: Terry Pratchett, Neil Gaiman
: Ein gutes Omen Der völlig andere Hexen-Roman
: Piper Verlag
: 9783492960014
: 1
: CHF 8.90
:
: Science Fiction, Fantasy
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Apokalypse mit Humor: In Terry Pratchetts und Neil?Gaimans?Kult-Klassiker »Ein gutes Omen« liefern sich Gut und Böse ein bitter-komisches Duell.?  Das gemeinsame Buch der beiden Fantasy-Schwergewichte Terry Pratchett und Neil?Gaiman?ist ein wahrer Geniestreich voll absurder Komik.??  ?Es ist das Ende des 20. Jahrhunderts, Himmel und Hölle machen sich für ihren finalen Kampf bereit: Die Apokalypse steht bevor - aber irgendwie will der Antichrist nicht so richtig in die Gänge kommen.   Die Engel?Erziraphael?und Crowley sollten den jungen?Warlock?eigentlich zum Niedergang verkündenden Höllenfürsten erziehen. Doch viel mehr als für den Weltuntergang interessiert sich der vermeintliche Sohn des Teufels für Baseball und seine Briefmarkensammlung. Da stellt sich heraus, dass?Warlock?einst im Krankenhaus vertauscht wurde und tatsächlich nur ein ganz normaler Junge ist. So beginnt eine kuriose Suche nach dem wahren Antichristen.??  Die humoristische Fantasy-Erzählung von Pratchett und?Gaiman?erschien erstmals im Jahr 1990 und hat sich seitdem zu einem Kultroman entwickelt. Durch die Erzählkunst und den schrägen bis bitterbösen Humor der beiden Fantasy-Meister hat »Ein gutes Omen« eine treue Fangemeinde um sich geschart.??  »Alles in allem ist ?Ein gutes Omen? ein superwitziges Buch mit viel Spannung.« - Augsburger Allgemeine?  Terry Pratchett kennen und lieben Fantasy-Fans durch seine Scheibenwelt-Bücher, Neil?Gaiman?wurde durch seine Comic-Serie »Sandman« sowie zahlreiche Romane bekannt. Im Doppelpack laufen die beiden zu Höchstform auf und steigern sich in einen fulminanten Rausch aus Witz und humorvoll verpackter Gesellschaftskritik.??   Weltuntergang zum Nachlesen: das Buch zur Serie??  ?In Kooperation mit Amazon entstand 2019 die Mini-Serie »Good?Omens« zum Buch. Neil?Gaiman?verfasste das Drehbuch selbst, der inzwischen verstorbene Pratchett gab sein Einverständnis in einem posthum veröffentlichten Brief bekannt. 

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie« sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor - Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Es war ein smoggeschwängerter heißer Augusttag in London.

Warlock empfing viele Gäste zu seinem elften Geburtstag.

Im Saal befanden sich nicht nur zwanzig Jungen und siebzehn Mädchen. Hinzu kam eine Reihe von blonden Männern, alle mit dem gleichen Kurzhaarschnitt, blauen Anzügen und Schulterhalftern ausgestattet. Ein Heer von Lieferanten brachte Wackelpudding, Kuchen und Schüsseln mit Kartoffelchips. Die Karawane von Lieferwagen wurde von einem alten Bentley angeführt.

Das Unterhaltungs-Duo›Der tolle Harvey und die noch viel tollere Wanda– Experten für Kinderparties‹ fiel auf der Fahrt zur Residenz des Kulturattachés einem höllisch-himmlischen Grippevirus zum Opfer und mußte mit Fieber, laufender Nase und tränenden Augen nach Hause zurückkehren. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals fand sich Ersatz: Ein Zauberkünstler erklärte sich bereit, Harvey und Wanda zu vertreten.

Jeder hat sein kleines Hobby. Und Erziraphael beschloß, seins für einen guten Zweck zu verwenden– obwohl Crowley dringend davon abriet.

Der Engel war sehr stolz auf seine magischen Fähigkeiten. Im Jahre 1870 hatte er an einem von John Maskelyne veranstalteten Kurs teilgenommen und fast zwölf Monate lang geübt, wie man bunte Tücher aus denÄrmeln zog, Münzen verschwinden und Kaninchen aus Hüten springen ließ. Er glaubte, damals ein durchaus professionelles Geschick entwickelt zu haben. Nun, an dieser Stelle soll auf folgendes hingewiesen werden: Erziraphael konnte Dinge bewerkstelligen, die alle Mitglieder der Magischen Gilde dazu veranlaßt hätten, ihre Zauberstäbe wegzuwerfen und sich nach einem anderen Beruf umzusehen. Schließlich war er ein Engel, und Engel sind nicht an die normalen Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung gebunden. Um es anders auszudrücken: Himmlische Wesen kleiden sich in ein ganz anderes Gewand der Kausalität. Aber Erziraphael hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, die ihm innewohnenden wunderbaren Fähigkeiten so wenig wie möglich zu benutzen. Woraus sich jetzt ein Nachteil ergab. Er bedauerte es, nicht auch an Maskelynes Kurs für Fortgeschrittene teilgenommen zu haben.

Trotzdem: Er verglich diese Angelegenheit damit, auf einem Fahrrad zu fahren. Man vergaß nie, worauf es dabei ankam. Der Zaubermantel war ein wenig verstaubt, aber er fühlte sich gut an, als er ihnüber die Schultern streifte. Erziraphael entsann sich sogar an den richtigen Fachjargon.

