: Volker Klüpfel, Michael Kobr
: Herzblut Kluftingers siebter Fall | Allgäu-Krimi
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426417546
: Kommissar Kluftinger
: 1
: CHF 10.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Herzblut' von Volker Klüpfel und Michael Kobr ist ein enhanced eBook und enthält viele tolle Extras: Ein Who-is-Who der Kluftinger-Welt, eine Übersetzungshilfe Allgäuerisch-Deutsch sowie eine Ausgabe des 'Altusrieder Anzeigers' - dort blicken Sie hinter die Kulissen der Kemptner Kripo, lesen leckere Rezepte in der Rubrik 'Essen mit Erika', lernen das neue 'MaLa-Yoga' in volkstümlicher Tracht nach Dr. Langhammer kennen und auch auf die Rubrik 'Richie rät' dürfen Sie gespannt sein! Kluftinger ist sich sicher: Bei einem anonymen Handyanruf, der ihn ausgerechnet während einer der gefürchteten Pressekonferenzen seines Chefs erreicht, wird er Zeuge eines Mordes. 'Alpträume von zu viel Schweinsbraten', tun seine Kollegen diesen Verdacht ab. Kluftinger ermittelt auf eigene Faust und findet am vermeintlichen Tatort jede Menge Blut, aber keine Leiche. Da überschlagen sich die Ereignisse: Mehrere brutale Mordfälle, anscheinend ohne Zusammenhang, erschüttern das Allgäu. Als dann doch noch der Großteil des abgängigen Toten auftaucht und Kluftinger endlich herausfindet, was all die Verbrechen verbindet, ist es fast schon zu spät ... Dabei steht er auch privat unter Druck: Seit Tagen leidet er unter heftigem Herzstechen und befürchtet sofort das Schlimmste. Eine demütigende Untersuchung bei Erzfeind Doktor Langhammer scheint das zu bestätigen. Doch der Kommissar ist entschlossen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Aber ob fleisch- und kässpatzenarme Ernährung und ein Yogakurs da die richtigen Mittel sind?

Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater - entweder als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried. Wie Kommissar Kluftinger.

Zweiter Tag


Ein weißes Boot, im Sonnenglanz …

Es war ein schöner Tag, sonnig, warm, fast frühlingshaft. Kluftinger blickte zufrieden aus dem Fenster seiner Almhütte auf den schneeweißen Sandstrand.

… und du schenkst mir den Blütenkranz. Ich folgte dir ins Paradies …

Er wollte nur hier sitzen bleiben und den Kühen zusehen, die am Strand grasten, doch irgendetwas brummte an seinem Hintern, und er wusste instinktiv, dass das mit dem Paradies nichts zu tun hatte, und als er aufsah, war der Himmel nicht mehr blau, sondern grau, die Landschaft vereist und …

… ein Märchenland, das Barbados hieß …

Er wachte auf. »Zefix!« Er hatte einen so schönen Traum gehabt, doch jetzt blickte er durch das Schlafzimmerfenster in die Dämmerung eines trüben Tages.

Die rote Sonne von Barbados …

Er spürte das Vibrieren wieder, und nun wurde ihm auch klar, dass es sein Handy gewesen war, das ihn aus seiner Traumwelt gerissen hatte. Er musste gestern Nacht darüber eingeschlafen sein, als er den Anruf immer und immer wieder abgehört hatte.

… für dich und mich scheint sie immer noch …

»Himmel!« Er wälzte sich herum, doch er konnte das Telefon nicht sehen. Erika wurde bereits unruhig, und er wollte sie zu dieser frühen Stunde nicht wecken.

… mit den Wolken nach Süden ziehn …

Da! Das Klingeln kam genau aus der Ritze zwischen den zwei Matratzen. Er langte hinein, fuhr mit der Hand herum, zog es heraus und nahm den Anruf sofort an, damit der Klingelton endlich verstummte.

»Ja?«, flüsterte er. »Was ist denn?«

»Morgen, Kollege.« Es war Strobls Stimme. Er klang, als wäre er schon eine ganze Weile auf den Beinen. »Du machst dich besser gleich hübsch und kommst her, wir haben ihn.«

»Wen?«

»Na, den Taximörder. Dank deiner scharfsinnigen Birne. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wo du das immer hernimmst, wo du doch sonst eher …«

»Du mich auch«, knurrte Kluftinger und beendete das Telefonat.

Sie hatten ihn! Das schien doch ein guter Tag zu werden. Er sprang förmlich aus dem Bett, woraufhin der Boden unter ihm zu schwanken begann, sein Kopf eigenartig leicht wurde und sein Sichtfeld sich immer mehr einengte. Automatisch griff er nach dem Vorhang, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und der Länge nach hinzuschlagen. Er blieb starr stehen und versuchte, sich zu konzentrieren, bis das Schwindelgefühl wieder nachließ und das Kribbeln in seinem Kopf abebbte. Als es vorbei war, verfluchte er sich für seine Aktion. Er war aus dem Bett gehüpft wie ein Teenager – allerdings im Körper eines Endfünfzigers. Er atmete erleichtert ein – was er wieder mit einem stechenden Schmerz in der Brust bezahlte. Stärker als in den letzten Tagen. Er griff sich panisch an den Brustkorb – war es das nun? Der Herzinfarkt? Seit sein Vater eine Bypassoperation gehabt hatte, fürchtete er sich vor dem Moment, wo es auch ihm so ergehen würde.

»Ist was, Butzele?« Erikas besorgte Stimme riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. Mit einem Mal ließ der Schmerz nach.

»Na, alles gut«, erwiderte er, doch ihm war klar, dass er wenig überzeugend war, so wie er dastand: eine Hand in das Schlafanzugoberteil auf der Brust gekrallt, die andere am Vorhang, seine Stirn bedeckt von Schweißtröpfchen.

Entsprechend beunruhigt blickte seine Frau drein. »Hast du was am Herz? Wieder dieses Stechen?«

»Am Herz? Schmarrn. Ich bin … wo draufgetreten. Weil bei uns auch immer so einVerhau ist und alles rumliegt.« Mit diesen Worten lief er aus dem Schlafzimmer.

»Hast du denn schon bei dem Spezialisten angerufen? Bei dem dein Vater in der Reha war?«, rief ihm seine Frau nach.

»Ja, hab ich. Aber der hat bloß gesagt, ich soll erst mal zum Langhammer gehen.«

»Kennt der ihn denn?«

»Herrgott, jetzt schrei doch nicht so.«