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Und der Oscar geht an …«
Theatralisch hielt Johnny inne. Seine schokoladenbraunen Augen unter den langen, dunklen Wimpern blickten auf und schauten ins Publikum.
Ja, wie wahrscheinlich Millionen von Zuschauern rund um den Globus hingen wir an seinen Lippen, während er mit uns spielte und uns hinhielt, bevor er schließlich den schicksalhaften goldenen Umschlag öffnete, der einer Person Freude und Glückseligkeit schenken und alle anderen in tiefe Trauer und Enttäuschung stürzen würde.
Habe ich mir das nur eingebildet, oder hat er tatsächlich zu mir hinübergesehen, kurz bevor er den Umschlag geöffnet hat? Weiß er vielleicht schon etwas? Hat er womöglich Insider-Informationen, wer in dieser Kategorie gewinnen wird? Ich hatte immer schon geahnt, dass Johnny Depp und ich ein hübsches Pärchen abgeben würden. Und nun, in dieser Nacht der Nächte, würde ich endlich erfahren, ob dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte.
»Scarlett O’Brien!«
Ich!Ich! Johnny riefmeinen Namen! Endlich würde ichmeinen Oscar von einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler überreicht bekommenund noch eine Menge mehr – so ließ mich zumindest der Blick hoffen, den er mir zuwarf, als ich in meinem Stella-McCartney-Kleid elegant auf ihn zuschwebte und dabei im Vorbeigehen die Gratulationen meiner lieben Mitnominierten entgegennahm. Das war der Grund, warum es Träume und Fantasien gab.
»Scarlett«, rief er wieder, doch dieses Mal verwandelte sich seine Stimme in ein drängendes Flüstern. »Scarlett, beweg dich, oder ist dein Hintern auf diesem Stuhl festgeklebt? Das Stück istaus!«
Ich schüttelte den Kopf.
Das war nicht Johnny Depps Samtstimme, die mich sanft auf die Bühne rief. Es klang eher wie …
O mein Gott! Ich riss mich von meinem Tagtraum los, schaute mich um und merkte, dass ich mich gar nicht in Hollywood befand. Zwar saß ich durchaus in einem Theater, doch es war keineswegs das Kodak Theatre in Los Angeles, sondern das Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon. Und die Person, die dort in Anzug und Krawatte stand und meinen Namen rief, war nicht der süße Mr. Johnny Depp, sondern mein Verlobter – David.
»Ähm … Tut mir leid, David«, entschuldigte ich mich und sammelte schnell meine Habseligkeiten vom Boden auf. »Ich muss kurz eingenickt sein.«
»Hmmm.« David warf mir einen seiner typischen Blicke zu. Zwar hatten seine Augen die gleiche Farbe wie die von Mr. Depp, doch leider war sein Blick keinesfalls mit dem zu vergleiche