Die Zeichen der Zeit
Ein Gesprächüber das Sterben in jungen Jahren
Michael sprach oftüber die Kraft der Mysterien. Er zog sich nicht nur wegen seiner Schüchternheit zurück, sondern verfolgte damit eine bestimmte Absicht. Manchmal musste er sich verstecken, sich rarmachen, um dasöffentliche Interesse aufrechtzuerhalten. Omnipräsenz bedeutet in der Welt der Celebrities den Tod. Und so fragte ich ihn…
Shmuley Boteach:Du würdest also sagen, dass die frühe Auflösung der Beatles das Beste war, das ihnen passieren konnte. Genau darum haben sie diese bis heute andauernde Ausstrahlung, weil sie plötzlich– Kabumm– nicht mehr präsent waren und das Publikum nie das Gefühl der Langeweile empfand. Ihre Karriere versandete nicht einfach so.
Michael Jackson:Ja, auch Marilyn Monroe starb früh. Sie wurde nicht alt und hässlich. Für mich liegt darin auch das Geheimnis eines James Dean.
SB:Die Leute sagen aber immer noch:»Ich wünschte, sie wären noch zusammen.«
MJ:Ja, ja.
SB:Und du [als Fan] hältst dann an diesem Wunsch fest, wirst ein Teil davon. DieÖffentlichkeit trägt zu ihrer Popularität bei, weil sie die Beatles unbedingt wieder zurückhaben will.
MJ:Auf jeden Fall. Man würde sich nicht mehr für sie interessieren, wären sie jetzt alt und verschroben.
SB:Michael, besteht für dich darin ein Grund, eines Tages auszusteigen und zu sagen:»Das war’s nun.«
MJ:Ja, ich würde am liebsten irgendwann einfach verschwinden. Die Leute würden mich nicht mehr sehen, und ich könnte mich um die Kinder kümmern, ohne aufzufallen. Der plötzliche Rückzug ist sehr wichtig. Wir sind Menschen, die sich wandeln. Wir brauchen die Veränderung in unserem Leben. In der Natur erleben wir auch Winter, Frühling, Sommer und Herbst.
An diesem Punkt angelangt, fragte ich mich besorgt, was Michael wohl mit dem Begriff»Verschwinden« meint. Sich aus dem Showbusiness zurückzuziehen, ist eine Sache– einen Todeswunsch in sich zu tragen, eine andere. So fragte ich nach…
SB:Okay, du willst aber ein langes und gesundes Leben führen. Du möchtest nicht einfach verschwinden, Gott bewahre,ähnlich den anderen Stars wie zum Beispiel Marilyn Monroe. Du willst doch nicht jung sterben?
MJ:Hm, du stellst eine interessante Frage. Bist du dir sicher, dass du meine Antwort hören willst?
SB:Ja, das bin ich.
MJ:Okay, dann werde ich dir eine ehrliche Antwort geben. Okay, hm. Mein größter Traum, der mir geblieben ist– die anderen Träume habe ich mir bereits durch die Musik erfüllt, ich liebe die Musik und das Entertainment–, ist das Projekt für Kinder, das wir beide verfolgen. Ja, mich interessiert [nichts anderes], das stimmt wirklich, meine Karriere ist mir egal, das kannst du mir wirklich glauben. Was mich antreibt, sind die Kinder. Wenn ich nicht dieses Ziel vor Augen hätte, würde ich ernsthaft… das habe ich dir schon erzählt, und ich schwöre bei Gott, dass jedes Wort stimmt– ich würde alles hinwerfen, wenn nicht die Kinder und Babys wären. Und das ist meine ernsthafte und ehrliche Antwort… und wie ich schon eben sagte, würde ich den Tod wählen, wenn ich diese Aufgabe in meinem Leben verlöre. Ich meine das aus tiefstem Herzen.
Aus seiner Stimme konnte ich die Wahrheit heraushören. Die Antwort wirkte auf mich extrem alarmierend. Hatte er mir wirklich gesagt, dass er den Tod wählen würde? Das konnte ich nicht glauben, und ich bat ihn, das klarzustellen.
SB:Den Tod zu wählen, wie im Fall von Marilyn Monroe?
MJ:Soähnlich. Ich würde einen Weg finden, den Planeten zu verlassen, da mir das Leben ohne die Babys und Kinder nichts mehr bedeutet.
SB:Du betrachtest Kinder als einen Teil deines Lebens, als einen Funken Gottes hier auf Erden?
MJ:Für mich sind sie es. Das schwöre ich.
SB:Für dich bedeuten Kinder Spiritualität?
MJ:Kinder strahlen das Reine und Spirituelle aus, und ich kann nicht ohne sie leben. Wenn du mir jetzt sagst:»Michael, du darfst nie wieder ein Kind sehen«, würde ich mich umbringen. Das schwöre ich bei Gott, denn ich hätte nichts anderes, wofür es sich zu leben lohnt. So ist es. Ehrlich.
Ich fühlteÜberraschung und Erschrecken. Ich musste ihn wieder zur Vernunft bringen und sagte…
SB:Du möchtest also lange leben?
MJ:Ich will das Wort»schwören« zurücknehmen, denn ich schwöre niemals auf den Namen Gottes. Ich nehme das zurück. Könntest du bitte die Frage noch einmal wiederholen?
SB:Du hast davon gesprochen,»zu verschwinden«. Ich das Verschwinden für dich wichtig?
MJ:Ich will kein langes Leben f&u