: Mary Higgins Clark
: Wo waren Sie, Dr. Highley? Roman
: Heyne Verlag
: 9783641122171
: 1
: CHF 2.70
:
: Spannung
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Frauenarzt Dr. Highley unterhält eine renommierte Privatklinik in New Jersey. Er ist Spezialist für komplizierte Schwangerschaften, aber er mißbraucht seine Patientinnen auch für wissenschaftlich nicht fundierte Experimente. Eine Reihe von mysteriösen Todesfällen in der Klinik alarmiert schließlich die Polizei. Da macht die junge Richterin Katie DeMaio eine Beobachtung, die für sie höchst gefährlich wird ...

Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.

5


Das Taxi hatte Katie abgesetzt. Unter Schmerzen humpelte sie rasch die Eingangstreppe hoch, steckte den Hausschlüssel ins Schloß, drehte ihn herum und stöhnte leise: »Gott sei Dank zu Hause.« Es kam ihr so vor, als sei sie nicht eine Nacht, sondern wochenlang weggewesen. Sie sah ihr Zuhause mit neuen Augen. Sie mochte die ruhigen wohltuenden Brauntöne, in denen der riesige Flur und das Wohnzimmer gehalten waren und all die Hängepflanzen, die ihr gleich aufgefallen waren, als sie erstmals das Haus betreten hatte.

Sie hob eine Schale mit Usambaraveilchen hoch und roch den scharfen Duft der Blätter. Sie hatte noch immer den Geruch von Desinfektionsmitteln und Arznei in der Nase. Die Gelenke waren noch ganz steif und alles tat ihr weh. Die Schmerzen hatten sich seit heute früh verschlimmert.

Doch wenigstens war sie zu Hause.

John! Wäre er noch am Leben, wäre er gestern nacht dagewesen, hätte sie ihn rufen lassen...

Katie hängte ihren Mantel auf und ließ sich auf die aprikosenfarbene Samtcouch im Wohnzimmer sinken. Sie blickte zu Johns Bild hinüber, das über dem Kaminsims hing. John Anthony DeMaio, der jüngste Richter in ganz Essex County. Sie konnte sich noch so gut an den Tag erinnern, an dem sie ihn zum erstenmal gesehen hatte. Er war zu den Vorlesungen über Schadenersatzrecht an das juristische Seminar von Senton Hall gekommen, wo Katie studierte.

Nach Vorlesungsende scharten sich die Studenten um ihn: »Richter DeMaio, hoffentlich lehnt das Gericht die Berufung im FallCollins ab.«

»Richter DeMaio, ich teile Ihre Entscheidung im FallReicher gegen Reicher.«

Dann war sie an der Reihe gewesen. »Herr Richter, Ihr Urteil im FallKipling halte ich nicht für angemessen.«

John hatte lachen müssen. »Dazu sind Sie durchaus berechtigt, Miß...«

»Katie... Kathleen Callahan.«

Sie hatte sich nie erklären können, warum sie in jenem Augenblick ihre ›Kathleen‹ herausgekehrt hatte. Aber so hatte er sie dann immer genannt: Kathleen Noel.

Noch am selben Tag hatte er sie zu einem Kaffee eingeladen. Tags darauf führte er sie ins Restaurant Monsignor II in New York zum Abendessen aus. Als das Violintrio zu ihrem Tisch kam, hatte er sich›Wien, Wien, nur du allein... ‹ gewünscht. Er summte leise mit, bis das Lied zu End