Zlatna Oder Getichte von Ruhe dem Geküthes
[1623.]
Wie wann die Nachtigal, vom Keficht außgerissen,
Hin in die Lüfften kömpt und an den kalten Flüssen
Mit Singen lustig ist, umb daß sie loß und frey
Von ihrer Dienstbarkeit, und nun ihr selber sey,
So dünckt mich, ist auch mir, im Fall ich unterzeiten
Diß was mich sonsten hält, kan werffen auff die Seiten
Und ausser dieser Statt auch nur auff einen Tag
Und einen noch darzu, mit Ruh erschnauffen mag.
Doch lachet sonderlich vor andern Oertern allen
Mich euer Zlatna an und pflegt mir zu gefallen,
Zum Theil, Herr Lisabon, weil ihr da wonhafft seydt,
Und dann, daß viel da ist, so sonsten weit und breit
Nicht fast gefunden wird. Im Fall wir nur es nennen,
So kan man schon sein Thun und Eygenschafft erkennen,
Dann Zlato das heißt Goldt auff Windisch, da die Statt
Zwar kleine, doch nicht arm, darvon den Ursprung hat:
Die Römer wusten schon, was hier sey zu erlangen,
Das abgeführte Volck hat wol das Land durchgangen,
Eh' es sich niederließ, der besten Oerter Frucht
Und angenehmen Lust mit Fleisse nachgesucht.
Das lehrt uns Weissenburg, wo Apulum vor Zeiten,
Der Sarmitz Schwester, stund, die gantz von allen Seiten
Gesund und trächtig liegt, und Thorda zeigt es an,
Das sein Cristallen-Saltz so reichlich geben kan.
Doch war das Ort auch lieb, wo jetzund Zlatna lieget,
Da diesen Völckern hat Trajanus angesieget,
Wie ich vermuthen kan, weil jetzt noch allermeist
Ein grünes Feld allda Trajanus-Wiesen heißt.
Darneben ist Volcon, der hohe Berg, gelegen,
Auff dem das Volck vielleicht hat anzubetten pflegen
Der Götter lahmen Schmied. Es kamen da hinauff
Die Bauren vor der Zeit, da lag ein Stein darauff,
In den fast dieses Lauts Lateinisch war gegraben:
Hier liegt ein grosser Schatz; im Fall du ihn wilst haben