Klärungsorientierte Psychotherapie der dependenten Persönlichkeitsstörung
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Rainer Sachse, Janine Breil, Meike Sachse, Jana Fasbender
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Klärungsorientierte Psychotherapie der dependenten Persönlichkeitsstörung
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Hogrefe Verlag GmbH& Co. KG
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9783840925153
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1
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CHF 18.00
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Psychologie
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German
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114
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Für Therapeutinnen und Therapeuten sind Klienten mit dependenter Persönlichkeitsstörung auf den ersten Blick kooperativ und »pflegeleicht«; jedoch wird schnell deutlich, dass die Störung hoch ich-synton ist, die Klienten keine Änderungsmotivation zeigen und auf eine sehr spezielle Art manipulativ sind. Daher erweist sich die Initiierung von Änderungsprozessen als äußerst schwierig. Das Buch analysiert die relevanten Schemata und »Spielstrukturen« von Klienten mit dependenter Persönlichkeitsstörung und das schwierige inner-therapeutische Interaktionsverhalten und stellt therapeutische Strategien zum konstruktiven Umgang damit bereit. In ausführlich kommentierten Transkripten werden die therapeutischen Strategien illustriert, so dass diese gut nachvollziehbar und umsetzbar sind. Spezifische schwierige Interaktionen im Therapieprozess werden ebenfalls eingehend behandelt.
Verschiedene Autoren gehen davon aus, dass sich wiederholende Erfahrungen, sowohl kognitiv als auch affektiv verarbeitet werden, und die Schlussfolgerungen aus diesen Erfahrungen in kognitiven und affektiven Schemata gespeichert werden (Barnard, 1985; Barnard& Teasdale, 1991; Teasdale, 1993, 1996, 1997, 1999; Teasdale& Barnard, 1993; Perrig et al., 1993). Affektive Schemata sind damit Verdichtungen affektiver Erfahrungen und bilden sich wie kognitive Schemata in der Biographie. Da kognitive und affektive Verarbeitungsprozesse parallel ablaufen, kann angenommen werden, dass Erfahrungen meist zu Mischschemata führen, die sowohl kognitive als auch affektive Anteile enthalten.
Nach Teasdale (1999) erfolgen die affektiven Verarbeitungen eher implizit (dem Bewusstsein schwer zugänglich) und holistisch. Die Aktivierung affektiver Schemata oder affektiver Schemaanteile führt zu Affekten, wie zu einem diffusen Gefühl, z.B. dass etwas nicht stimmt, und zu körperlichen Reaktionen wie Spannung im Nacken, Druck auf der Brust, u.ä. Die Person hat subjektiv den Eindruck, dass diese Stimmungen und körperlichen Reaktionen etwas bedeuten. Dementsprechend scheinen Affekte mit dem identisch zu sein, was Gendlin (1981) als „felt sense“ bezeichnet.
Affekte kommen also durch die Aktivierung idiosynkratischer, affektiver Schemata zustande und erfordern keine kognitiven Analysen. Sie müssen von Emotionen wie Wut, Trauer, Freude o.ä., deren Anzahl begrenzt und die klar voneinander abgrenzbar und benennbar sind, unterschieden werden. Während Emotionen auf komplexe, sukzessive Verarbeitungsprozesse zurückgehen und diese Verarbeitungsprozesse für jede Emotion grob festgelegt sind, gibt es für Affekte keine Taxonomie und ihre Anzahl ist potenziell unbegrenzt. Da affektive Schemata und affektive Schemaanteile in einem anderen Repräsentations-Code vorliegen als kognitive Schemata, können Personen diese nicht valide repräsentieren. Entsprechend können sie nicht durch neue Erfahrungen, die in einem kognitiven Code gespeichert sind, verändert werden. Dies verkompliziert die Bearbeitung dieser Schemata bzw. Schemaanteile.
3.2.2 Beziehungsschemata
Ein zentrales Beziehungsschema von Personen mit dependenter Persönlichkeitsstörung lautet: Beziehungen sind nicht verlässlich! Die Person ist davon überzeugt, dass Beziehungen jederzeit aufgekündigt werden können und dass sie plötzlich, ohne Warnung verlassen werden kann, sodass sie sich nicht darauf vorbereiten und auch nicht mehr rechtzeitig etwas dagegen unternehmen kann. Die Person glaubt auch, dass Beziehungen nicht belastbar sind, sodass Streitigkeiten, Konflikte, Meinungsverschiedenheiten bereits dazu führen können, dass der Partner die Beziehung verlässt. Die Schemata lauten somit:
• Beziehungen sind nicht verlässlich.
• Beziehungen sind nicht belastbar.
• Du kannst jederzeit (und ohne Warnung) verlassen werden.
• Du kannst nichts dagegen tun.
• Konflikte gefährden die Beziehung.
Unserer Erfahrung nach sind die auf der zweiten Schema-Ebene befürchteten Konsequenzen im Kern Verlassen sein und Einsamkeit: „Wenn ich verlassen werde, dann bin ich einsam und vernichtet.“ Das Gefühl ist so, als würde man mitten im All zwischen zwei Galaxien ausgesetzt; man fühlt sich nicht nur allein, man fühlt sich vollständig verloren. Alleinsein wird als Katastrophe empfunden, weil diese Schemata mit den negativen Affekten aktiviert werden. Dies ist der Hintergrund und nicht der objektive Tatbestand, allein zu sein.
Diese Annahmen haben bestimmte Implikationen, welche das Erleben und Verhalten der Person beeinflussen. Zum einen entwickelt sich auch bei länger bestehenden Beziehungen im Kern kein Gefühl, dass die Beziehung stabiler wird. Personen mit dependenter Struktur
Inhalt
7
1 Einleitung
9
2 Die dependente Persönlichkeitsstörung: Beschreibung und Diagnostik
10
2.1 Beschreibung der Störung
10
2.2 DSM- und ICD-Kriterien
14
3 Störungstheorie der dependenten Störung
18
3.1 Motivebene
18
3.2 Schemata
19
3.3 Spielebene
21
3.4 Das Modell der doppelten Handlungsregulation im Überblick
30
3.5 Weitere Aspekte der dependenten Persönlichkeitsstörung
30
4 Differentialdiagnostik
37
4.1 Abgrenzung der dependenten Störung von der psychosomatischen Verarbeitungsstruktur
37
4.2 Abgrenzung der dependenten von der histrionischen Persönlichkeitsstörung
38
5 Die Therapie mit dependenten Klienten
42
5.1 Therapeutische Grundhaltungen
42
5.2 Therapie-Phasen
43
5.3 Phase 1: Beziehungsaufbau
44
5.4 Phase 2: Erarbeitung eines Arbeitsauftrags durch Transparentmachen der Spielebene
49
5.5 Phase 3: Schemaklärung
60
5.6 Phase 4: Bearbeitung der Schemata und Transfer in den Alltag
61
6 Demonstrationen therapeutischer Vorgehensweisen bei dependenten Klienten anhand von Transkripten
65
6.1 Klärung
65
6.2 Kommentar
68
6.3 Umgang mit Vermeidung
69
6.4 Kommentar
74
6.5 Umgang mit sehr starker Vermeidung
77
6.6 Kommentar
83
6.7 Konfrontationen
86
6.8 Kommentar
91
6.9 Herausarbeitung von Schemata
94
6.10 Kommentar
103
Literatur
106