: Gisbert Haefs
: Alexanders Erben Alexander 3
: Heyne Verlag
: 9783641098452
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Alexan er der Große – ein unsterblicher Mythos

Von der Donau bis zur Adria, vom Nil bis zum Indus: Dies ist das Reich, das Alexander der Große bei seinem Tod hinterlässt – aber wem? Seine Verwandten, die hohen Offiziere, die Provinzverwalter beginnen einen tödlichen Reigen wechselnder Kriege und Bündnisse. Einige möchten das Reich bewahren, die übrigen haben eigene Ziele: Ptolemaios will Pharao werden, Seleukos Nachfolger der persischen Großkönige, andere wollen Vorderasien, Griechenland, die Inseln ...

Alexanders letzte Frau Roxane und seine Geliebte Barsine bringen Thronfolger zur Welt, seine immer noch machtgierige Mutter Olympias ist die Fürstin aller Niedertracht. Schlachten und Feste, ungeheure Schätze und düsterstes Elend, Liebschaften und Giftmorde, Treue und Tücke, nichts fehlt im Ringen der Diadochen. Schwer genug, in dieser Zeit zu überleben, noch schwerer, wenn man daneben Träume hat. Der junge Offizier Peukestas sucht seinen Vater und will die Geschichte Alexanders und der anderen niederschreiben; der Sänger und Musiker Dymas möchte die Rückseite des Windes und den Rand der Welt sehen; Kassandra will eigentlich nur mit dem Boot ihres ermordeten Vaters zum Fischen ausfahren; die Steppenkriegerin Tomyris sucht den heiligen Dolch, den einer von Alexanders Männern erbeutet hatte und der sie zur Fürstin machen kann. Sie alle bringt der Zufall zusammen und trennt sie immer wieder.

Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling, Jorge Luis Borges und zuletzt Bob Dylan zuständig. Zu schriftstellerischem Ruhm gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen WerkeHannibal, AlexanderundTroja. Im Heyne Verlag erschienen zuletztCaesar, Die Mörder von KarthagoundDie Dirnen von Karthago.

Langsam, langsam, als müsse er unendliche Widerstände überwinden, hauchte Alexander etwas; die Lippen bewegten sich kaum.

KRA.OderGRA.Oder so ähnlich. Alle hatten es gehört,keiner mehr als dies; sie fragten, wollten ihn schütteln, aber er regte sich nicht mehr,und schließlich trieb Philippos alle vor sich her,zurück ins Gesprächszimmer.

»Kra, kra, kra«, sagte Meleagros, als sie berichtet hatten.»Krateros? Nachfolger Parmenions als Oberbefehlshaber nach Alexander,jetzt Nachfolger von Antipatros als Statthalter in Europa – Stellvertreter des Königs, auch Nachfolger?«

»Krateros ist nicht hier«, sagte Perdikkas schneidend.»Vergeßt ihn.«

»Ob er sich nicht in Erinnerung bringen wird?« murmelteEumenes.»Denkt an Susa, an die Vermählung und die Ehren.Er stand als Dritter da, vor ihm nur Alexander und Hephaistion. Wir alle nach ihm …«

»Vergeßt ihn«, sagte nun auch Ptolemaios; er wechselte einen Blick mit Perdikkas und nickte kaum merklich. Perdikkas zwinkerte.

Philippos schwor,es sei nichtkra, sonderngragewesen.Vielleichtgraia, die Alte – Olympias; damit erntete er Hohnund Empörung. Odergraikos,bei Sophokles ein Begriff für alle Hellenen?»Irgendwas mitgramma-odergraph-; vielleicht hat er doch etwas über die Nachfolge geschrieben?«

»Bah. Wie wär’s mitgrammatephoros– irgendeinen tüchtigen Briefträger werden wir doch finden, oder?« sagte Leonnatos wütend.

»Kra«, sagte Perdikkas nachdrücklich.»Bloß was –krabbatos?Ein Ruhebett für den Herrscher,oder ›laßt mich schlafen‹?Krama– das Gemischte, wir alle zusammen?Kranioleios– der ›Kahlkopf‹ Antipatros?Kratistos– der Stärkste, der Beste, der Tapferste?«

»Krateros der Tapfere«, sagte Meleagros.

»Vergiß ihn!« brüllte Perdikkas.»Kra, kra, kra –kratistos. Das ist es. Ich bin jetzt ganz sicher,daß erkratistosgesagt hat.«

»Ist es dir gelungen, dich dazu zu überreden?« sagte Eumenes mit einer Grimasse.»Und wer soll das sein – der Beste,Tapferste, Stärkste?«

»Das werden wir nach und nach feststellen.«

»Außer mir noch jemand für Krateros?« sagte Meleagros, der sich durch Perdikkas’ Gebrüll nicht einschüchtern ließ.

Keiner antwortete.

Nearchos wanderte durch die Schlieren der Schlaflosigkeit im Gewölbe der Nacht umher. Er durchquerte ganz Babylon, oder jedenfalls den größten Teil der Stadt. Kein Stern war zu sehen; die dichten Wolken hatten sich immer noch nicht aufgelöst, sie brüteten über allem wie eine Glucke. Zahllose Menschen waren auf den Straßen und Plätzen, hockten leise murmelnd irgendwo zusammen oder warteten stumm auf etwas, das ebenso gewiß war wie unfaßlich.

Im Morgengrauen kehrte er in den Palast zurück. Etwaszog ihn in den leeren Thronsaal. Es gab keine Wachen; nichtsaußer dem Thron der Großkönige, von Susa hergebracht, wardort zu stehlen. Er