergebnis Teil I49
3.5.1 Zusammenfassung49
3.5.2 Bewertung und Schlussfolgerungen49
4 Empirische Analyse Teil II53
4.1 Die Syrienkrise im Überblick53
4.1.1 Entwicklung der syrischen Protestbewegung53
4.1.2 Konfliktthemen55
4.2 Das Regime55
4.2.1 Reaktion des Regimes auf die Proteste56
4.2.2 Präsident Bashar al-Assads Machtverlust58
4.2.3 Schwächung des Sicherheitsapparates59
4.2.4 Schwächung der übrigen Machtfaktoren des Regimes62
4.2.4.1 Der konfessionelle Machtfaktor62
4.2.5 Zusammenfassung und Bewertung65
4.3 Die Opposition66
4.3.1 Die politische Landkarte der syrischen Opposition67
4.3.2 Die traditionelle politische Opposition68
4.3.3 Neue Aktivisten und lokale Netzwerke71
4.3.4 Organisierter bewaffneter Widerstand72
4.3.5 Neue Organisationsstrukturen der politischen Opposition74
4.3.6 Koordinationsbemühungen der syrischen Opposition77
4.3.7 Zusammenfassung und Bewertung79
4.4 Die Rolle der Massen80
4.4.1 Die allgemeine Bedeutung von Massen80
4.4.2 Die Rolle der syrischen Bevölkerungsmasse80
4.4.3 Zusammenfassung und Bewertung82
4.5 Einflussmöglichkeiten externer Akteure83
4.5.1 Relevante externe Akteure84
4.5.2 Regionale Akteure84
4.5.3 Internationale Akteure88
4.5.4 Sanktionsmaßnahmen91
4.5.5 Militärische Maßnahmen92
4.5.6 Zusammenfassung und Bewertung93
4.6 Aktuelle Entwicklungen95
4.7 Analyseergebnis Teil II96
4.7.1 Zusammenfassung96
4.7.2 Bewertung97
5 Schlussbetrachtung99
5.1 Urteil über die Amtszeit Bashar al-Assads99
5.2 Ausblick100
5.2.1 Szenarien100
5.2.2 Nationaler Dialog als Lösungsansatz100
5.3 Implikationen der Analyseergebnisse für Theorie und Praxis102
5.3.1 Implikationen für Wissenschaft und Forschung102
5.3.2 Implikationen für die politische Praxis103
Abkürzungsverzeichnis105
Literatur- und Quellenverzeichnis106
Abbildungsverzeichnis129