: Arno Strobel
: Das Rachespiel Psychothriller
: S. Fischer Verlag GmbH
: 9783104026398
: 1
: CHF 9.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Erfüllst du deine Aufgabe, kommt er frei. Erfüllst du sie nicht, wird er sterben.« Frank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert. Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten ... »Meisterhaft spielt Arno Strobel mit den Nerven seiner Leser. Hochspannung pur!« Nele Neuhaus zu »Der Sarg« »Arno Strobel gehört zu den besten deutschen Thrillerautoren.« Für Sie

Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller. Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

5


Frank war zu keinem klaren Gedanken fähig, er schüttelte den Kopf, als könne er damit seinen Verstand wachrütteln. In rascher Folge strömten die Bilder auf ihn ein, Bilder aus der Vergangenheit – kindliche Gesichter, die alte Fabrikhalle – das alles lag Jahrzehnte zurück, wurde überlagert von diesem Namen … Dann verschwand die Botschaft auf dem Monitor, für wenige Sekunden war noch das Standbild zu sehen – verdrehte Rattenkörper, die aus dem Käfig quollen, lange, fleischige Schwänze. Dann lief der Film weiter, die Körper trafen auf dem Boden auf, orientierten sich blitzschnell mit kalt glitzernden Augen und rannten dann sofort zu dem nackten Körper des Mannes. Die Hand tauchte wieder auf und öffnete den nächsten Käfig. Und einen weiteren. Der Mann auf dem Boden riss in panischer Angst die Augen auf, sein Mund öffnete sich … Ohne darüber nachzudenken, schaltete Frank mit einem Knopfdruck die Lautsprecher ein, die zu beiden Seiten des Monitors platziert waren, und sofort wurde sein Büro von einer psychedelischen Geräuschkulisse aus tausendfachem Fiepen und dem Trippeln unzähliger kleiner Füße durchdrungen. Die Geräusche wurden im Sekundenintervall unterbrochen von gestammelten Worten des Mannes. »Nein«, wimmerte er. »Bitte nicht. Nein. Bitte …« Trotz des Durcheinanders konnte Frank genau sehen, welche Ratte zuerst zubiss. Als sie ihre Zähne in die Leiste des Mannes grub und eine kleine, blutende Wunde hinterließ, schien sie damit das Startsignal für ihre Artgenossen gegeben zu haben. Wie im Rausch fielen die Tiere über den Mann her, innerhalb weniger Sekunden bedeckte eine Flut schmutzig-pelziger Tiere seinen nackten Körper. Wahnsinnig vor Angst und Schmerzen zerrte der Mann an seinen Fesseln, wand sich, soweit es die Seile zuließen, sein angsterfülltes Gestammel ging in panische, markerschütternde Schreie über. Frank erstarrte. Schnell schaltete er die Lautsprecher aus, war jedoch nicht in der Lage, den Blick von der unfassbaren Szene vor sich auf dem Monitor abzuwenden. Regungslos saß er da und starrte auf das unerträgliche Geschehen, wurde stummer Zeuge, wie Hunderte von Ratten sich in den Körper eines lebendigen Menschen hineinfraßen. Bald waren ihre Felle mit Blut getränkt, und das schien sie noch wilder zu machen. Sie …

»Frank!« Wie in Watte gepackt drang die Stimme seiner Frau zu ihm durch. »Was tust du denn da?« Erschrocken riss er seinen Blick vom Monitor los, wandte sich um und sah Beate im Eingang seines Büros stehen. Sie beugte sich ein wenig zur Seite und versuchte, einen Blick auf den Monitor zu erhaschen, den er mit seinem Oberkörper verdeckte. »Nichts, ich schau mir nur bei YouTube einen Film an«, log er und schaltete hastig erst den Monitor, dann denPC aus. »Über eine neue Software. Bin schon fertig.« Beate runzelte die Stirn. »Schön, wir sind nämlich bald mit dem Frühstück fertig.« Während er aufstand, glitt ihr skeptischer Blick wieder an ihm vorbei auf den nun schwarzen Monitor, und ihm fiel ein, dass Beate wusste, dass dieser Rechner keinen Zugang zum Internet besaß. Offenbar dachte sie in diesem Moment aber nicht daran, denn sie verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen und stemmte die Hände in die Seiten. »Du siehst so aus, als hätte ich dich gerade bei etwas ertappt. Hast du dir etwa gerade einen Porno angesehen?«

»Nein, ähm …«, stammelte Frank. »Nein, keinen … Porno.« Es war ihm unmöglich, den Schock über das, was er gerade gesehen hatte, zu überspielen. Er suchte nach einer einfachen Erklärung, aber ihm fiel nichts ein, was er Beate hätte sagen können. Er schaffte es nicht, einen einzigen k