Einen Gesprächstermin mit Robin Gibb bekommt man nicht einfach so. Man muss ihn sich erarbeiten. Er sei ein Mann, der leider eine Menge schlechte Erfahrungen mit Interviewern gemacht habe, lautet die zögerliche Antwort auf die erste Anfrage. Und wer sich mit der Geschichte der Bee Gees ein wenig auskennt, der weiß: Das stimmt. Robin sei daher mittlerweile sehr vorsichtig geworden. Er rede nicht mehr gerne ausführlich mit Pressevertretern – und über private Details schon mal gar nicht. Letzteres ist nicht weiter schlimm, denn das geplante Gespräch soll keine Grundlage für ein Fitzelchen in einer Boulevard-Zeitung werden. Es soll die Basis für eine große Geschichte werden: für die Geschichte von Robin Gibb und den Bee Gees.
Nach einigen komplizierten Planungen ist das Gespräch zunächst in Frankfurt am Main terminiert. Die Absage kommt kurzfristig, und ein paar Tage später heißt es: Ab nach Amsterdam. Ort ist das Hotel „Okura“, ein luxuriöses Haus mit asiatischem Touch in der südlichen Innenstadt. Um 16 Uhr soll das Gespräch beginnen, so der Plan. Dann sei Robin entspannt, dann könnte es funktionieren. Leider existieren in der Rock- und Popbranche Zeitpläne jedoch eigentlich nur, damit man sie umschmeißen oder ignorieren kann. Immerhin, der Ort bleibt. „Aber vor 22 Uhr wird das nichts“, sagt Robins Tourmanager, ein baumlanger Typ mit fränkischem Dialekt, schlohweißen Haaren und großen Ringen an jedem Finger, der seine Kippen mit Zigarettenspitze raucht.
Bis zehn Uhr am Abend – das sind noch sechs Stunden. Aber, hey, dies ist Amsterdam! Es ist der erste richtige Frühlingstag, die Luft ist mild, die Menschen gut gelaunt. Hier sollte man mit sechs freien Stunden doch etwas anfangen können.
Erste Stunde, 16–17 Uhr.
In der Lobby des „Okura“ gerät man schnell noch ein bisschen ins Plaudern. Das Ambiente ist exquisit, der Kaffee hervorragend. Robins Tourmanager beginnt, sich warmzureden. Er hat viel erlebt, kennt die wilden Zeiten, als vom Rock’n’Roll noch eine rebellische Kraft ausging – und als man in der Branche noch richtig Geld verdient hat. Damals existierte das Wort „Download“ noch nicht, und wer Musik in bester Qualität hören wollte, musste sich die Platte kaufen. „Eine Karriere, wie Robin sie hatte, ist daher heute nicht mehr vorstellbar“, sagt er sehr bestimmt. Dazu seien die Plattenfirmen zu ungeduldig und die Käufer zu wenig dafür sensibilisiert, dass sie mit illegalen Downloads Karrieren wie die der Bee Gees im Keim ersticken.
Seit mehr als fünf Jahrzehnten schreiben die Brüder Gibb eigene Songs. Knapp 1000 Lieder sind in dieser Zeit entstanden. Von derHopscotch Polka, die de