: Mary Higgins Clark
: Ein Gesicht so schön und kalt Roman
: Heyne Verlag
: 9783641100735
: 1
: CHF 4.50
:
: Spannung
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die Staatsanwältin Kerry McGrath einigen Patientinnen des renommierten Schönheitschirurgen Dr. Smith begegnet, macht sie eine grausige Entdeckung: Ihre Gesichtszüge ähneln in verblüffender Weise denen der vor Jahren ermordeten Suzanne. Kerry McGrath nimmt die Nachforschungen wieder auf und begibt sich damit selbst in größte Gefahr.

«Einsame Klasse, Spannung bis zur letzten Seite.»
JOURNAL FüR DIE FRAU

Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.

Montag, 23. Oktober

9


Fast zwei Wochen waren vergangen, und noch immer sonnte sich Kerry im Glanz ihrer Befriedigung über das mittlerweile abgeschlossene Verfahren. Sie hatte die Verurteilung wegen Mordes durchgesetzt. Wenigstens mußten die Söhne der getöteten Frau nicht in dem Bewußtsein aufwachsen, daß der Mörder ihrer Mutter in fünf oder sechs Jahren wieder frei herumlief. Genau das wäre geschehen, wenn die Geschworenen der Argumentation der Verteidigung auf Totschlag im Affekt Glauben geschenkt hätten. Mord bedeutete eine obligatorische Strafe von dreißig Jahren, ohne Chance auf Strafminderung wegen guter Führung.

Während sie jetzt erneut im Empfangsraum der Praxis von Dr. Smith saß, machte sie ihre Aktentasche auf, die sie überallhin mitnahm, und zog eine Zeitung heraus. Robin war zur zweiten Nachuntersuchung da, die sicher eher eine Routineangelegenheit war, also konnte Kerry sich entspannen. Außerdem brannte sie darauf, das Neueste über Jimmy Weeks’ Prozeß zu erfahren.

Wie Frank Green vorhergesagt hatte, war man allgemein der Ansicht, daß es für den Angeklagten nicht gut aussah. Frühere Ermittlungen in Sachen Bestechung, Insider-Geschäften sowie Geldwäsche waren wegen Mangels an ausreichenden Beweisen fallengelassen worden. Dieses Mal jedoch galt es als sicher, daß der Fall hieb- und stichfest war. Das hieß, falls er überhaupt in die Gänge kam. Die Auswahl der Jury dauerte nun schon mehrere Wochen an, und es war kein Ende in Sicht. Das wird Bartlett und Kinellen sicher freuen, dachte sie, daß sich all diese honorarträchtigen Stunden anhäufen.

Bob hatte Jimmy Weeks einmal Kerry vorgestellt, als sie den beiden in einem Restaurant über den Weg lief. Nun betrachtete sie das Foto von ihm, auf dem er neben ihrem ehemaligen Mann auf der Anklagebank saß. Denk dir den maßgeschneiderten Anzug weg und dieses aufgesetzte weltmännische Gehabe, und du hast einen Schurken vor dir, überlegte sie.

Auf der Abbildung war Bobs Arm schützend um die Lehne von Weeks’ Stuhl gelegt. Ihre Köpfe steckten nahe beieinander. Kerry mußte daran denken, wie Bob früher diese Geste einstudiert hatte.

Sie überflog den Artikel, ließ dann die Zeitung wieder in ihre Aktentasche plumpsen. Mit einem Kopfschütteln erinnerte sie sich an ihre Entrüstung, als Bob ihr kurz nach Robins Geburt mitgeteilt hatte, er habe eine Stelle bei Bartlett und Partner angenommen.

»All ihre Klienten stecken schon mit einem Fuß im Knast«, hatte sie protestiert. »Und der andere Fuß gehört ebenfalls dahin.«

»Und sie zahlen rechtzeitig ihre Rechnungen«, hatte Bob daraufhin erwidert. »Kerry, bleib du nur bei der Staatsanwaltschaft, wenn dir der Sinn danach steht. Ich hab’ andere Pläne.«

Ein Jahr später verkündete er, diese Pläne schlössen auch die Ehe mit Alice Bartlett ein.

Graue Vorzeit, sagte sich Kerry jetzt und sah sich im Wartezimmer um. Heute saßen hier noch ein athletisch aussehender Halbwüchsiger mit einem Verband auf der Nase und eine ältere Frau, deren viele Falten den Grund für ihre