(zurück zu Abschnitt 4.3.3: 70 bis 80: Beweglichkeit sichern)
Ein Glaubenssatz ist ein inneres Gesetz, das aufgrund von Erfahrungen gebildet wurde, um Sie davor zu bewahren, solche Erfahrungen noch einmal durchleben zu müssen. Glaubenssätze sind also die Resultate von Lernprozessen und dementsprechend tief verankert.[3]
Es gibt erlaubende, gebietende, also antreibende, und verbietende Glaubenssätze, die bewusst, unterbewusst (oder halb bewusst) bisher unreflektiert oder tief verdrängt sein können.
Diese Glaubenssätze bilden miteinander das Glaubenssatzsystem und jeder Mensch bewegt sich innerhalb dieses Systems. Es ist das Knochengerüst unserer Psyche und wir können uns nur so bewegen, wie die „Gelenke“ dieses Gerüstes es uns gestatten.
Die mächtigsten Glaubenssätze bilden sich innerhalb der ersten etwa vier Lebensjahre und leider werden etliche davon nicht mehr aktualisiert, sodass sich viele Menschen ihr Leben lang verhalten, als müssten sie sich noch im fortgeschrittenen bis hohen Lebensalter vor den Gefahren ihrer Kindheit schützen und den damaligen Geboten nachkommen.
Die ganzheitlichen Körperübungen bringen Sie in Kontakt mit Ihren altgewohnten inneren Gesetzen, sodass diese deutlich werden und in Ihr Bewusstsein treten können.
Im Folgenden finden Sie eine Anleitung, wie Sie mit einschränkenden Glaubenssätzen unter Einbeziehung des körperlichen Erlebens arbeiten können. Im Anschluss an die Anleitung wird ein konkretes Beispiel geschildert.
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(zurück zu Abschnitt 1.3: Der persönliche Alterungsprozess)
Führen Sie die Punkte 8 und 9 etwa eine Woche lang jeden Tag einmal durch und legen Sie das Thema dann zur Seite. Nach etwa einem Monat prüfen Sie genau, inwieweit sich der fragliche Lebensaspekt verändert hat.
Für jeden Lebensaspekt können Sie natürlich die Anleitung gesondert durchführen. Sie sollten jedoch nicht mehr als zwei Lebensaspekte gleichzeitig bearbeiten, und diese möglichst etwas zeitversetzt. Also nehmen Sie sich beispielsweise den nächsten Lebensaspekt in dem Monat vor, in dem der andere ruht.
Frau Baumann, 73 Jahre alt, trinkt bei schönem Wetter nachmittags ihren Kaffee gern auf ihrem Balkon. Dabei möchte sie gern ein wenig lesen. Nebenan wohnt Frau Huber, etwa gleich alt, die zur gleichen Zeit regelmäßig ihren eigenen Balkon betritt, um mit Frau Baumann zu plaudern, im guten Glauben, dass auch Frau Baumann diese nachmittäglichen Plaudereien schätzt. Diese ist jedoch zornig und ratlos, weil ihr keine Möglichkeit einfällt, Frau Huber verständlich zu machen, dass sie nicht plaudern, sondern in Ruhe lesen möchte.