: Martin Opitz
: Weltliche Dichtungen
: Henricus - Edition Deutsche Klassik
: 9783847811862
: 1
: CHF 2.20
:
: Gemischte Anthologien
: German
: 159
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: ePUB
Martin Opitz: Weltliche und geistliche Dichtung, Herausgegeben von Dr. H. Oesterley, Berlin und Stuttgart: W. Spemann, [1889]. Erstdruck in: Martini Opicii Teutsche Poemata, hg. von Zincgref, Straßburg (Eberhard Zetzner) 1624.

Zlatna Oder Getichte von Ruhe dem Geküthes

[1623.]

 

Wie wann die Nachtigal, vom Keficht außgerissen,

Hin in die Lüfften kömpt und an den kalten Flüssen

Mit Singen lustig ist, umb daß sie loß und frey

Von ihrer Dienstbarkeit, und nun ihr selber sey,

So dünckt mich, ist auch mir, im Fall ich unterzeiten

Diß was mich sonsten hält, kan werffen auff die Seiten

Und ausser dieser Statt auch nur auff einen Tag

Und einen noch darzu, mit Ruh erschnauffen mag.

Doch lachet sonderlich vor andern Oertern allen

Mich euer Zlatna an und pflegt mir zu gefallen,

Zum Theil, Herr Lisabon, weil ihr da wonhafft seydt,

Und dann, daß viel da ist, so sonsten weit und breit

Nicht fast gefunden wird. Im Fall wir nur es nennen,

So kan man schon sein Thun und Eygenschafft erkennen,

Dann Zlato das heißt Goldt auff Windisch, da die Statt

Zwar kleine, doch nicht arm, darvon den Ursprung hat:

Die Römer wusten schon, was hier sey zu erlangen,

Das abgeführte Volck hat wol das Land durchgangen,

Eh' es sich niederließ, der besten Oerter Frucht

Und angenehmen Lust mit Fleisse nachgesucht.

Das lehrt uns Weissenburg, wo Apulum vor Zeiten,

Der Sarmitz Schwester, stund, die gantz von allen Seiten

Gesund und trächtig liegt, und Thorda zeigt es an,

Das sein Cristallen-Saltz so reichlich geben kan.

Doch war das Ort auch lieb, wo jetzund Zlatna lieget,

Da diesen Völckern hat Trajanus angesieget,

Wie ich vermuthen kan, weil jetzt noch allermeist

Ein grünes Feld allda Trajanus-Wiesen heißt.

Darneben ist Volcon, der hohe Berg, gelegen,

Auff dem das Volck vielleicht hat anzubetten pflegen

Der Götter lahmen Schmied. Es kamen da hinauff

Die Bauren vor der Zeit, da lag ein Stein darauff,

In den fast dieses Lauts Lateinisch war gegraben:

Hier liegt ein grosser Schatz; im Fall du ihn wilst haben