Die Kinder beobachteten ihn gelangweilt, und einige von ihnen schnitten verächtliche Mienen. Crowley stand hinter dem Büfett, trug die Uniform eines Kellners und versuchte, sich seine Verlegenheit nicht allzu deutlich anmerken zu lassen.

»Nun, ihr jungen Damen und Herren«, begann Erziraphael.»Seht ihr meinen alten zerbeulten Hut? Was für ein alter und zerbeulter Hut! denkt ihr sicher. Ein alter, zerbeulter und völlig leerer Hut. Aberach! Was hat dieser Bursche darin zu suchen? Oh, es ist unser pelziger Freund, Karl Kaninchen!«

»Sie hatten es in der Tasche«, sagte Warlock. Die anderen Kinder nickten zustimmend. Wofür hielt sie der Narr? Für Kinder?

Erziraphael erinnerte sich an Maskelynes Hinweise in bezug auf Zwischenrufer.›Macht einen Witz daraus, ihr Knallköppe– und damit meine ich Sie, Mister Eden.‹ (Diesen Namen benutzte der Engel damals.)›Bringen Sie das Publikum zum Lachen. Dann verzeiht es Ihnen alles.‹

»Oh-ho, ihr habt meinenHuttrick durchschaut«, erwiderte Erziraphael und lachte. Die Kinder musterten ihn verdrießlich.

»Sie sind ein Idiot«, brummte Warlock.»Zeichentrickfilme sind mir viel lieber.«

»Er hat recht«, pflichtete ihm ein kleines Mädchen mit Pferdeschwanz bei.»Siesind ein Idiot. Und wahrscheinlich auch ein Blödmann.«

Erziraphael bedachte Crowley mit einem verzweifelten Blick. Seiner Ansicht nach bestand nicht mehr der geringste Zweifel daran, daß Warlock höllischen Einflüssen erlag. Je eher der schwarze Hund eintraf und sie diesen unfreundlichen Ort verlassen konnten, desto besser.

»Nun«, fuhr er fort,»hat jemand von euch zufälligerweise ein Klingelbingel dabei, vielleicht auch ein kleines Kettilein? Nicht einmal du, junger Herr? Und was ist das hier, hinter deinem Ohr …?«

»Beimeinem Geburtstag habe ich mir›Roadrunner‹ und›Coyote‹ angesehen«, verkündete das Mädchen.»Und ich habe sogar ein ACME-Paket mit Dynamit für Kinder, Raketenrollschuhen, mit Batman-Flügeln, Atomkleber, mit Laserpistolen und einer Startrampe für Raketen gekriegt …«

Crowley stöhnte innerlich auf. Offenbar ging es bei Kindergeburtstagen immer ziemlich hektisch zu, fand er. Jeder Engel mit gesundem Menschenver … Jeder Engel mit gesundem Engelverstand sollte derartige Veranstaltungen meiden.

Helle Stimmen quietschten voller Schadenfreude, als Erziraphael drei miteinander verbundene Metallringe fallenließ.

Crowley wandte sich von der improvisierten Bühne ab, und sein Blick fiel auf einen Tisch mit Dutzenden von Geschenken. Zwei Knopfaugen glühten in einem kleinen Kunststoffkasten.

Der Dämon beobachtete sie aufmerksam und rechnete fast damit, ein rötliches Schimmern zu sehen. Man mußte aufÜberraschungen gefaßt sein, wenn man es mit den Bürokraten der Hölle zu tun hatte. Sie waren sogar imstande, Höllenhunde mit Springmäusen zu verwechseln.

Nein, es handelte sich um eine ganz normale Springmaus. Sie wohnte in einer komplizierten Anordnung aus Zylindern, offenen Kugeln und Tretmühlen. Vermutlich hätte man so etwas während der spanischen Inquisition erfunden– wenn den Inquisitoren die unerhörte Vielseitigkeit des Werkstoffs Plastik bekannt gewesen wäre.

Crowley sah auf seine Armbanduhr. Die Batterie hatte schon vor drei Jahren den elektrischen Geist aufgegeben, und es war dem Dämon nie in den Sinn gekommen, sie zu wechseln. Warum auch? Die Uhr funktionierte bestens, zeigte gerade zwei Minuten vor drei an.

Erziraphael wurde immer nervöser.

»Hat irgend jemand aus dem Publikum vielleicht ein Taschentuch dabei?Nein?« In der viktorianischen Epoche gehörte es sich einfach nicht,kein Taschentuch dabei zu haben. Der Engel spürte ein hartnäckiges Picken am Handgelenk, was ihn sehr deutlich an die Taube in seinemÄrmel erinnerte. Um sie hervorzuzaubern, brauchte er unbedingt ein geeignetes Tuch. Er versuchte vergeblich, Crowleys Aufmerksamkeit zu erwecken, und wandte sich schließlich an einen Wächter, der voller Unbehagen von einem Bein aufs andere trat.

»Sie, mein lieber Herr. Bitte kommen Sie zu mir. Nun,äh, wenn Sie in Ihrer Brusttasche nachsehen … Ichglaube, dort finden Sie ein hübsches seidenes Taschentuch.«

»Neinsir, tutmirleidsir«, erwiderte der Sicherheitsbeamte und blickte starr geradeaus.

Erziraphael zwinkerte verzweifelt.»